Eva Menasse, verstehen Sie Deutschland
Christoph Amend, Jochen Wegner & Eva Menasse
Die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse spricht über ihr Selbstverständnis als Bewahrerin der Familiengeschichte ihres Vaters, über das Handwerk des Romanschreibens und darüber, warum sie stolz auf null Follower in den sozialen Medien ist. Dabei vergleicht sie Romane mit Flugzeugen und untrainierten Bauchmuskeln — und erzählt, wie begeistert ihre Freundinnen auf die Podcast-Einladung reagierten.
„Mein Agent sagte dann, andere Autoren würden ihre Großmutter verkaufen für fünf Seiten Verriss im Spiegel.“
Erwähnte Medien (66)
Die Tante Jolesch
Friedrich Torberg · 2013
Die Tante Jolesch oder Der Untergang des Abendlandes in Anekdoten ist ein 1975 veröffentlichtes Buch des österreichischen Schriftstellers Friedrich Torberg. Der Titel bezieht sich ironisch auf Oswald Spenglers kulturphilosophisches Werk Der Untergang des Abendlandes. Ein Nachfolgeband, Die Erben der Tante Jolesch, erschien 1978. Den von Torberg bereits „angedachten“ dritten Band gab es nicht mehr. 2001 verfasste Georg Markus Die Enkel der Tante Jolesch.
🗣 Christoph Amend zitiert daraus bei ⏱ 00:05:28 „Mein Schlusswort heißt Tante-Jolesch-Moment. Oh, ganz toll. Herausragendes Schlusswort. Toller Roman. Aber jetzt dürfen wir nicht mehr darüber sprechen.“
Eva Menasses Schlusswort lautet 'Tante-Jolesch-Moment', woraufhin Christoph Amend begeistert reagiert und es als 'tollen Roman' bezeichnet. Die Tante Jolesch von Friedrich Torberg ist ein Klassiker der Wiener jüdischen Literatur – die Wahl als Schlusswort deutet auf die tiefe Verbindung Eva Menasses mit dieser literarischen Tradition hin.
Der Stürmer
Julius Streicher
Julius Streicher war ein prominenter Nazi-Propagandist und Herausgeber der Hetzschrift "Der Stürmer", die sich durch extreme antisemitische Hetze auszeichnete. Als einer der Angeklagten bei den Nürnberger Prozessen nach dem Zweiten Weltkrieg stand Streicher vor Gericht, da er durch die ideologische Propaganda seines Blattes wesentlich zur Verbreitung des Antisemitismus im Dritten Reich beitrug. Der Artikel dokumentiert anhand der Stadtarchive in der Metropolregion Nürnberg die Geschichte dieser Figur und ihre Bedeutung für die Aufarbeitung der NS-Zeit.
🗣 Eva Menasse erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:33:52 „Georg Kreisler gibt es die unglaubliche Geschichte, wo er behauptet hat, dass er den, wie hieß der Streicher, der vom Stürmer? Julius Streicher, dass er den verhört hat und dass Streicher zu ihm sagte… Also eins der Hetzblätter der Nazis.“
Im Zusammenhang mit der Rückkehr jüdischer Emigranten als alliierte Soldaten nach Wien erzählt Eva Menasse eine Anekdote über Georg Kreisler, der den NS-Propagandisten Julius Streicher verhört haben soll. Der Stürmer wird als eines der Hetzblätter der Nazis eingeordnet. Die Pointe: Kreisler soll Streicher gefragt haben 'Herr Streicher, jetzt mal ganz ehrlich, wer hat angefangen?'
Min Kamp
Karl Ove Knausgård · 2012
Andra delen av Karl Ove Knausgårds mäktiga autofiktiva roman Min kamp är en studie i extremrealism genom blottläggandet av vardagligheter, av utanförskap och av självförödmjukelsens yttersta fascination. Fadersporträttet i första delen är här utbytt mot ett kompromisslöst sökande efter kärlek och vänskap. I centrum står också det egna författarskapet och konsekvenserna av att lämna Norge för en svensk anonymitet.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:45:40 „Und wir nennen das ja in diesem Podcast inzwischen den Knausgardeffekt, weil wir schon öfter Menschen zu Gast hatten, die sozusagen über ihre Familie schreiben oder was auch immer sie damit machen, Fiktionen erzeugen, die natürlich immer schräg zur realen Realität liegen.“
Jochen Wegner verwendet den Begriff 'Knausgardeffekt' als geflügeltes Wort im Podcast für das Phänomen, wenn Autoren ihre eigene Familie und Mitmenschen fiktionalisieren. Der Bezug ist Karl Ove Knausgårds autobiographisches Romanprojekt, in dem er schonungslos über sein reales Umfeld schrieb. Wegner fragt Eva Menasse, ob es bei ihrem Roman Vienna ähnliche Konflikte mit der Familie gab.
Interview mit Eva und Robert Menasse
Volker Weidermann
Eva und Robert Menasse sind das derzeit erfolgreichste Geschwisterpaar der deutschsprachigen Literatur. Hier geben sie ihr erstes gemeinsames Interview: über ihre Familie und ihren Umgang mit der Wahrheit.
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:51:52 „Es gibt, wir haben ja alles gelesen, es gibt ein ganz tolles Gespräch mit dir und deinem Bruder. Ich hoffe, du hältst es auch immer noch für toll und dementierst das jetzt nicht. Im Spiegel schon ein bisschen her und ich saß gestern im Büro des Kollegen, der das geführt hat, Volker Weidermann, inzwischen bei der Zeit, damals beim Spiegel.“
Jochen Wegner empfiehlt ein Spiegel-Interview, das Volker Weidermann mit den Geschwistern Eva und Robert Menasse geführt hat. Anlass war, dass beide 2017 gleichzeitig die wichtigsten Buchpreise gewannen – Eva den Österreichischen, Robert den Deutschen Buchpreis. Wegner hebt das Gespräch als besonders lesenswert hervor und erwähnt auch die darin enthaltenen Kindheitsfotos.
IT
· 2017
Die Freunde Stanley Uris, Richie Tozier, Mike Hanlon, Bill Denbrough Beverly Marsh, Eddie Kaspbrak und Ben Hanscom leben in einer Stadt namens Derry, in der immer wieder Menschen verschwinden – sowohl Erwachsene als auch vor allem Minderjährige. Schließlich erfahren die Kinder, die sich selbst auch den „Klub der Verlierer“ nennen, von einer interdimensionalen Kreatur, die Jagd auf Menschen macht und sich in die schlimmsten Alpträume ihrer Opfer verwandeln kann.
🗣 Eva Menasse referenziert bei ⏱ 01:03:53 „Da mussten wir in so eine Vorführung gehen, also der Film war noch nicht heraus, meine Schwester und ich mussten mit anderen Kinder in ein Wiener Kino und mussten IT gucken.“
Eva Menasse erzählt, wie ihr Vater sie und ihre Schwester als Testkinder für Filmvorführungen einsetzte. Der Film IT wurde ihnen vor dem Kinostart gezeigt, und beide Kinder kamen völlig verheult aus dem Kino. Der Vater schloss daraus, dass der Film ein Erfolg werden würde.
Literarisches Schlachtenbummeln – Hannibal als Held im historischen Roman
Eva Menasse
Magisterarbeit über die Darstellung Hannibals als literarischer Held in historischen Romanen. Eine akademische Abschlussarbeit, die nicht veröffentlicht wurde.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:09:47 „So, und dann hast du natürlich Germanistik und Geschichte studiert in Wien und über literarisches Schlachtenbummeln Hannibal als Held im historischen Roman deine Abschlussarbeit geschrieben, die wir nicht besorgt haben.“
Jochen Wegner erwähnt Eva Menasses Magisterarbeit über Hannibal als Held im historischen Roman. Menasse korrigiert, dass es sich nur um eine Magisterarbeit handele, die nicht als Publikation existiere. Die Hosts hatten vergeblich versucht, sie für die Vorbereitung aufzutreiben.
Fleisch (Magazin, monothematische Ausgabe zu Eva Menasse)
Markus Huber
Markus Söders neuer CSU-Generalsekretär Martin Huber soll die aufgescheuchte Partei zusammenhalten. Anders als sein verhaltensauffälliger Vorgänger Mayer kommt er aus der bayerischen Landespolitik.
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:10:54 „Also ich weiß bis heute nicht, warum ich das Fleischmagazin habe, das eine monothematische Ausgabe zu Eva Menasse enthält. Und gerade habe ich mir festgestellt, dass du es selber nicht hast.“
Jochen Wegner zeigt eine Ausgabe des österreichischen Magazins Fleisch, die ein 13-stündiges Interview mit Eva Menasse enthält. Das Magazin wurde ihm unerwartet ins Büro geschickt. Herausgeber ist Markus Huber, ein ehemaliger Tagesspiegel-Kollege von Christoph Amend, der nach Wien zurückkehrte.
Kolumne von Reinhard Tramontana (Profil, letzte Seite)
Reinhard Tramontana
Sammlung von Kolumnen des österreichischen Journalisten Reinhard Tramontana, der im Magazin Profil mit sprachlich brillant konstruierten Texten bekannt wurde. Seine Kolumnen zeichnen sich durch virtuose Wortspiele und ungewöhnliche formale Experimente aus, etwa Texte, in denen fast jedes Wort eine bestimmte Silbe enthält. Tramontanas originelle Schreibweise machte ihn zum Kult-Autor und Vorbild für eine Generation von Journalisten.
🗣 Eva Menasse referenziert bei ⏱ 01:23:40 „Es gab aber mehrere Themen. Und das dritte Thema war eine Sprachanalyse dieser Kolumne. Das war ein ganz berühmter Journalist in Österreich, Reinhard Tramontana, sehr früh verstorben leider. Aber seine Kolumnen waren Kult. Der war so ein Sprachzauberer.“
Eva Menasse erzählt, wie sie als Maturantin eine Schularbeit über eine berühmte Kolumne von Reinhard Tramontana im Magazin Profil schrieb. Tramontana hatte einen Text verfasst, in dem fast jedes Wort die Silbe 'Los' enthielt. Menasse imitierte seinen Stil in ihrer Analyse – was so beeindruckte, dass es ihr den Einstieg beim Profil ermöglichte.
Duell
Steven Spielberg · 1966
Duell ist ein von Universal Television unter der Regie von Steven Spielberg produzierter Fernsehfilm, der erstmals am 13. November 1971 auf dem US-TV-Sender ABC ausgestrahlt wurde. Aufgrund des großen Publikums- und Kritikererfolgs wurde der Thriller mit vier zusätzlich gedrehten Szenen als verlängerte Kinofassung international vermarktet. Die Deutschland-Premiere feierte Duell am 3.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:31:55 „Der hieß nicht Trucks, der hieß Duell. Duell hieß der, genau. Es geht um wild gewordene Lastfahrer. Ich habe gerade in Schwarzfilm nämlich nochmal gesehen.“
Im Gespräch über die Zusammenarbeit von Eva Menasses Vater mit Steven Spielberg wird dessen erster Film diskutiert. Eva Menasse erinnert sich zunächst falsch an den Titel ('Trucks'), woraufhin Jochen Wegner korrigiert, dass der Film 'Duell' heißt. Er erzählt, dass er den Film kürzlich nochmal gesehen hat, angeregt durch eine Geschichte von Doris Dörrie.
Die Bombardierung Dresdens
David Irving · 1974
Die Luftangriffe auf Dresden und den Großraum der Stadt im Zweiten Weltkrieg fanden erstmals im Herbst 1944 statt, gefolgt von vier Angriffswellen der Royal Air Force (RAF) und United States Army Air Forces (USAAF) vom 13. bis 15. Februar 1945. Diese forderten zwischen 22.700 und 25.000 Todesopfer, zerstörten große Teile der Innenstadt und der industriellen und militärischen Infrastruktur Dresdens. Sechsstellige Opferzahlen, die die nationalsozialistische Propaganda in Umlauf brachte, wurden dur...
🗣 Eva Menasse referenziert bei ⏱ 01:38:08 „Und da er ein frühes Buch über die Bombardierung von Dresden geschrieben hat, wo die Engländer sehr schlecht wegkamen und er praktisch unter den Tisch fallen hat lassen, was die Nazis alles gemacht haben, sondern nur angeklagt hat, wie schrecklich man Dresden zerstört hat und wie grausam, hatte einen gewissen Ruf bereits bei den Rechten.“
Eva Menasse erklärt den Hintergrund des Holocaust-Leugners David Irving. Sein frühes Buch über die Bombardierung Dresdens habe einseitig die britischen Angriffe angeklagt und die NS-Verbrechen verschwiegen, was ihm früh einen Ruf in rechten Kreisen einbrachte.
Leuchter-Report
Fred Leuchter
Pseudowissenschaftlicher Bericht des Elektrostuhl-Reparators Fred Leuchter, der basierend auf Auschwitz-Proben fälschlicherweise behauptet, dort hätten keine Gaskammern existiert. Das Dokument wurde zum Katalysator für Holocaust-Leugner und beschleunigte David Irvings Radikalisierung in den 1990er-Jahren.
🗣 Eva Menasse zitiert daraus bei ⏱ 01:40:55 „Und daraus entstand dann dieser Leuchterreport, dem zufolge natürlich niemals dort irgendwelche Menschen, weil da ist die Konzentration viel zu wenig. Und darauf sind sie dann alle aufgesprungen in den frühen 90er Jahren und eben auch David Irving.“
Eva Menasse schildert, wie der Leuchter-Report als pseudowissenschaftliches Dokument der Holocaust-Leugner entstand. Fred Leuchter, ein einfacher Henker und Reparateur von elektrischen Stühlen, wurde von Ernst Zündel nach Auschwitz geschickt, um Proben zu nehmen. Der daraus resultierende Report wurde zum Katalysator für David Irvings Radikalisierung zum Holocaust-Leugner.
Denying the Holocaust
Deborah Lipstadt · 1993
The author shows how, despite witnesses and evidence to the contrary, this irrational idea has not only continued to gain adherents but has become an internationally organized movement. She argues vehemently against giving Holocaust deniers a forum in the name of free speech or freedom of the press and she details the efforts of California revisionist Bradley Smith, who pushed a "Holocaust was a hoax" campaign in college newspapers throughout the United States.
🗣 Eva Menasse zitiert daraus bei ⏱ 01:41:54 „Deborah Lipstead hat ihn in einem Buch einen Holocaust-Leugner genannt, David Irving, was also der reinen und lauteren Wahrheit entspricht. Und dagegen hat er dann geklagt.“
Eva Menasse erklärt den Auslöser des berühmten Irving-Prozesses in London: Deborah Lipstadt hatte David Irving in einem Buch als Holocaust-Leugner bezeichnet, woraufhin Irving sie in England verklagte, wo die umgekehrte Beweislast bei Verleumdungsklagen gilt. Dieser Prozess wurde zum Schlüsselmoment in Menasses journalistischer Karriere.
Stromlinienbaby
Tom Wolfe
Tom Wolfes legendärer Essay über die Autokultur der 1960er Jahre gilt als Gründungswerk des New Journalism. Der Text verbindet künstlerische Sprache mit investigativer Reportage und hat damit ein vollständig neues journalistisches Genre begründet. Mit seiner innovativen Erzählweise revolutionierte Wolfe die Grenzen zwischen klassischem Journalismus und literarischer Prosa.
🗣 Jochen Wegner zitiert daraus bei ⏱ 01:49:03 „Bester Text von Wolf, googelt mal Stromlinienbaby. Hat sozusagen ein komplettes journalistisches Genre damals begründet. Den Text gibt es, glaube ich, online überall.“
Jochen Wegner empfiehlt Tom Wolfes legendären Text 'Stromlinienbaby' als dessen bestes Werk, das ein ganzes journalistisches Genre – den New Journalism – begründet habe. Die Empfehlung fällt im Kontext der Diskussion über Wolfes Bedeutung für den literarischen Journalismus.
Ein ganzer Kerl
Tom Wolfe · 2010
Ein ganzer Kerl (Originaltitel: A Man in Full) ist eine Miniserie von Showrunner David E. Kelley. Die sechsteilige Dramaserie basiert auf dem im Jahr 1998 erschienenen gleichnamigen Roman von Tom Wolfe. Die für Netflix produzierte Literaturverfilmung bestehend aus sechs Episoden wurde im Mai 2024 veröffentlicht.
🗣 Eva Menasse zitiert daraus bei ⏱ 01:51:31 „Am Schluss wurden Bücher signiert. Ich habe eins signieren lassen, so einen Ziegel. Ein ganzer Kerl hieß dieses Buch damals, glaube ich.“
Eva Menasse erzählt von dem Mittagessen in der US-Botschaft mit Tom Wolfe, bei dem sie sich eines seiner dicken Bücher signieren ließ. Sie erinnert sich unsicher an den Titel 'Ein ganzer Kerl', was die deutsche Übersetzung von 'A Man in Full' ist.
Radical Chic: That Party at Lenny's
Tom Wolfe
Tom Wolfe war ein renommierter Journalist und Autor, bekannt für seine scharfsinnigen und präzisen Beschreibungen von Gesellschaftsszenen. Sein Meisterwerk ist die Reportage über Leonard Bernsteins berühmte Party für die Black Panther, die zum Klassiker des New Journalism wurde. Wolfes einflussreicher Schreibstil prägte mehrere Generationen von Journalisten und Autoren.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:56:41 „Tom Wolfe ja auch selbst als Autor berühmt geworden ist, weil er eben genau solche Gesellschaftsszenen beschrieben hat. Legendär, diese Geschichte über Bernstein und die Black Panther, die er gefördert hat.“
Christoph Amend zieht eine Parallele zwischen Eva Menasses spontanem Gesellschaftstext und Tom Wolfes berühmtem Stück über Leonard Bernsteins Party für die Black Panthers. Beide Texte leben von der genauen Beobachtung und pointierten Beschreibung gesellschaftlicher Szenen.
Variety
Variety ist das legendäre Hollywood-Branchenmagazin, das seit Jahrzehnten über Nachrichten, Entwicklungen und Geschäftsvorfälle aus der Film- und Unterhaltungsindustrie berichtet. Es richtet sich an Profis und Enthusiasten des Showbusiness und gilt als unverzichtbare Informationsquelle für die amerikanische Filmindustrie.
🗣 Eva Menasse zitiert daraus bei ⏱ 02:00:30 „Ein frühes Bild meiner Kindheit, habe ich auch schon öfter erzählt, mein Vater liegt im Bett mit weißen Baumwollhandschuhen und liest Variety. Die kamen immer aus Hollywood, geschickt mit der Post, so ein Paket, Variety. Und da waren halt alle News über Hollywood und das Filmbusiness drin.“
Eva Menasse beschreibt ein prägendes Kindheitsbild: Ihr Vater, ein fanatischer Zeitungsleser, las das Hollywood-Branchenmagazin Variety im Bett mit weißen Baumwollhandschuhen, um sich nicht mit der Druckerschwärze die Finger zu beschmutzen. Das illustriert die Medienleidenschaft in ihrer Familie.
Ich bin eine Kamera
Christopher Isherwood · 2007
Berlin spielt seit 1989 bei den Diskussionen um das Thema Metropole eine besondere Rolle. Die mit dem Fall der Mauer einsetzenden Übergangsjahre waren vom Wissen um einen allgegenwärtigen Wandel und von der besonderen, wenn auch vorübergehenden Qualität des Unfertigen geprägt. In diesem Zeitraum sind für Berlin neue Erzählzusammenhänge bezeichnend, die einerseits im Kontext der Stadtgeschichte zu verstehen sind und sich andererseits gezielt mit der Gegenwart auseinandersetzen.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 02:05:07 „Christopher Isherwood. Ich bin eine Kamera. Quasi.“
Als Eva Menasse die Webcam-Kolumne der Berliner Seiten beschreibt – ein minutiöses Protokoll von Berliner Events, als wäre man einfach nur stummer Beobachter –, zieht Christoph Amend die literarische Parallele zu Christopher Isherwoods berühmtem Eröffnungssatz aus den Berlin-Erzählungen.
Webcam-Buch (Berliner Seiten)
· 2003
Sammlung von minutiösen Beobachtungsprotokollen aus Berliner Webcams über zweieinhalb Jahre. Nach der Einstellung der FAZ-Berliner Seiten während der Dotcom-Krise wurden diese gewissenhaften Momentaufnahmen des Berliner Lebens und urbaner Events in Buchform dokumentiert.
🗣 Eva Menasse erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:05:18 „Als die Berliner Seiten dann zugesperrt wurden... abgeschafft wurden nach der Finanzkrise, also nach dieser Nasdaq-Krise, dieser Digital-Crash-Krise. Da gab es dann sofort ein Buch, wo alle Webcams drin waren. Also zweieinhalb Jahre Webcams.“
Nach der Einstellung der FAZ-Berliner Seiten infolge der Dotcom-Krise wurden die gesammelten Webcam-Kolumnen – minutiöse Beobachtungsprotokolle von Berliner Events über zweieinhalb Jahre – in einem Buch veröffentlicht. Der genaue Titel wird nicht genannt.
Studio LCB
Literarisches Colloquium Berlin (Studio LCB) ist eine Live-Radioshow, in der Autoren ihre Werke vorstellen und mit Literaturkritikern diskutieren. Die Veranstaltung findet vor Publikum statt und wird im Radio übertragen.
🗣 Eva Menasse erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:18:19 „Es gab so eine erste Veranstaltung, Studio LCB, das ist was, was im Radio übertragen wird, aber wo auch vor Publikum aus einem Buch gelesen und über ein Buch diskutiert wird. Und da ist der Autor, die Autorin mit zwei Kritikern.“
Eva Menasse beschreibt ihren ersten öffentlichen Auftritt als Debütautorin im Studio LCB (Literarisches Colloquium Berlin), einer Radio-Literaturveranstaltung. Dort saß sie mit Kritikerin Ursula März, die streng wirkte, das Buch Vienna aber liebte und später für die ZEIT rezensierte.
Spiegel-Rezension zu Vienna
Volker Hage
Volker Hage rezensiert in Der Spiegel Eva Menasses Debüt-Roman "Vienna" und kritisiert ihn als gescheiterte Familienchronik. Die vernichtende fünfseitige Kritik erschien ausgerechnet zum Start von Menasses Lesereise und sollte trotz der anfänglichen Verletzung später zu ihrer emotionalen Widerstandskraft werden. Der Artikel schildert die Ironie, dass Hage selbst Jahre später als Romancier tätig wurde.
🗣 Eva Menasse referenziert bei ⏱ 02:19:47 „Es fing ungefähr so an, heutzutage glaubt ja schon jeder Journalist, dass er einen anständigen Roman schreiben kann. So fing es an. Und es war eine Fünf-Seiten-Geschichte mit einem sehr großen Bild von mir.“
Eva Menasse erzählt von der verheerenden Fünf-Seiten-Kritik im Spiegel durch Volker Hage, die just am Tag ihrer Lesereise erschien. Trotz anfänglicher Verzweiflung wurde sie zu ihrer 'Schutzimpfung' gegen Kritik. Ironischerweise entpuppte sich Hage selbst als verhindeter Romancier – Jahre später veröffentlichte er eigene Romane.
Lässliche Todsünden
Eva Menasse · 2012
Lässliche Todsünden - Eva Menasse ergründet die menschlichen Abgründe hinter den Fassaden unserer postmodernen Gesellschaft In einer Welt, in der Gott längst abgeschafft scheint, spürt Eva Menasse den sieben Todsünden nach und findet sie in den Taten ihrer ganz und gar weltlichen Protagonisten. Mit der ihr eigenen Mischung aus Poesie und Komik erzählt sie Geschichten von Trägheit und Gefräßigkeit, Wollust und Hochmut, Zorn, Neid und Habgier - Geschichten, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen....
🗣 Eva Menasse zitiert daraus bei ⏱ 02:24:50 „Lustigerweise ist das Buch, das ich danach geschrieben habe, Lässliche Todsünden, das von meinen Büchern das Unbekannteste ist, glaube ich. 2009 erst erschienen? Genau, 2009. Ist das, was bei den Literaturwissenschaftlern am allerbeliebtesten ist.“
Eva Menasse reflektiert über ihr zweites Buch, einen Erzählungsband von 2009, der kommerziell weniger erfolgreich war als Vienna, aber in der Literaturwissenschaft am meisten Beachtung fand. Sie betont, dort viel über literarisches Schreiben gelernt und neue Techniken ausprobiert zu haben.
Beim Häuten der Zwiebel
Günter Grass · 2006
Günter Grass erzählt von sich selbst. Vom Ende seiner Kindheit beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Vom Knaben in Uniform, der so gern zur U-Boot-Flotte möchte und sich hungernd in einem Kriegsgefangenenlager wiederfindet. Von dem jungen Mann, der sich den Künsten verschreibt, den Frauen hingibt und in Paris an der "Blechtrommel" arbeitet.
🗣 Eva Menasse zitiert daraus bei ⏱ 02:31:30 „Auch Gras hat jedes Jahr aus dem Text gelesen, an dem er gerade arbeitete. Und in dem Jahr, beim Heulten der Zwiebel, hat er aus diesem Text vorgelesen, aber natürlich nicht die Stelle mit der SS-Disclosure.“
Eva Menasse erzählt vom Lübecker Literaturtreffen, bei dem Günter Grass aus seinem entstehenden autobiografischen Buch vorlas. Das Buch ist berühmt geworden, weil Grass darin erstmals seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS offenlegte – eine Enthüllung, die er seinen Schriftstellerkollegen beim Vorlesen jedoch verschwieg, was Menasse persönlich befremdet hat.
Verein für freie Meinungsäußerung kritisiert Meinungsäußerung ihres Präsidenten
Nele Pollatschek
Die UN-Sonderberichterstatterin für Meinungsfreiheit, Irene Khan, hat Deutschland vom 26. Januar bis 6. Februar besucht und kritisiert, dass das Land an einem „Scheideweg für die Meinungsfreiheit" steht. Sie identifizierte gestiegene Probleme mit Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Feindlichkeit gegenüber Migranten und geschlechtsspezifischem Hass. Khan fordert Deutschland auf, sichere und inklusive Räume für vielfältige Meinungen zu schaffen. Die Bundesregierung erklärt durch einen Sprecher des Auswärtigen Amts, die Kritik ernst zu nehmen, betont aber, dass der Besuch insgesamt positiv verlaufen sei, und kündigte an, Khans abschließenden Bericht im Juni abzuwarten.
🗣 Eva Menasse empfiehlt aktiv bei ⏱ 02:48:00 „Und Nele Polacek hat damals so wunderbar in der Süddeutschen geschrieben, Verein für freie Meinungsäußerung kritisiert Meinungsäußerung ihres Präsidenten. Ja, kürzer kann man die Absurdität dessen nicht sagen.“
Im Kontext der PEN-Deutschland-Krise um Deniz Yücels Rücktritt zitiert Eva Menasse einen Kommentar von Nele Pollatschek in der Süddeutschen Zeitung. Der Artikel brachte die Absurdität der Situation auf den Punkt: Fünf Ex-Präsidenten eines Vereins für Meinungsfreiheit forderten den Rücktritt ihres Präsidenten wegen einer Meinungsäußerung zum Ukraine-Krieg.
Strukturwandel der Öffentlichkeit
Jürgen Habermas · 1965
**The Structural Transformation of the Public Sphere: An Inquiry into a Category of Bourgeois Society* (German: *Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft*) is a 1962 book by the philosopher Jürgen Habermas. It was translated into English in 1989 by Thomas Burger and Frederick Lawrence.
🗣 Eva Menasse referenziert bei ⏱ 02:58:57 „Das ist wirklich ein kategorialer Unterschied zu der Welt oder zu den Massenmedien, wie sie Habermas noch beschrieben hat, die ja im Grunde aus Sendern und Empfängern bestanden haben.“
Eva Menasse verweist auf Habermas' Beschreibung der Massenmedien als System aus Sendern und Empfängern, um den fundamentalen Unterschied zur heutigen digitalen Kommunikation zu verdeutlichen. Das Werk wird nicht namentlich genannt, aber die Beschreibung verweist klar auf Habermas' Analyse der Öffentlichkeit.
Zum Ewigen Frieden
Hannah Arendt · 2017
Die Essays der weltberühmten Philosophin haben nachhaltig das politische Denken in Europa und in den USA bestimmt. »Das einzige Ziel dieser Essays ist«, schreibt Hannah Arendt, »Erfahrungen darin zu erwerben, wie man denkt. Sie enthalten keine Vorschriften darüber, was gedacht werden soll.«
🗣 Eva Menasse zitiert daraus bei ⏱ 03:03:31 „Hannah Arendt hat gesagt, Meinung muss auf Fakten gegründet sein und das stimmt weiterhin. Weiterhin kann jeder seine Meinung haben, das ist Meinungsfreiheit und wird nicht eingesperrt, verhaftet oder verliert seinen Beruf deswegen.“
Eva Menasse zitiert Hannah Arendt im Kontext der Debatte über Meinungsfreiheit und die Erosion von Autoritäten durch digitale Medien. Das Zitat dient als Argument dafür, dass nicht alle Meinungen gleichwertig sind, auch wenn jeder das Recht hat, sie zu äußern. Ein konkretes Werk wird nicht genannt, es handelt sich um eine zugeschriebene Aussage.
Nicht namentlich genanntes Buch von Eva Menasse
Eva Menasse · 2005
Das Buch untersucht die Auswirkungen digitaler Kommunikation auf den öffentlichen Diskurs. Menasse veranschaulicht ihre These mit realen Beispielen wie der Gil-Ofarim-Affäre und zeigt, wie digitale Medien gesellschaftliche Debatten prägen und verzerren.
🗣 Eva Menasse erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:06:25 „Oder eben auch, es passieren Dinge, wie zum Beispiel, das ist eine Fußnote in meinem Buch, weil es auch so wurscht ist, sind das dann die guten Beispiele.“
Eva Menasse erwähnt ihr eigenes Buch beiläufig, als sie die Geschichte um den Sänger Gil Ofarim als Fußnote darin beschreibt. Das Buch befasst sich offenbar mit den Auswirkungen digitaler Kommunikation auf den öffentlichen Diskurs. Der Titel wird nicht genannt.
Texte zur Antisemitismus-Debatte in der ZEIT
Eva Menasse
Der Artikel kritisiert die aktuelle Antisemitismus-Debatte in Deutschland als emotional aufgeladenen Kulturkampf, der vom Kampf gegen reale Hass-Straftaten ablenkt. Eva Menasse warnt darin vor einer inflationären Verwendung des Antisemitismusvorwurfs, die dessen Aussagekraft und Gewicht abschwächt.
🗣 Eva Menasse erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:10:07 „Ich habe mehrere Texte auch in der Zeit geschrieben, aber auch in anderen deutschen Medien, wo ich immer wieder davor gewarnt habe, zum Beispiel den Antisemitismusvorwurf zu ins Endlose auszuweiten, weil man ihn damit entwertet.“
Eva Menasse verweist auf eigene Texte in der ZEIT und anderen Medien, in denen sie vor einer inflationären Verwendung des Antisemitismusvorwurfs warnt. Konkrete Titel werden nicht genannt.
Interview mit Eva Illouz in der Zeit
Eva Illouz
Ein Interview mit der Soziologin Eva Illouz über die Rolle der Hoffnung im modernen Kapitalismus. Illouz untersucht, wie kapitalistische Strukturen menschliche Hoffnungen geschickt instrumentalisieren und für ihre Zwecke ausbeuten. Das Gespräch berührt auch gesellschaftliche Probleme wie Antisemitismus, der sich nicht auf einzelne Organisationen beschränkt, sondern in verschiedenen politischen Lagern vorhanden ist.
🗣 Eva Menasse referenziert bei ⏱ 03:17:10 „Aber wie Eva Illus mal in einem sehr schönen Interview bei euch in der Zeit gesagt hat, auch in der britischen Leberparty gibt es Antisemiten.“
Eva Menasse zitiert die Soziologin Eva Illouz aus einem Interview in der ZEIT, um zu illustrieren, dass Antisemitismus nicht exklusiv bei BDS zu finden ist, sondern in vielen Organisationen vorkommt. Das genaue Erscheinungsdatum wird nicht genannt.
Gehässiger Text über Eva Menasse
Maxim Biller
Die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse, seit 20 Jahren in Deutschland ansässig, ringt zeitlebens mit ihrer Identitätsfrage. Als Tochter des jüdischen Vaters Hans Menasse – ein Kindertransport-Überlebender von 1938, der später österreichischer Fußballnationalspieler wurde – und einer katholischen Mutter erlebt sie eine innere Zerrissenheit. In Interviews hat sie sich öffentlich ambivalent über ihre Zugehörigkeit zum Judentum geäußert und dabei ihre jahrzehntelange Identitätssuche offenbart. Der Gastbeitrag von Maxim Biller analysiert ihren Sinneswandel in der gegenwärtigen Antisemitismus-Debatte und ordnet ihre Position im politischen Diskurs ein.
🗣 Eva Menasse erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:24:19 „Maxim Billa, der einen sehr gehässigen Text über mich geschrieben hat, und den ich jetzt trotzdem sehr zustimmend hier zitieren werde. Nicht den Text über mich, sondern einen anderen Text von ihm.“
Eva Menasse erwähnt beiläufig, dass Maxim Biller einen gehässigen Text über sie verfasst hat, ohne Titel oder Publikationsort zu nennen. Sie grenzt diesen Text von dem ab, den sie dann zustimmend zitiert.
Text über Till Lindemann / Rammstein-Debatte
Maxim Biller
Till Lindemann gibt am 25. November 2025 sein größtes Solokonzert in München in der Olympiahalle. Der Rammstein-Sänger ist umstritten wegen Vorwürfen von weiblichen Fans über ein Ausbeutungssystem rund um die Bandkonzerte; die Berliner Generalstaatsanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen im August 2023 jedoch ein, da sie keine Anhaltspunkte für strafbare Handlungen fand. Dennoch kam es bei seinen bisherigen Auftritten in München zu Protesten gegen vermeintliche Gewalt an Frauen. Lindemanns neue „Meine Welt"-Arena-Tour startet am 29. Oktober und führt durch 20 europäische Städte bis Dezember 2025.
🗣 Eva Menasse referenziert bei ⏱ 03:24:30 „Er hat damals in der ersten Lindemann-Debatte, also vor dem Penis-Video, gab es ja schon zwei Jahre vorher so eine Rammstein-Debatte, schrieb Maxim Biller, ich glaube auch in der Zeit oder in der Süddeutschen, weiß ich jetzt nicht mehr, schrieb er, nur wo Till Lindemann schreiben kann, was er will, darf ich das auch.“
Eva Menasse zitiert zustimmend einen Artikel von Maxim Biller zur Rammstein-Debatte, in dem Biller die Meinungsfreiheit verteidigt. Sie betont dabei, dass sie Biller trotz eines gehässigen Textes, den er über sie geschrieben hat, in diesem Punkt zustimmt. Das genaue Medium (ZEIT oder Süddeutsche) ist ihr selbst nicht mehr sicher.
Eine Nebensache
Adania Shibli · 2022
Adania Shiblis Roman wurde nach dem Hamas-Angriff 2023 zum Gegenstand politischer Kontroversen. Ein geplanter Literaturpreis für das Werk wurde verschoben, was der PEN Berlin mit einer symbolischen Aktion auf der Frankfurter Buchmesse beantwortete: Eine Lesung, bei der ausschließlich jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus dem umstrittenen Buch vorlasen. Die Aktion demonstrierte Solidarität mit der Autorin und setzte sich gegen Zensurdruck ein.
🗣 Eva Menasse referenziert bei ⏱ 03:34:20 „Wir haben aber vorher schon uns per Presseerklärung gegen diese Verschiebung der Preisverleihung an Adania Schibli ausgesprochen. Und wir haben dann bei der Buchmesse eine Lesung aus dem Werk von Adania Schibli auf einer freigebliebenen, nämlich von ihr freigebliebenen Bühne veranstaltet, wo nur jüdische Autorinnen und Autoren gelesen haben, aus dem inkriminierten Buch.“
Eva Menasse beschreibt die Aktionen des PEN Berlin auf der Frankfurter Buchmesse 2023 nach dem Hamas-Angriff. Der Preis für Adania Shiblis Roman wurde verschoben, woraufhin der PEN Berlin eine symbolische Lesung organisierte, bei der ausschließlich jüdische Autorinnen und Autoren aus dem umstrittenen Buch vorlasen.
Alles und nichts sagen
Eva Menasse · 2023
Zieht sich eine liberale Gesellschaft gerade den Boden weg, auf dem sie fest stehen sollte? Ein Essay darüber, was die digitale Massenkommunikation zwischenmenschlich anrichtet. Nichts hat das Zusammenleben so umfassend verändert wie die Digitalisierung – wir denken, fühlen und streiten anders, seit wir dauervernetzt und überinformiert sind. Die Auswirkungen betreffen alle, egal, wie sehr sie die neuen Medien überhaupt nutzen.
🗣 Eva Menasse referenziert bei ⏱ 03:36:52 „Ich hatte alles und nichts sagen gerade geschrieben und habe dann gedacht, das hast du ja alles schon gewusst, nur hast du nicht gewusst, wie es sich am eigenen Leib anfühlt.“
Eva Menasse erzählt, wie sie während des PEN-Berlin-Skandals um den Austritt von Pieper plötzlich selbst im Zentrum medialer Empörung stand. Sie reflektiert, dass sie die Mechanismen von Medienskandalen in ihrem gerade fertiggestellten Buch bereits analysiert hatte, aber erst jetzt am eigenen Leib erfuhr, wie sich das anfühlt.
Die Sendung mit der Maus
Armin Maiwald, Gerd Müntefering, Friedrich Streich · 1971
Die Sendung mit der Maus (kurz Die Maus) ist eine der erfolgreichsten Kindersendungen im deutschen Fernsehen. Kern der Sendung sind sogenannte Lach- und Sachgeschichten, zu denen neben kurzen Zeichentrickfilmen auch jeweils ein Wissensfilm, beispielsweise über die Herstellung oder Funktionsweise eines Alltagsgegenstandes, zählt. Sie wird seit 1971 am Sonntagvormittag ausgestrahlt. Produziert wird die Sendung vom WDR in Zusammenarbeit mit anderen Mitgliedssendern der ARD.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 03:52:54 „Und dann hat Jochen, ich kann es wirklich sagen, weil ich es nicht selber gesagt habe, das geniale Sendung mit der Maus Spiel, wie ist es eigentlich im All so richtig, mit unserem Gast gespielt und dann haben wir nochmal uns drei Stunden unterhalten.“
Christoph Amend erzählt begeistert von einer früheren Alles-gesagt-Episode mit einem Astronauten (Matthias Maurer). Jochen Wegner habe dort ein 'Sendung mit der Maus'-artiges Fragespiel begonnen – einfache, kindlich-neugierige Fragen über den Alltag im All –, das das Gespräch um drei weitere Stunden verlängerte.
Die Murmeljagd
Alexander Lernet-Holenia
Lernet-Holenias österreichischer Nachkriegsroman erzählt eine Geschichte von Liebe und Dunkelheit in der Uckermark. Der Roman wird in der Podcast-Diskussion mit israelischer Erinnerungsliteratur verglichen und behandelt zentrale Themen von Verfolgung und Erinnerung, die auch in zeitgenössischen Werken eine wichtige Rolle spielen.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:58:18 „Murmeljagd oder eine Geschichte von Liebe und Finsternis? Ist das gemein, Uckermark. Die Gästin wirft die Hände in den Himmel und schaut eben dorthin. Eine Geschichte von Liebe und Finsternis.“
Im Wortspiel wird der österreichische Nachkriegsroman 'Die Murmeljagd' dem israelischen Erinnerungsroman von Amos Oz gegenübergestellt. Eva Menasse ringt sichtlich mit der Entscheidung – beide Werke berühren Themen von Verfolgung und Erinnerung, die in ihrem eigenen Werk zentral sind.
Eine Geschichte von Liebe und Finsternis
Amos Oz · 2013
In seinem Bestseller erzählt Amos Oz die Geschichte seiner Familie, voller Zärtlichkeit und Scharfblick. Alles beginnt im Jerusalem der 1940er Jahre, einem Refugium der Juden, die – wie Oz’ Großeltern – vor der antisemitischen Verfolgung fliehen konnten. In der Stadt ringen sie mit ihrer Verzweiflung, hier wächst aber auch ihre gemeinsame Hoffnung auf ein angstfreies Leben.
🗣 Eva Menasse erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:58:18 „Murmeljagd oder eine Geschichte von Liebe und Finsternis? Ist das gemein, Uckermark. Die Gästin wirft die Hände in den Himmel und schaut eben dorthin. Eine Geschichte von Liebe und Finsternis.“
Eva Menasse wählt nach langem Zögern Amos Oz' autobiografischen Roman über das Aufwachsen in Jerusalem. Die Frage wird als besonders 'gemein' empfunden, weil beide Bücher – Lernet-Holenias österreichischer Nachkriegsroman und Oz' israelische Familiengeschichte – für Menasses literarische und biografische Identität bedeutsam sind.
John Singer Sargent (Gesamtschau)
John Singer Sargent
Die große Retrospektive von John Singer Sargent in der Londoner National Portrait Gallery (2014/2015) präsentiert die Porträtmalerei des amerikanischen Künstlers und ihre Verbindung zu Inneneinrichtung und Design. Die Ausstellung zeigt, wie Sargents elegante Figurenporträts häufig vor aufwändigen William-Morris-Tapeten arrangiert sind, was die Wechselbeziehung zwischen Malerei und Kunsthandwerk verdeutlicht. Für Designbegeisterte ist diese Perspektive auf Sargents Werk besonders wertvoll, da sie über bloße Kunstgeschichte hinausgeht.
🗣 Eva Menasse referenziert bei ⏱ 04:06:51 „John Singer Sargent ist jetzt echt ein drittklassiger Maler in der Malereigeschichte, aber so ein total toller Typ. Und da war 2014 oder 2015 war die erste Gesamtschau oder eine große Art von Gesamtschau Singer Sargent in London in der Portrait Gallery. Und da bin ich extra nach London hingeflogen, um das zu sehen.“
Eva Menasse erzählt von ihrer Leidenschaft für William-Morris-Tapeten und wie sie auf Sargent aufmerksam wurde. Die große Sargent-Ausstellung in der National Portrait Gallery in London war für sie so bedeutend, dass sie eigens dorthin flog. Über Sargents Porträtfiguren, die häufig vor Morris-Tapeten stehen, entdeckte sie die Verbindung zwischen Malerei und Inneneinrichtung.
An meine Völker
Kaiser Franz Josef · 1915
Text, Fraktur, mit Staatswappen Österreich-Ungarns. - Kaiser Franz Joseph gibt die Kriegserklärung Italiens bekannt.
🗣 Eva Menasse zitiert daraus bei ⏱ 04:16:38 „Franz Josef hat dort den Ersten Weltkrieg entfesselt. Also diesen grauenhaften Text »An meine Völker« hat er in seiner Kaiservilla in Bad Ischl geschrieben.“
Eva Menasse beschreibt ihre neu entdeckte Liebe zu Bad Ischl und dessen historische Bedeutung. Sie erwähnt Kaiser Franz Josefs Kriegserklärung von 1914, die als Manifest ‚An meine Völker' in der Kaiservilla in Bad Ischl verfasst wurde und den Ersten Weltkrieg auslöste. Der Text dient als Illustration der geschichtsträchtigen Atmosphäre des Ortes.
Quasikristalle
Eva Menasse · 2013
»Immer verwechselt man den eigenen Blick mit dem der anderen.« Was wissen wir wirklich über uns selbst? Und was vom anderen? In dreizehn Kapiteln zerlegt Eva Menasse die Biografie einer Frau in ihre unterschiedlichen Aspekte, zeigt sie als Mutter und Tochter, als Freundin, Mieterin und Patientin, als flüchtige Bekannte und treulose Ehefrau.
🗣 Eva Menasse zitiert daraus bei ⏱ 04:27:55 „Ich habe alle Bücher dort, oder fast alle Bücher, also jedenfalls Vienna und Quasikristalle habe ich beide dort zu Ende geschrieben.“
Zusammen mit ‚Vienna' nennt Eva Menasse ihren Roman ‚Quasikristalle' als ein Buch, das sie in ihrem Brandenburger Haus fertiggestellt hat. Beide Werke werden im Kontext einer bilanzierten Lebensphase erwähnt – sie überlegt, das Haus aufzugeben und in eine neue Phase aufzubrechen.
Winesburg, Ohio
Sherwood Anderson · 2016
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🗣 Eva Menasse zitiert daraus bei ⏱ 04:35:19 „Ich habe sie natürlich nicht korrigiert und gesagt, dass es natürlich dafür Vorbilder gibt, aber nicht genau so. Dass man die Perspektiven auf eine Person macht und nicht wie zum Beispiel großes Vorbild Sherwood Anderson, Winesburg, Ohio. Das ist dieser Roman, der aus lauter Erzählungen in der erfundenen Stadt, Städtchen Winesburg, Ohio spielt.“
Eva Menasse nennt Sherwood Andersons Winesburg, Ohio als zentrales literarisches Vorbild für die Struktur von Quasikristalle. Sie beschreibt das Buch als 'Writers' Writer Buch' von ca. 1910, das für viele Autoren – auch für Amos Oz – 'absolut lebensverändernd' war, weil es zeigte, dass man über den Alltag kleiner Leute große Literatur machen kann.
Tiere für Fortgeschrittene
Eva Menasse · 2017
»Wer die Welt so anlächelte, musste eine Schraube locker haben. Oder ein Schutzblech zu wenig über der Seele.« Raupen, die sich ihr eigenes Grab schaufeln, Haie, die künstlich beatmet werden, Enten, die noch im Schlaf nach Fressfeinden Ausschau halten, Schafe, die ihre Wolle von selbst abwerfen. Jede von Eva Menasses Erzählungen geht von einer kuriosen Tiermeldung aus und widmet sich doch ganz der Gattung Mensch.
🗣 Jochen Wegner zitiert daraus bei ⏱ 04:36:14 „Tiere für Fortgeschrittene, hat es so nachgeschrieben, das lustigste Buch insofern, als jede Geschichte mit einer Tiermeldung, mit einer vermischten Tiermeldung beginnt. Also den Tieren passiert irgendwas.“
Eva Menasse erzählt ausführlich die Entstehungsgeschichte des Buchs: Sie sammelte jahrelang Tiermeldungen aus der Verhaltensforschung, die sie sofort als Menschengeschichten erkannte – etwa Enten, die am Rand ein Auge offen halten, oder erstickende Haie im Wiener Haus des Meeres. Jede Meldung wurde zum Ausgangspunkt einer Erzählung mit moralischem Kern.
Buddenbrooks
Thomas Mann · 2026
In den "Buddenbrooks" führt Thomas Mann uns mitten hinein in das Leben einer Familie, deren Glanz und Selbstsicherheit lange unerschütterlich scheinen. Doch hinter den schweren Türen des Lübecker Hauses liegen verborgene Spannungen, persönliche Träume und Enttäuschungen, die kaum ausgesprochen werden dürfen.
🗣 Eva Menasse referenziert bei ⏱ 04:42:24 „Also natürlich hätte Thomas Mann schon für Budenbrooks den Nobelpreis, aber niemand kriegt für sein Debütroman einen Nobelpreis. Und Gras hätte natürlich den Nobelpreis auch schon 20 Jahre früher für die Blechtrommel kriegen können.“
Eva Menasse reflektiert darüber, dass Schriftsteller große Preise oft nicht für ihr bestes Buch bekommen, sondern später als eine Art nachträgliche Anerkennung. Sie nennt Thomas Manns Buddenbrooks als Beispiel dafür, dass Debütromane selten sofort mit dem Nobelpreis gewürdigt werden.
Die Blechtrommel
Günter Grass · 1986
*Die Blechtrommel* ist ein Roman von Günter Grass. Er erschien 1959 als Auftakt der Danziger Trilogie und gehört zu den meistgelesenen Romanen der deutschen Nachkriegsliteratur. Der Roman lässt sich als historischer Roman, Zeitroman, Schelmenroman und Entwicklungsroman charakterisieren. ---------- Set against the backcloth of National Socialism, [this novel] is told in the first person by the central figure, Oskar Matzerath, tracing Oskar's history, beginning with his grandparents, and ...
🗣 Eva Menasse referenziert bei ⏱ 04:42:31 „Und Gras hätte natürlich den Nobelpreis auch schon 20 Jahre früher für die Blechtrommel kriegen können. Aber der Nobelpreis ist eben so ein Preis, der wartet, ob das gleich ein ganzes Werk ist.“
Im selben Zusammenhang wie Buddenbrooks nennt Menasse die Blechtrommel als weiteres Beispiel für ein Werk, das den Nobelpreis verdient hätte, ihn aber erst viel später – als Würdigung des Gesamtwerks – nach sich zog.
Hey, guten Morgen, wie geht es dir?
Martina Hefter · 2024
Deutscher Buchpreis 2024 Großer Preis des deutschen Literaturfonds 2024 Wiesbadener Literaturpreis 2024 Prix Grand Continent Nominiert für den Bayerischen Buchpreis 2024 »Ein Buch wie ein Seiltanz. Aber solange Martina Hefter erzählt, kann nichts passieren.« Anne Weber Tagsüber hilft Juno ihrem schwerkranken Mann Jupiter dabei, seinen Alltag zu meistern. Außerdem ist sie Künstlerin, tanzt und spielt Theater.
🗣 Eva Menasse empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:44:18 „Aber das ist wirklich überhaupt nicht zu unterschätzen, was für eine, oder jetzt diese großartige Martina Hefter, das ist ja ein wunderbares Buch, ein total fragiles, multilayered Kunstwerk von einem Text, die hat doch vorgestern noch kaum jemand gekannt. Jetzt hat sie den deutschen Buchpreis, so geil.“
Eva Menasse freut sich aufrichtig über die Vergabe des Deutschen Buchpreises an Martina Hefter. Sie beschreibt das Buch als 'fragiles, multilayered Kunstwerk' und betont, wie der Preis eine zuvor kaum bekannte Autorin sichtbar gemacht hat. Der konkrete Buchtitel wird nicht genannt, ist aber als Gewinnerin des Deutschen Buchpreises identifizierbar.
Recherche zum FDP-Ausstiegsplan ('D-Day')
Robert Pausch
Robert Pausch recherchiert für die ZEIT, wie die FDP-Führung von Anfang an geplant hatte, ein vertrauliches Anti-Grünen-Papier an die Presse durchzustechen. Die Recherche belegt, dass der Koalitionsbruch strategisch inszeniert wurde. Der Artikel zeigt, wie Reaktionen der FDP auf die Recherche verdeutlichen, dass wichtige politische Akteure den Wählerwunsch nach Glaubwürdigkeit nicht verstanden haben.
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:48:52 „Ich kann eine Recherche von Robert Pausch empfehlen, die das genau nach erzählt. Und tatsächlich interessant ist dieses Gefühl, ja, ich habe mir immer schon gedacht, dass es so hätte sein können.“
Nach Eva Menasses Einschätzung über das strategische Kalkül hinter Lindners Bruch der Ampelkoalition empfiehlt Jochen Wegner eine Recherche des ZEIT-Journalisten Robert Pausch, die die Hintergründe des FDP-'Textbuchs' zum Koalitionsbruch detailliert nachzeichnet.
Wolfshaut
Hans Lebert · 2001
Die Wolfshaut ist ein 1960 im deutschen Claassen Verlag erschienener Roman des österreichischen Schriftstellers Hans Lebert.
🗣 Eva Menasse zitiert daraus bei ⏱ 05:06:22 „Und Elfriede Jelinek hat das Stück geschrieben und ein ganz bedeutender Roman für die österreichische zeitgenössische Literatur ist das Buch von Hans Lebert, Wolfshaut. Das handelt auch von einem Massengrab und so. Das heißt, das Massengrab-Thema ist in der österreichischen Literatur komplett irgendwie durchgegangen.“
Eva Menasse ordnet ihren Roman Dunkelblum in die österreichische Literaturgeschichte ein und nennt Hans Leberts Wolfshaut als bedeutenden Vorgängerroman, der ebenfalls ein Massengrab thematisiert. Sie zeigt damit, dass das Thema in der österreichischen Literatur bereits vielfach verarbeitet wurde, bevor sie sich dem Stoff widmete.
Rechnitz (Der Würgeengel)
Elfriede Jelinek
Elfriede Jelineks Drama über das Massaker von Rechnitz 1945, eine literarische Verarbeitung eines österreichischen Kriegsverbrechens. Das Stück ist ein Schlüsselwerk der zeitgenössischen österreichischen Dramatik.
🗣 Eva Menasse zitiert daraus bei ⏱ 05:06:22 „Und Elfriede Jelinek hat das Stück geschrieben und ein ganz bedeutender Roman für die österreichische zeitgenössische Literatur ist das Buch von Hans Lebert, Wolfshaut.“
Eva Menasse erwähnt Elfriede Jelineks Theaterstück über das Massaker von Rechnitz als bereits existierende literarische Verarbeitung des Themas. Sie zeigt damit, dass sie sich beim Schreiben von Dunkelblum bewusst war, dass der Stoff schon von prominenten Autoren behandelt worden war.
Dunkelblum (Hörbuch)
Eva Menasse · 2022
'Een ongekend knappe roman.' ***** – de Volkskrant 'Dunkelblum zwijgt' van Eva Menasse vertelt het verhaal van een klein stadje met een groot geheim: achter de keurige façade van het Oostenrijkse grensstadje Dunkelblum gaat het verhaal van een gruwelijke misdaad uit de nadagen van de Tweede Wereldoorlog schuil. Op de hoogte van deze gebeurtenis, en zwijgend over daad en daders, zijn de oudere Dunkelblumers sinds jaar en dag met elkaar verbonden.
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 05:11:58 „Übrigens, apropos, ich habe das Buch als Hörbuch zum Teil rezipiert, was deswegen so faszinierend ist, weil mir kam die Stimme so bekannt vor. Du hast es selber eingelesen, ne? Kann man auf Spotify und überall wunderbar hören.“
Jochen Wegner empfiehlt die Hörbuchfassung von Dunkelblum, die Eva Menasse selbst eingelesen hat. Er lobt ihre Vortragsweise als fast protokollarisch, ohne Überdramatisierung, und hebt den österreichischen Akzent und die Dialektpassagen als besonderen Reiz hervor.
Zeiten des Aufruhrs (Revolutionary Road)
Richard Yates · 2024
"Ein moderner Klassiker... ein fulminanter Roman." Die Zeit 1955, in einer Vorstadt nahe New York: Hinter dem gepflegten Vorgarten tobt ein Ehekrieg. Frank und April Wheeler, einst ein junges, hoffnungsfrohes und vielversprechendes Paar, drohen unter dem Druck der allgemeinen Erwartungen an eine glückliche Ehe und ein erfolgreiches Berufsleben zugrunde zu gehen. Harmlose Äußerungen entzünden sich zu Hasstiraden und steigern sich zu bedrohlicher Wortlosigkeit.
🗣 Eva Menasse zitiert daraus bei ⏱ 05:16:36 „Also es gibt so ein paar Lieblingsromane von mir, zum Beispiel von Richard Yates, Zeiten des Aufruhrs. Yates, Zeiten des Aufruhrs, der auf Englisch Revolutionary Road heißt und genial verfilmt worden ist, mit Kate Winslet, glaube ich, und Leonardo DiCaprio. Das ist auch so ein Roman, da funktioniert einfach alles.“
Eva Menasse nennt Revolutionary Road von Richard Yates als einen ihrer absoluten Lieblingsromane, bei dem Form und Inhalt perfekt zusammenkommen. Sie beschreibt ihn als Beispiel für einen Roman, bei dem einfach alles funktioniert – wie verschiedene Bögen einer römischen Brücke, die von einem Schlussstein zusammengehalten werden.
Revolutionary Road
· 2008
Es ist die Suche nach einem Leben ohne Kompromisse: April und Frank Wheeler sind ein junges Paar mit großen Plänen und Ambitionen. Sie sehen sich als Individualisten, die die prüden Gesellschaftskonventionen der 50er Jahre in Frage stellen. Als April schwanger wird, beschließt das Ehepaar, sich in der ´ländlichen Umgebung von Connecticut niederzulassen. Doch schon bald erkennen die beiden, dass sie genau das Leben führen, das sie eigentlich zutiefst verachten.
🗣 Eva Menasse zitiert daraus bei ⏱ 05:16:50 „Yates, Zeiten des Aufruhrs, der auf Englisch Revolutionary Road heißt und genial verfilmt worden ist, mit Kate Winslet, glaube ich, und Leonardo DiCaprio.“
Eva Menasse erwähnt die Verfilmung von Richard Yates' Roman Revolutionary Road mit Kate Winslet und Leonardo DiCaprio als gelungene Adaption. Die Erwähnung dient als Ergänzung zu ihrer Buchempfehlung.
Murmeljagd (Hörbuch)
Ulrich Becher · 2015
»Wer den Mund aufmacht, macht sich angreifbar.« In Eva Menasses Essays und Reden lassen sich das Temperament und die unbändige Formulierlust dieser Autorin noch einmal neu entdecken: in liebevoll-boshaften Langzeitbeobachtungen über Deutsche und Österreicher, in engagierten politischen Interventionen, aber auch in leidenschaftlichen Bekenntnissen zu Lieblingsautoren wie Richard Yates, Alice Munro und Ulrich Becher.
🗣 Eva Menasse empfiehlt aktiv bei ⏱ 05:23:08 „Und inzwischen gibt es den bei Schöffling einfach neu und auch als Taschenbuch und sogar in einer ganz tollen Hörbuchausgabe gelesen von diesem genialen, wie heißt er denn, Wolfram Berger oder so. Schauspieler. Ganz toll.“
Eva Menasse erwähnt die Hörbuchausgabe von Murmeljagd, gelesen vom Schauspieler Wolfram Berger, als besonders gelungene Version des Romans. Sie empfiehlt sowohl die Print- als auch die Hörbuchausgabe.
Tipps für die Wildnis
Margaret Atwood · 2017
In zehn Geschichten erzählt Margaret Atwood von Frauen am Wendepunkt ihres Lebens. Auf hochintelligente Weise arbeitet Margaret Atwood dabei mit der Zeit: Dinge, die im unmittelbaren Erleben eindeutig erscheinen, erweisen sich im Rückblick nach vielen Jahren als schillernd. Und wenn man im Nachhinein auf eine Karriere, auf ein Leben blickt, entfaltet sich erst die Ironie, die in einer Situation liegen kann.
🗣 Eva Menasse zitiert daraus bei ⏱ 05:24:43 „Also eine der größten Meisterinnen der Erzählung ist tatsächlich Margaret Atwood, deren Romane ich wirklich nicht so mag. Aber die hat Erzählungen geschrieben, da ziehst du die Schuhe aus. Also meine Lieblingserzählung von Margaret Atwood ist Tipps für die Wildnis.“
Eva Menasse empfiehlt Margaret Atwoods Erzählung Tipps für die Wildnis als Meisterwerk der kurzen Form – etwa 35 Seiten, die man immer wieder lesen könne, weil zwischen den Sätzen so viel Unterfutter und Assoziatives stecke. Bemerkenswert ist, dass Menasse Atwoods Romane explizit nicht mag, aber ihre Erzählungen für genial hält. Die Geschichte habe vier doppelte Böden und eine Wendung, die einen sprachlos mache.
Club 2
ORF · 1976
Österreichische Live-Diskussionssendung zu aktuellen Themen aus Politik und Kultur. Gäste debattieren offen und intellektuell. Bekannt für ungeschnittenes, konfliktreiches Fernsehen ohne Tabus oder Zensur.
🗣 Eva Menasse referenziert bei ⏱ 05:29:45 „Club 2 war damals die große, genau. Also da war sein Justizminister, der alle Journalisten geklagt hat, wenn ihm was nicht gepasst hat.“
Eva Menasse erinnert sich an einen denkwürdigen Auftritt in der österreichischen TV-Diskussionssendung 'Club 2' nach dem Tod von Jörg Haider. Sie beschreibt, wie FPÖ-Politiker eine Diskutantin mundtot machten und wie sie selbst nach 20 Minuten ausflippte und zu schreien begann.
Streit
Der Artikel behandelt sieben persönliche Erkenntnisse, die der Autor auf einer Kuschelparty gewonnen hat. Es geht um die Bedeutung von körperlicher Nähe und Intimität in der modernen Gesellschaft. Der Text reflektiert, wie solche Veranstaltungen menschliche Verbindungen fördern und emotionale Grenzen überwinden können.
🗣 Eva Menasse erwähnt beiläufig bei ⏱ 05:33:07 „Also wir machen das nicht für Kuschelkurs, dann kann man zu Hause bleiben. Also euer Ressort Streit ist da zum Beispiel auch ein Vorbild. Man muss die Leute wirklich konfrontieren und ich finde ein gutes Streitgespräch ist eins, wo ich beiden Recht geben will, als Zuhörer.“
Eva Menasse spricht über die Diskussionsveranstaltungen des PEN Berlin und erwähnt das ZEIT-Ressort 'Streit' als Vorbild für kontroverse, aber produktive Debatten. Sie betont, dass gute Streitgespräche solche sind, bei denen man beiden Seiten Recht geben möchte.
Keynote beim PEN-Kongress
Etgar Keret
Kerets Keynote beim PEN-Kongress, veröffentlicht in der Süddeutschen Zeitung, argumentiert für die Trennung von Werk und Künstler. Die Anekdote über seine Mutter – Holocaust-Überlebende, die dennoch Wagner liebte – veranschaulicht diese kulturelle Spannung eindrucksvoll und hinterfragt künstlerische Absolutismen.
🗣 Eva Menasse empfiehlt aktiv bei ⏱ 05:37:21 „Seine Keynote bei unserem PEN-Kongress war in der Süddeutschen abgedruckt, vor zwei Tagen. Und da kommt dieser wunderbare Satz, dass seine Mutter immer Wagner gehört hat. Seine Mutter, die Holocaust-Überlebende.“
Eva Menasse erzählt von Etgar Kerets Keynote beim PEN-Kongress, die in der Süddeutschen Zeitung abgedruckt wurde. Die Anekdote über Kerets Mutter – eine Holocaust-Überlebende, die trotzdem Wagner hörte – dient als Argument für die Trennung von Werk und Künstler.
Keynote beim PEN-Kongress (Abdruck in der Süddeutschen Zeitung)
Etgar Keret
Der israelische Schriftsteller Etgar Keret hielt vor dem PEN Berlin einen Vortrag, in dem er sich mit den Lehren seines Vaters auseinandersetzte, besonders angesichts des Krieges seit dem 7. Oktober 2023. Keret erinnert sich an ein Gespräch aus seiner Kindheit, in dem sein Vater ihm eine prägende Lebensweisheit vermittelte: Es gebe keine schlechten und guten Zeiten, sondern nur schwierige und einfache Zeiten – und gerade die schwierigen seien diejenigen, in denen man am meisten über sich selbst lerne. Diese väterliche Einsicht, die zum Handeln auffordert, beschäftigt Keret seit Kriegsbeginn intensiv, da sie der aktuellen Situation angemessen erscheint. Der Vortrag reflektiert, wie persönliche Erfahrungen und familiäre Weitergabe von Werten in Zeiten von Krise und Krieg an Bedeutung gewinnen.
🗣 Eva Menasse referenziert bei ⏱ 05:37:21 „Seine Keynote bei unserem PEN-Kongress war in der Süddeutschen abgedruckt, vor zwei Tagen.“
Eva Menasse erwähnt, dass Etgar Kerets PEN-Kongress-Rede zwei Tage zuvor in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht wurde. Der Abdruck wird als konkrete Leseempfehlung im Kontext der Debatte um Werk und Künstler genannt.
Das Literarische Quartett
Marcel Reich-Ranicki
Das Literarische Quartett ist eine deutsche Talkshow, in der Moderatoren und Gäste über aktuelle Bücher diskutieren und literarische Themen debattieren. Die Sendung wird von Thea Dorn moderiert und gilt als renommiertes Forum für kulturelle Debatten. Im Podcast wird die Show humorvoll als Beispiel für die Integration unerwarteter Personen in die Literaturszene erwähnt, was den absurden Gedanken eines Auftritts von Arafat Abou-Chaker dort verdeutlicht.
🗣 Eva Menasse referenziert bei ⏱ 05:42:15 „Ja, das macht mir auch irre Spaß. Ja, das ist die Talkshow, die, glaube ich, mir angemessen ist und wo ich auch das Gefühl habe, da kann ich mit meiner Expertise wirklich was, da bin ich am richtigen Ort.“
Christoph Amend spricht Eva Menasse auf ihre regelmäßige Teilnahme am Literarischen Quartett an. Sie beschreibt die Sendung als den für sie passenden Ort, wo sie ihre literarische Expertise einbringen kann – im Gegensatz zu Politik-Talkshows.
Commencement Speech am Dartmouth College
Roger Federer · 2025
All the Pieces Click: The Proven Mix That Drives Real-World Success By Priya Pandit Feeling stuck despite working hard? Wondering why success still feels out of reach? All the Pieces Click is your practical guide to turning scattered efforts into unstoppable progress. In this refreshing, real-world playbook, Priya Pandit—corporate leader, process improvement expert, and growth enthusiast—shares lessons from over 13 years of career and personal transformation.
🗣 Jochen Wegner zitiert daraus bei ⏱ 05:58:58 „Und es gibt doch diesen Vortrag, den jetzt jeder einmal sich angeguckt hat. Roger Federer im Talar am Dartmouth College, der ausgewertet hat, wie viele Punkte hat er eigentlich gemacht in seinem Leben. Das waren irgendwie dann sowas wie 58% oder 53% der Punkte hat er überhaupt nur gemacht.“
Jochen Wegner erwähnt Roger Federers berühmte Abschlussrede am Dartmouth College, in der Federer analysierte, dass selbst er als Weltklasse-Spieler nur knapp über die Hälfte aller Punkte gewonnen hat. Die Rede wird als Beleg dafür angeführt, wie frustrationsintensiv Tennis ist.
Die große Gereiztheit
Bernhard Pörksen · 2025
Zuhören, Gehörtwerden, den Dialog auf Augenhöhe führen – das sind Schlagworte unserer Zeit, Leerformeln der politischen Rhetorik. Aber was heißt es, wirklich zuzuhören, die eigenen Überzeugungen in Frage zu stellen, sich der Weltsicht des anderen auszusetzen? Warum hört man so lange nicht auf die Opfer sexuellen Missbrauchs, warum nicht auf die Warnungen vor dem Klimawandel? Bernhard Pörksen zeigt, welche Mechanismen das Zuhören verhindern – ob im privaten Umgang oder in der Öffentlichkeit.
🗣 Eva Menasse zitiert daraus bei ⏱ 06:05:36 „Und dieses Unerbittliche oder wie Perksen schreibt, die große Gereiztheit, das ist mir sehr früh aufgefallen. Und das hat einen sprachlichen Aspekt. Die Sprache wurde hart, genervt, unerbittlich und da glaube ich war der Auslöser.“
Eva Menasse spricht über die zunehmende Verrohung der Online-Kommunikation und verweist auf Bernhard Pörksens Analyse. Sie beschreibt, wie sie selbst schon in der Frühzeit des Internets bei einem eBay-Konflikt erlebt hat, wie schnell Kommunikation entgleisen kann, und sieht darin eine Bestätigung von Pörksens These.
Suburra
· 2017
Im Jahr 2008 eskaliert in einer Küstenstadt bei Rom ein Streit um Land in einen tödlichen Kampf zwischen der Mafia, korrupten Politikern und dem Vatikan. Das größte Bauvorhaben, das Rom je gesehen hat, stinkt nach Korruption, Betrug und kaltblütigem Mord! Ein brutaler Bandenkrieg erschüttert die Straßen. Kommissar Malatesta erahnt den wahren Grund hinter der Fehde: ein riesiges Bauvorhaben, das die Peripherie Roms bis zur Küste von Ostia mit Casinos, Hotels, Clubs zubetonieren soll.
🗣 Eva Menasse zitiert daraus bei ⏱ 06:11:36 „Ich habe dann auch noch Ozark gesehen und Suburra und lauter so Zeug. Aber dann irgendwann habe ich auch das Gefühl gehabt, ich mag eigentlich lieber Miniserien.“
Suburra wird neben Ozark als eine der Serien genannt, die Eva Menasse während ihrer Netflix-Phase gesehen hat. Sie dient als Beispiel dafür, dass nach Breaking Bad nur wenige Serien mithalten konnten.
Charlie Bone
Jenny Nimmo · 2012
A magical fantasy that is fast-paced and easy-to-read. Charlie Bone has a special gift- he can hear people in photographs talking.The fabulous powers of the Red King were passed down through his descendants, after turning up quite unexpectedly, in someone who had no idea where they came from. This is what happened to Charlie Bone, and to some of the children he met behind the grim, gray walls of Bloor's Academy.
🗣 Eva Menasse erwähnt beiläufig bei ⏱ 06:15:54 „Er hat dann noch so ein paar, es gibt ja so epigonale Serien, die so ähnlich sind, wie Charlie Bone und was weiß ich, Aragon. Hat er dann noch gelesen. Und dann irgendwann war es aus.“
Eva Menasse erwähnt Charlie Bone als eine der epigonalen Buchreihen im Fahrwasser von Harry Potter, die ihr Sohn noch gelesen hat, bevor er das Lesen ganz aufgegeben hat.
Eragon
Christopher Paolini · 2003
Beautifully written and taut with suspense, "Eragon" is the first installment in an epic fantasy trilogy about a 15-year-old farm boy who discovers his destiny as a Dragon Rider.
🗣 Eva Menasse erwähnt beiläufig bei ⏱ 06:15:54 „Er hat dann noch so ein paar, es gibt ja so epigonale Serien, die so ähnlich sind, wie Charlie Bone und was weiß ich, Aragon. Hat er dann noch gelesen. Und dann irgendwann war es aus.“
Eragon wird neben Charlie Bone als Harry-Potter-Epigone genannt, die der Sohn von Eva Menasse noch gelesen hat, bevor er komplett aufhörte zu lesen. Im Transkript als 'Aragon' verschrieben, gemeint ist die Eragon-Reihe von Christopher Paolini.
1913
Florian Illies · 2012
»Ich habe das neue ›1913‹ in einer einzigen Nacht durchgelesen. Es ist phantastisch, so reich, ein großes Geschenk.« Ferdinand von Schirach Sie hätten sich gewünscht, dass das Buch ›1913‹ von Florian Illies noch lange nicht zu Ende ist? Dem Autor ging es genauso. Seit Jahren hat er nach neuen aufregenden Geschichten aus diesem unglaublichen Jahr gesucht – und sie gefunden.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 06:20:48 „Jetzt ist er ja mittlerweile, also damals auch schon, aber jetzt vor allem wieder auch so ein Bestsellerautor. Wie blickst du auf diese Karriere, diese andere Karriere, also als Journalist, Fötonist, dazwischen glaube ich mal…“
Jochen Wegner spricht über Florian Illies' Karriere als Bestsellerautor. Obwohl kein konkreter Buchtitel genannt wird, beschreibt Eva Menasse sein Werk als 'historisches Recherchieren und neu zusammenfügen', was auf seine bekannten Bücher wie 1913 verweist.
Nichts, was uns passiert
Bettina Wilpert · 2018
Leipzig. Sommer. Universität, Fußball-WM und Volksküche. Gute Freunde. Eine Geburtstagsfeier. Anna sagt, sie wurde vergewaltigt. Jonas sagt, es war einvernehmlicher Geschlechtsverkehr. Aussage steht gegen Aussage. Nach zwei Monaten nah an der Verzweiflung zeigt Anna Jonas schließlich an, doch im Freundeskreis hängt bald das Wort "Falschbeschuldigung" in der Luft. Jonas' und Annas Glaubwürdigkeit und ihre Freundschaften werden aufs Spiel gesetzt.
🗣 Eva Menasse referenziert bei ⏱ 06:28:01 „Aber es gibt halt einen Graubereich und auch in dem haben sich die Dinge geändert. Und da gab es zum Beispiel, hoffentlich komme ich jetzt auf die Autorin, da gab es einen Roman vor ein paar Jahren, Bettina Wilpert oder so ähnlich.“
Im Kontext der MeToo-Debatte verweist Eva Menasse auf einen Roman, der den Graubereich zwischen einvernehmlichem Sex und Übergriff thematisiert. Sie beschreibt die Handlung: eine ehemalige Beziehung, ein Wiedersehen auf einer Party, Alkohol, Bedrängen – und die Frage, wie das im Nachhinein zu bewerten ist.
Radiotheorie
Bertolt Brecht · 2026
Eva Menasse analysiert Bertolt Brechts Radiotheorie: die Vision vom Radio nicht als Einweg-Massenmedium zentraler Kontrolle, sondern als dezentrales Kommunikationsinstrument, das jeden zum Sender macht. Der Essay zieht eine historische Parallele zum Internet und seinen demokratischen Potenzialen.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 06:31:17 „Das Brechtsche Radio ist die Idee von Bertolt Brecht. Das wäre doch fantastisch, wenn jeder Mensch ein Sender sein könnte und nicht nur eine Zentralstation, die alle beschallt und sagt, was heute wichtig ist.“
Jochen Wegner greift Brechts berühmte Radiotheorie auf, um eine Parallele zum Internet zu ziehen. Brecht hatte sich gewünscht, dass das Radio nicht nur Einweg-Kommunikation sei, sondern jeden zum Sender mache – was das Internet theoretisch ermöglicht hat, mit allen Konsequenzen, die Eva Menasse in ihrem Essay beschreibt.
Sadako will leben
Karl Bruckner · 2019
The histories of modern war and childhood were the result of competing urgencies. According to ideals of childhood widely accepted throughout the world by 1900, children should have been protected, even hidden, from conflict and danger. Yet at a time when modern ways of childhood became increasingly possible for economic, social, and political reasons, it became less possible to fully protect them in the face of massive industrialized warfare driven by geopolitical rivalries and expansionist pol...
🗣 Eva Menasse zitiert daraus bei ⏱ 06:35:13 „Ich bin aufgewachsen mit Karl Bruckner. Sadako will leben und so weiter. Und ich habe gesagt, was hast du da gerade gesagt?“
Menasse erzählt von einem Gespräch mit ihrem Onkel über den Atombombenabwurf auf Japan. Während er die Bombe als Erlösung empfand, war sie mit Bruckners Kinderbuch über die Atombombenopfer von Hiroshima aufgewachsen — ein persönlicher Generationenkonflikt über historische Perspektive.
Esra
Maxim Biller
Der Roman „Esra" von Maxim Biller ist ein in Deutschland gerichtlich verbotenes Werk, das nur als Erstauflage existiert und daher als seltenes Sammlerstück gilt. Die Liebesgeschichte zeichnet sich durch ihre zarte, poetische Erzählweise aus und wird von Literaten als bedeutendes Werk der deutschsprachigen Literatur geschätzt. Das Buch ist auf dem Antiquariatmarkt hochpreisig und repräsentiert eine der wenigen verfemten Publikationen im deutschsprachigen Raum.
🗣 Eva Menasse erwähnt beiläufig bei ⏱ 07:08:55 „Weil Anekdoten hätte ich genug, aber mit dem Urheberrecht und mit der Persönlichkeitsverletzung. Und der Lex Billa Esra ist das, glaube ich, schwieriger als zu Torbergs Zeiten.“
Im Zusammenhang mit der Frage, ob man heute noch einen Anekdotenroman wie Torbergs 'Tante Jolesch' schreiben könnte, verweist Eva Menasse auf den Präzedenzfall des Romans 'Esra' von Maxim Biller, der wegen Persönlichkeitsrechtsverletzungen gerichtlich verboten wurde. Die 'Lex Esra' steht seitdem für die verschärften rechtlichen Grenzen autobiografischen Erzählens.