Daniel Cohn-Bendit, wie sehen Sie heute die RAF
Christoph Amend, Jochen Wegner & Daniel Cohn-Bendit
Daniel Cohn-Bendit – Politiker, Publizist, Ex-Sponti und selbsternannter Europäer – blickt auf ein Leben zurück, das laut Redaktion für zehn Menschen reichen würde. Von seiner Zeit im Zuchthaus Butzbach über seine jüdische Identität als Staatenloser bis zur Verteidigung militärischer Intervention gegen pazifistische Dogmen spannt er einen Bogen, der die Hosts und ihr vierköpfiges Rechercheteam an ihre Grenzen brachte.
„Was ist für Sie Sozialismus? Und da habe ich gesagt, Austern für alle.“
Erwähnte Medien (69)
Identité
J.M.G. Le Clézio · 1992
Le Clézios Essay reflektiert über seine vielfache kulturelle Identität als Franzose, Engländer und durch jahrelange Aufenthalte in Afrika geprägte Person. Das Konzept der "Triple-Identität" dient Cohn-Bendit als Parallele zu seiner eigenen Mehrfachzugehörigkeit und bietet eine literarische Perspektive auf Fragen von Staatenlosigkeit und transnationaler Zugehörigkeit. Das Buch zeigt, wie individuelle Identität durch geografische und kulturelle Erfahrungen geformt wird.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 00:06:36 „Ja, ich habe gerade ein Büchelchen gelesen von Le Clesio über Identität. Und das war interessant, weil es für mich ein Aha-Effekt im Leben ist. Der sagt, er ist zweifach. Also er ist Franzose und Engländer und dreifach, Triple, sagt er, weil er sogar viel in Afrika war und also eine Dreifach-Identität.“
Cohn-Bendit spricht über seine mehrfache Identität als Deutscher, Franzose und Jude und zieht eine Parallele zu Le Clézios Buch über Identität. Le Clézio beschreibe sich darin als 'Triple' – Franzose, Engländer und durch seine Afrika-Erfahrung dreifach geprägt. Cohn-Bendit nutzt das Konzept, um seine eigene Staatenlosigkeit und Mehrfachzugehörigkeit zu reflektieren.
Fußball-Buch
Daniel Cohn-Bendit · 2013
Ungarn und Deutschland stehen sich neun Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Fußballfeld gegenüber - 90 Minuten, die das Schicksal beider Nationen nachhaltig bestimmen. Mit einem Sieg bei der WM erhofft man sich in Ungarn ein Ende des Stalinismus und wirtschaftlichen Aufschwung. Am 5. Juli 1954 - am Tag danach - gibt es die ersten Unruhen, das Vorspiel zu 1956. Auch die DDR will - vorab auf dem grünen Rasen - den Sieg des Sozialismus gegen den Kapitalismus feiern.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:12:56 „Zumal Sie haben ja auch ein Buch geschrieben, wo Sie sozusagen Ihr Leben aus Fußball-Sicht reflektieren. Ja, ich hatte große Angst davor, dass wir sofort nur noch über Fußball reden werden.“
Wegner erwähnt beiläufig, dass Cohn-Bendit ein Buch geschrieben hat, in dem er sein Leben aus der Perspektive des Fußballs reflektiert. Der genaue Titel wird nicht genannt. Die Erwähnung kommt im Kontext einer langen Passage über Fußball-Leidenschaft und das legendäre WM-Halbfinale 1982 zwischen Deutschland und Frankreich.
Artikel über Hans Litten
Marion Gräfin Dönhoff
Nach dem Zweiten Weltkrieg kritisierte die ZEIT vehement die alliierten Kriegsverbrecherprozesse. Auch Marion Gräfin Dönhoff plädierte für die Entlastung der Angeklagten.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 00:18:02 „Übrigens, wenn Sie in den Archiven Ihrer großen Zeitung, gab es einen großen Artikel von Eure Heldin, Frau Dönhoff, über Litten. Und da gab es ein großes Foto von Litten. Und als ich dieses Foto habe ich gesagt, ganz recht, das ist doch mein Vater. Da habe ich meinen Vater gesehen.“
Cohn-Bendit erinnert sich an einen Artikel von Marion Gräfin Dönhoff in der ZEIT über Hans Litten. Auf dem begleitenden Foto erkannte er seinen eigenen Vater – an der hohen Stirn. Er schrieb daraufhin der ZEIT und bat um eine Kopie des Fotos, was ihm auch zugeschickt wurde. Eine persönliche Verbindung zur Familiengeschichte.
Die Weltbühne
Karl Kraus
Der Artikel behandelt das Leben und Werk des österreichischen Schriftstellers und Satirikers Karl Kraus. Kraus war eine einflussreiche Intellektuellenpersönlichkeit des frühen 20. Jahrhunderts, bekannt für seine scharfsinnigen Kritiken an Medien, Politik und Gesellschaft. Der Beitrag beleuchtet seine Biografie und sein literarisches Erbe in der europäischen Kunstlandschaft.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 00:19:30 „es gibt in der Weltbühne von Karl Kraus einen Artikel“
Die Zeitschrift Die Weltbühne wird als Publikationsort des Plädoyers erwähnt – allerdings irrt Cohn-Bendit vermutlich, da Die Weltbühne von Tucholsky/Ossietzky herausgegeben wurde, nicht von Karl Kraus
Artikel über Litten von Marion Dönhoff
Marion Gräfin Dönhoff
Nach dem Zweiten Weltkrieg kritisierte die ZEIT vehement die alliierten Kriegsverbrecherprozesse. Auch Marion Gräfin Dönhoff plädierte für die Entlastung der Angeklagten.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 00:19:30 „in den Archiven Ihrer großen Zeitung, gab es einen großen Artikel von Eure Heldin, Frau Dönhoff, über Litten“
Ein Artikel in der ZEIT von Marion Dönhoff über Hans Litten, in dem Cohn-Bendit seinen Vater auf einem Foto erkannte
Plädoyer von Litten
Erich Cohn-Bendit
Erich Cohn-Bendit war ein Berliner Rechtsanwalt jüdischer Herkunft aus wohlhabender Kaufmannsfamilie, der sich politisch dem Trotzkismus und der KPD anschloss. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 erhielt er Berufsverbot und emigrierte nach Frankreich, wo er im engen Freundeskreis von Hannah Arendt lebte und während der Besatzung als Tagelöhner arbeiten musste. Nach 1952 kehrte er nach Deutschland zurück und eröffnete eine Anwaltskanzlei in Frankfurt, wo er mit Vertretern der Frankfurter Schule wie Horkheimer und Adorno verkehrte. Sein Sohn Daniel Cohn-Bendit wurde später ein bekannter Pädagoge.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 00:19:43 „Und es gibt in der Weltbühne von Karl Kraus einen Artikel, das heißt Plädoyer von Litten. Das ist das Plädoyer von meinem Vater für Litten.“
Cohn-Bendit erzählt, dass sein Vater als linker Anwalt Hans Litten verteidigte, der es geschafft hatte, Hitler vor Gericht zu laden. Das Plädoyer seines Vaters wurde in der Weltbühne veröffentlicht – allerdings schreibt er es Karl Kraus zu, obwohl die Weltbühne zu dem Zeitpunkt von Carl von Ossietzky herausgegeben wurde. Der Artikel dokumentiert die gefährliche juristische Arbeit seines Vaters.
Wir sind alle deutsche Juden
Dokumentation über Daniel Cohn-Bendit und seinen Bruder, die ihre persönliche Familiengeschichte während des Zweiten Weltkriegs erforschen. Der Film besucht die Stadt, in der Cohn-Bendits Bruder unter falschem Namen bei einer französischen Familie versteckt lebte. Der Titel 'Wir sind alle deutsche Juden' verweist auf einen zentralen Satz in Cohn-Bendits Leben und reflektiert Fragen von Identität und Zugehörigkeit.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:28:58 „Es gibt einen ganz tollen Film. Wir empfehlen ja immer auch Sachen, die man vielleicht noch nachgucken kann. Mit dem Titel, der sehr viel Sinn macht, wenn wir später nochmal drüber reden, auf Deutsch, wir sind alle deutsche Juden. Ein sehr wichtiger Satz in ihrem Leben.“
Jochen Wegner empfiehlt einen Film über Daniel Cohn-Bendit, in dem dieser zusammen mit seinem Bruder die Stadt besucht, in der der Bruder während des Krieges unter falschem Namen bei einer französischen Familie versteckt lebte. Der Filmtitel 'Wir sind alle deutsche Juden' verweist auf einen für Cohn-Bendits Leben zentralen Satz.
Briefwechsel Hannah Arendt und Heinrich Blücher
Hannah Arendt · 1996
Veröffentlichter Briefwechsel aus der Nachkriegszeit, der tiefe Einsichten in das politische Denken und persönliche Reflexionen über Deutschland bietet. Die Korrespondenz dokumentiert das intellektuelle Milieu des 20. Jahrhunderts und zeigt die enge Zusammenarbeit zweier einflussreicher Denker.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 00:35:14 „Und mein Vater, das mit dem Trinken, das liest man bei Hannah Arendt nach. Hannah Arendt schreibt in den Briefen aus Briefaustausch mit Blücher, sie hätte dann, es muss 1956 oder 1957, meinen Vater besucht in Frankfurt. Und hat sie gesagt, wenn man was über Deutschland verstehen will, dann muss man immer Cohn-Bendit besuchen.“
Cohn-Bendit zitiert aus dem publizierten Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und Heinrich Blücher, in dem Arendt von einem Besuch bei seinem Vater in Frankfurt berichtet. Sie schreibt sinngemäß, wer Deutschland verstehen wolle, müsse Cohn-Bendit besuchen – bedauert aber, dass er so viel trinke. Die Eltern Cohn-Bendits gehörten in Paris zum intellektuellen Kreis um Arendt und Blücher.
Hannah Arendt / Heinrich Blücher: Briefe 1936–1968
Hannah Arendt, Heinrich Blücher · 1996
Privatbriefwechsel zwischen der Philosophin Hannah Arendt und ihrem Ehemann Heinrich Blücher aus den Jahren 1936 bis 1968. Die Briefe dokumentieren Arendts persönliche Begegnungen und Beobachtungen während ihrer Reisen in der Nachkriegszeit, einschließlich Einblicke in Familiengeschichten und individuelle Schicksale wie das Alkoholproblem des Cohn-Bendit-Vaters in Frankfurt. Das Werk dient als authentisches historisches Zeitzeugnis und bietet tiefe Einblicke in Arendts politisches und persönliches Denken.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 00:35:14 „Hannah Arendt schreibt in den Briefen aus Briefaustausch mit Blücher, sie hätte dann, es muss 1956 oder 1957, meinen Vater besucht in Frankfurt. Und hat sie gesagt, wenn man was über Deutschland verstehen will, dann muss man immer Cohn-Bendit besuchen.“
Cohn-Bendit erzählt von der Trinkproblematik seines Vaters und belegt dies mit dem publizierten Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und Heinrich Blücher. Arendt beschreibt darin ihren Besuch bei Cohn-Bendits Vater in Frankfurt und dessen Alkoholproblem als Folge seiner Lebensgeschichte. Die Briefstelle dient als historisches Dokument für die Familiengeschichte.
Laudatio zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (für Karl Jaspers)
Hannah Arendt · 1985
Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist eine internationale Auszeichnung, die der Börsenverein des Deutschen Buchhandels einmal im Jahr an eine Persönlichkeit vergibt, „die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat.“ Die Verleihung des mit 25.000 Euro dotierten Friedenspreises findet jährlich anlässlich der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche in Frankfurt am ...
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 00:45:39 „Hannah Arendt hat die Laudatio für den Friedenspreis für... 1959, das weiß ich jetzt leider nicht auswendig. War das der Johannes Jonas? Könnte sein. Also Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.“
Daniel Cohn-Bendit erzählt von seiner ersten Begegnung mit Hannah Arendt 1959 in Frankfurt. Arendt war dort, um die Laudatio beim Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zu halten. Bei dieser Gelegenheit besuchte sie auch seine Mutter, da sein Vater gerade gestorben war.
Hannah Arendt: For Love of the World
Elisabeth Young-Bruehl
Elisabeth Young-Bruehls Biografie über die Philosophin Hannah Arendt erzählt die Geschichte eines verloren geglaubten Briefs, den Arendt nach 1968 schreiben wollte. Der Brief sollte über Mary McCarthy vermittelt werden, kam aber nie an. Erst beim Schreiben der Biografie entdeckte Young-Bruehl den Brief im Nachlass und brachte damit eine bewegende historische Episode ans Licht, die Arendts persönliches Vermächtnis und ihre Netzwerke unter Intellektuellen beleuchtet.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 00:49:00 „Als Frau Jungbrühl die Biografie über Hannah Arendt schreibt, findet diesen Brief, guckt, ja, Mary McCarthy, ja, hat kontaktiert, ja, ich hatte diesen Brief, aber Danni nie getroffen und veröffentlicht in ihrer Biografie diesen Brief.“
Cohn-Bendit erzählt die bewegende Geschichte eines nie zugestellten Briefs von Hannah Arendt an ihn nach 1968. Arendt hatte den Brief über Mary McCarthy senden wollen, doch die Zustellung gelang nie. Erst als Elisabeth Young-Bruehl (im Transkript als 'Jungbrühl' wiedergegeben) die Arendt-Biografie schrieb und den Brief im Nachlass fand, erfuhr Cohn-Bendit rund 20 Jahre später von dessen Existenz.
Hannah Arendt (Biografie)
Thomas Meyer · 2025
Elisabeth Young-Bruehl est professeur à la Wesleyan University (États-Unis). Elle est aussi l’auteur d’une biographie de Anna Freud (Payot, 1991). Biographie de référence de l’auteur qui forgea le concept de totalitarisme, ce livre retrace l’itinéraire de celle qui, obligée de fuir le nazisme en 1933, trouva finalement refuge à New York, comme de nombreux Juifs allemands. La vie de Hannah Arendt éclaire de nombreux pans de sa pensée, attachée à penser l’événement.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 00:49:17 „als Frau Jungbrühl die Biografie über Hannah Arendt schreibt, findet diesen Brief“
Die Biografin Young-Bruehl fand in Hannah Arendts Nachlass einen Brief an Cohn-Bendit, den dieser erst durch die Biografie erfuhr
La France s'ennuie
Leitartikel des Le Monde vom Winter 1967/68, in dem der Chefredakteur die politische Stagnation Frankreichs beklagt. Im Vergleich zu anderen Ländern wirkt Frankreich erstarrt und ohne gesellschaftliche Bewegung. Der Artikel sollte sich als ironischer Vorbote der Mai-68-Studentenrevolte erweisen, die wenig später ausbrach und Frankreich politisch aufwühlte.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 01:19:48 „Es gibt ja den berühmten Artikel von Le Monde. Le Monde, Artikel von, na, sagen wir, Winter, Anfang des Winters, 67, 68 irgendwann. Der Chefredakteur schreibt, la France sans mi, Frankreich langweilig. Überall passiert was, nur in Frankreich nicht.“
Cohn-Bendit erinnert sich an den berühmten Leitartikel in Le Monde vom Winter 1967/68, in dem der Chefredakteur beklagt, dass Frankreich im Vergleich zu anderen Ländern politisch eingeschlafen sei. Dieser Artikel wurde später zum ironischen Vorboten der Mai-68-Ereignisse, da kurz darauf die Studentenrevolte ausbrach.
Sartre interviewt Cohn-Bendit
Jean-Paul Sartre
Fig. 1: Riots, Paris May 1968. In a lecture given in 1946, Jean-Paul Sartre stated “Thus, the first effect of existentialism is that itputs every man in possession of himself as he is, and places the entire responsibility for hisexistence squarely upon his own shoulders.” (Sartre, 1946). In saying this, Sartre is capturing theparadox of the…
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:27:32 „Es gibt ein Gespräch mit Ihnen und Sartre. Also Sartre interviewt Sie. Kann man googeln. Gibt es im Internet. Und es ist faszinierend, weil Sartre die ganze Zeit Ihnen quasi einen roten Teppich auslegt, damit Sie jetzt die Revolution in Frankreich anführen.“
Wegner verweist auf das berühmte Interview von 1968, in dem Jean-Paul Sartre Daniel Cohn-Bendit interviewte. Er beschreibt es als faszinierend, weil Sartre den jungen Studenten zur Revolution drängte, während der 23-jährige Cohn-Bendit dem älteren Philosophen gelassen erklärte, dass es keinen Sturm auf den Winterpalast geben werde, sondern nur permanente Reformen.
L'Humanité-Leitartikel gegen Cohn-Bendit
Georges Marchais
[VIDÉO] ARCHIVES - A l'occasion des 50 ans de Mai 1968, LCI s'intéresse aux Unes de presse emblématiques de l'époque, à travers cinq grandes dates qui ont marqué les événements. Le 3 mai, jour de révolte à la Sorbonne, le quotidien communiste L'Humanité publie un virulent édito de Georges Marchais contre "les groupuscules gauchistes" menés par Daniel Cohn-Bendit. Pourquoi tant de haine ? - Mai 68 en cinq Unes (1/5) : le 3 mai, le jour où le journal "L'Huma" est passé à côté de la révolte étudiante (Sujets de société).
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 01:32:46 „Die kommunistische Zeitung L'Humanité einen Leitartikel veröffentlicht, unterschrieben von ihrem Generalsekretär Georges Marchais, wo er sagt, sinngemäß, der deutsche Anarchist Kuhn-Bendit will die französische Arbeiterklasse verunstalten.“
Cohn-Bendit erinnert sich an den Leitartikel in der kommunistischen Zeitung L'Humanité, verfasst von Georges Marchais, der ihn als 'deutschen Anarchisten' diffamierte. Dieser Artikel hatte eine antisemitische Unterströmung – viele lasen 'deutscher Anarchist' als 'deutscher Jude' – und machte Cohn-Bendit zum Hauptfeind der kommunistischen Gewerkschaften in Frankreich.
Linksradikalismus – Gewaltkur gegen die Alterskrankheit des Kommunismus
Daniel Cohn-Bendit · 1968
Eine 1968 veröffentlichte Sammlung linker Kritiken am Kommunismus, die verschiedene Perspektiven zur Überwindung kommunistischer Orthodoxie bündelt. Verfasst als Gegenpol zu Lenins klassischem Werk, stellt sie kritische Positionen der Linken gegen dogmatische Interpretationen des Marxismus zusammen.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 01:40:10 „Wir haben im Sommer 68, hat Rowohlt mir viel Geld angeboten, um ein Buch zu schreiben. Die haben eine Wohnung gemietet im Allgäu und da haben wir geschrieben, ein Buch, was furchtbar ist, Linksradikalismus gegen die Alterskrankheit des Kommunismus. Da haben wir linke Kritiken am Kommunismus zum Teil übernommen, zum Teil abgeschrieben.“
Cohn-Bendit erzählt, wie der Rowohlt-Verlag ihm im Sommer 1968 viel Geld bot, um ein Buch zu schreiben. Er beschreibt es selbstkritisch als 'furchtbar' – eine Zusammenstellung linker Kritiken am Kommunismus, die sie teilweise einfach abschrieben und dies auch offen im Vorwort zugaben. Der Titel spielt auf Lenins 'Der Linksradikalismus – die Kinderkrankheit im Kommunismus' an.
Wir sind hier geboren
Daniel Cohn-Bendit · 1989
Direkt nach Ende seiner Highschool-Zeit tritt Ron Kovic den Marines bei - ganz im naiven Glauben, seinem Land auf diese Weise am besten zu dienen. Die Army schickt ihn daraufhin in den Vietnamkrieg, wo er an einem aus Fahrlässigkeit resultierenden Massaker beteiligt ist, im unübersichtlichen Gefecht versehentlich einen Kameraden erschießt und sich schließlich – von der Brust bis zu den Füßen gelähmt – im Hospital wiederfindet.
🗣 Daniel Cohn-Bendit empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:48:23 „Ich habe ja mit einem mit dem Sohn von meiner Frau den Film gemacht. Und ich glaube, es ist uns gelungen, viele Menschen in Israel zu treffen, die ganz unterschiedliche Positionen haben. Siedler, einen ehemaligen Geheimdienstchef und so weiter.“
Daniel Cohn-Bendit spricht über seinen Dokumentarfilm über Israel, den er mit dem Sohn seiner Frau gedreht hat. Der Film zeigt verschiedene Perspektiven der israelischen Gesellschaft – von Siedlern bis zu ehemaligen Geheimdienstchefs – und ist laut Cohn-Bendit in der Mediathek wieder verfügbar. Jochen Wegner betont, dass viele Themen des Films angesichts des Gaza-Konflikts hochaktuell geworden sind.
Offener Brief an Palästinenser und Israelis
Marek Edelman
Offener Brief des Warschauer-Ghetto-Aufständischen Marek Edelman, veröffentlicht in der New York Times und Le Monde. Der Brief verteidigt das Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat und mahnt gleichzeitig, dass Frauen und Kinder nicht angegriffen werden dürfen. Edelman verweist auf die ethischen Grundsätze des Widerstands im Ghetto und verbindet die jüdische Befreiungsgeschichte mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 02:04:33 „Und er hat mal einen offenen Brief geschrieben. An Palästinenser und Israelis geschrieben. Das ist in der New York Times erschienen und auch in Le Monde. Er hat geschrieben an die Israelis, ja, die Palästinenser haben ein Anrecht auf ihren Staat.“
Daniel Cohn-Bendit beschreibt sein Idol Marek Edelman, einen der Anführer des Warschauer Ghetto-Aufstands. Edelman veröffentlichte einen offenen Brief in der New York Times und Le Monde, in dem er sowohl das Recht der Palästinenser auf einen Staat verteidigte als auch die Palästinenser mahnte, keine Frauen und Kinder anzugreifen – mit Verweis auf die ethischen Grundsätze des Widerstands im Ghetto.
Weißbuch über die Jugend
Französisches Regierungspapier zur Jugendpolitik der 1960er Jahre. Das Weißbuch behandelte zentrale Fragen der Jugendförderung und Gesellschaftsentwicklung, ließ aber kontrovers das Thema Sexualität komplett außer Acht – ein kritischer Punkt, den Daniel Cohn-Bendit gegenüber dem zuständigen Minister vertrat und der einen bekannten Vorfall vor Mai 68 auslöste.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 02:12:50 „Und da gab es davor noch eine Veranstaltung der Jugendminister und Sport. Missov hat ein Schwimmbad eingeweiht. Und zuvor hatte dieses Ministerium ein Weißbuch über die Jugend veröffentlicht.“
Cohn-Bendit erzählt von der Vorgeschichte der Studentenunruhen in Nanterre. Das französische Jugendministerium hatte ein Weißbuch über die Jugend veröffentlicht, in dem laut Cohn-Bendit das Thema Sexualität komplett fehlte – was er dem Minister bei der Schwimmbad-Einweihung vorhielt und damit einen der berühmten Vorfälle vor dem Mai 68 auslöste.
Das Kapital / Gesamtwerk
Karl Marx · 2012
Die Serie "Meisterwerke der Literatur" beinhaltet die Klassiker der deutschen und weltweiten Literatur in einer einzigartigen Sammlung für Ihren eBook Reader. Lesen Sie die besten Werke großer Schriftsteller,Poeten, Autoren und Philosophen auf Ihrem Reader. Dieses Werk bietet zusätzlich * Eine Biografie/Bibliografie des Autors. Das Kapital.
🗣 Daniel Cohn-Bendit erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:24:26 „Man musste ja die Bourgeoisie enteignen. Also, so. Und hat gelesen, den ganzen Marx, den ganzen Hegel, alles sich selbst erlesen.“
Cohn-Bendit beschreibt, wie er und Joschka Fischer sich nach der Revolte von 68 autodidaktisch die Werke von Marx und Hegel aneigneten. Fischer wird als jemand porträtiert, der ohne Abitur zum 'gestandenen Intellektuellen' wurde, indem er sich diese Werke selbst erlas.
Gesamtwerk
Georg Wilhelm Friedrich Hegel · 1835
Hegels Gesamtwerk, eine vollständige Sammlung der Werke des einflussreichen deutschen Philosophen. Im Podcast wird erwähnt, dass Cohn-Bendit und die post-68er-Bewegung sich Hegels Werk zusammen mit Marx aneigneten, um ihre intellektuelle Grundlage zu schaffen. Dies war ein wesentlicher Teil der kritischen Theoriebildung in der Frankfurter Schule der 1960er Jahre.
🗣 Daniel Cohn-Bendit erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:24:26 „Man musste ja die Bourgeoisie enteignen. Also, so. Und hat gelesen, den ganzen Marx, den ganzen Hegel, alles sich selbst erlesen.“
Im selben Zusammenhang wie Marx erwähnt Cohn-Bendit, dass sie sich auch das gesamte Werk Hegels angeeignet haben – als Teil der intellektuellen Selbstbildung der post-68er-Bewegung in Frankfurt.
Pflasterstrand
Daniel Cohn-Bendit hat für sein Szene-Blatt »Pflasterstrand« den »liberalen Kapitalisten« gefunden, den er so lange suchte. Matthias Kierzek, 37, dem der Druckereibetrieb Fuldaer Verlagsanstalt und die Hälfte des Eichborn-Verlags gehören, steigt als…
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 02:27:06 „Pflasterstrand war ein Stadtmagazin, was aber den Anspruch hat, nicht nur so Stadtmagazin zu sein, sondern ... Es wurde genannt Zentralorgan der Spontis. Wir haben alle Debatten, die wir geführt haben, damals in Frankfurt, haben wir dokumentiert im Pflasterstrand.“
Cohn-Bendit beschreibt das von ihm mitherausgegebene Frankfurter Stadtmagazin 'Pflasterstrand', das als 'Zentralorgan der Spontis' galt. Es dokumentierte die politischen Debatten der Frankfurter Szene und veröffentlichte u.a. Texte von Joschka Fischer und Thomas Schmid. Später wurde daraus das 'Journal Frankfurt'.
Durchs wilde Kurdistan
Joschka Fischer · 2008
Over the course of his long and controversial career, Joschka Fischer evolved from an archetypal 1960s radical--a firebrand street activist--into a shrewd political insider, operating at the heights of German politics. In the 1980s he was one of the first elected Greens and went on to become Germany's foreign minister from 1998 to 2005.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 02:40:25 „Weil zum Beispiel ein berühmter Aufsatz von Joschka Fischer durchs wilde Kurdistan, warum man nicht den Grünen beitreten soll.“
Cohn-Bendit erwähnt einen bekannten Aufsatz von Joschka Fischer, der im Pflasterstrand erschien. Der Text argumentierte gegen einen Beitritt zu den Grünen – eine Position, die Fischer bekanntlich später revidierte, als er selbst grüner Spitzenpolitiker wurde.
Zehn-Seiten-Interview im Spiegel über Joschka Fischers Vergangenheit
Daniel Cohn-Bendit
Zehnseitiges Interview mit Cohn-Bendit über Joschka Fischers revolutionäre Vergangenheit. Der Spiegel-Journalist recherchiert mit großem Aufwand nach Informationen über Fischers Zeit in der Bewegung. Das intensive Gespräch zwischen Journalist und Cohn-Bendit ermöglicht tiefe Einblicke in diese Epoche und kritische Perspektiven auf die Grünen.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 02:45:54 „Und nach einer Stunde Brüllerei am Telefon, hat er gesagt, okay, du kriegst ein Interview. Und dann hat es ein zehnseitiges Interview im Spiegel gegeben über Joschka, über diese Zeit und so weiter.“
Cohn-Bendit berichtet über einen Spiegel-Journalisten, der mit großem Budget nach belastenden Informationen über Joschka Fischers revolutionäre Vergangenheit suchte. Nach einem heftigen Telefonstreit erhielt Cohn-Bendit ein zehnseitiges Interview, in dem er über Fischer und die damalige Zeit sprach. Dies ist ein anderer Artikel als der 1994er Spiegel-Beitrag über Links/Rechts.
Spiegel-Interview über Joschka Fischer
Daniel Cohn-Bendit
Umfassendes Interview mit Daniel Cohn-Bendit im Spiegel über Joschka Fischers Vergangenheit und sein frühes politisches Engagement. Der Artikel behandelt kontroverse Phasen aus Fischers Leben und Karriere in der Öffentlichkeit. Ein investigativer Beitrag zur Aufarbeitung einer historisch bedeutsamen Persönlichkeit der deutschen Grünen.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 02:46:03 „okay, du kriegst ein Interview. Und dann hat es ein zehnseitiges Interview im Spiegel gegeben über Joschka, über diese Zeit und so weiter“
Cohn-Bendit gab dem Spiegel ein umfangreiches Interview über Joschka Fischers Vergangenheit, nachdem der Spiegel versuchte, Fischer zu kompromittieren
Der große Bazar
Daniel Cohn-Bendit · 2023
Autobiografisches Werk von 1975, das sich mit gesellschaftspolitischen Themen und historischen Konflikten auseinandersetzt. Das Buch analysiert zentrale politische Debatten – etwa zum Nahostkonflikt – anhand persönlicher Erfahrungen und wird für seine provokative, kontroverse Auseinandersetzung mit sensiblen Themen kontrovers diskutiert.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 02:57:02 „Der große Bazar ist eigentlich ein spannendes Buch. Wenn Sie das Kapitel über Israel lesen, können Sie genau alle Probleme, die es heute gibt, nachlesen“
Cohn-Bendits autobiografisches Buch von 1975, das später wegen einer provokativen Passage über Sexualität mit Kindern kontrovers diskutiert wurde
Der große Basar
Daniel Cohn-Bendit · 2017
Franz Walter blickt in kritischen Analysen zurück auf die lange Geschichte sozialer Bewegungen, politischer Ideologien, parlamentarischer Parteien und ihrer charismatischen Anführer. In seiner fast die letzten 100 Jahre deutscher Politik umfassenden Rückschau setzt er sich mit den unterschiedlichen Spielarten rebellischer Jugendbewegungen ebenso auseinander wie mit radikaldemokratischen Konzeptionen, den großen politischen Ideen und Strömungen des Liberalismus, Konservativismus und Sozialismus u...
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 02:57:06 „Der große Bazar ist eigentlich ein spannendes Buch. Wenn Sie das Kapitel über Israel lesen, können Sie genau alle Probleme, die es heute gibt, nachlesen.“
Cohn-Bendit spricht über sein eigenes Buch 'Der große Basar' von 1975, in dem er verschiedene Erlebnisse kapitelweise schildert. Es wird ausführlich diskutiert, insbesondere eine halbe Seite über eine provokante Kindergarten-Szene, die später zum Pädophilie-Vorwurf führte. Cohn-Bendit erklärt, die Passage sei als bewusste Provokation der Bourgeoisie geschrieben worden.
La Découverte
Romain Goupil
La Découverte ist ein Film von Romain Goupil, in dem Cohn-Bendit und der Regisseur nach Macrons Wahlsieg durch Frankreich reisen, um den Zustand des Landes zu dokumentieren. Die Dokumentation behandelt unter anderem die Einwanderungsfrage und zeigt verschiedene gesellschaftliche Perspektiven. Bemerkenswert ist, dass Macron selbst im Film auftritt, was der Produktion erhebliche politische Relevanz verleiht.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 03:15:58 „Und dann haben wir irgendwann eine verrückte Idee, der Romain, Goupil und ich, wir hatten beschlossen, einen Film über Frankreich zu machen, La Découverte, wo wir durch Frankreich reisen, nach Macrons Sieg, zu sehen, was denkt Frankreich, wie ist der Zustand Frankreichs.“
Cohn-Bendit erzählt von seinem Filmprojekt mit dem Regisseur Romain Goupil. Nach Macrons Wahlsieg wollten sie durch Frankreich reisen und den Zustand des Landes dokumentieren, unter anderem zum Thema Einwanderung. Macron sagte sogar zu, in dem Film aufzutreten, was zu einer aufwendigen Inszenierung in einem Frankfurter Café führte.
Der Müll, die Stadt und der Tod
Rainer Werner Fassbinder
Dieter Wunderlich analysiert Rainer Werner Fassbinders umstrittenes Theaterstück „Der Müll, die Stadt und der Tod" und seine Verflechtung mit antisemitischen Stereotypen. Der Artikel zieht Parallelen zu Robert Walsers Werk und zeigt auf, wie beide Künstler in ähnliche ideologische Fallen tappten, insbesondere im Umgang mit dem jüdischen Immobilienspekulanten als literarischer Figur. Es geht um die historische Kontinuität problematischer Darstellungen und deren Rezeption in der deutschsprachigen Literatur und Dramatik.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 03:38:20 „Dann schreibt der Fassbinder angeturnt von dem Häuserkampf ein Stück, der Müll, die Stadt und der Tod, wo die Hauptperson ein Jude ist. Fassbinder in seinem Stück der Jude heißt. Und dieser Jude ist angelehnt mehr oder weniger an die Figur von Bubis, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde.“
Im Kontext der Frankfurter Häuserkämpfe der 70er Jahre erzählt Cohn-Bendit von Fassbinders kontroversem Theaterstück. Die Hauptfigur, die nur 'der Jude' genannt wird, war an Ignatz Bubis angelehnt, den späteren Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde. Das Stück löste eine große Antisemitismus-Debatte in Frankfurt aus.
Juden in Frankfurt
Daniel Cohn-Bendit
ARD-Dokumentarfilm von Daniel Cohn-Bendit, der die Ängste und Sicherheitsbedenken der jüdischen Gemeinde in Frankfurt nach den Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen dokumentiert. Der Film beleuchtet die Perspektive jüdischer Menschen auf wachsenden Antisemitismus und gesellschaftliche Verunsicherung in Deutschland zu Beginn der 1990er Jahre.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 03:41:25 „ich weiß nicht, wer mich gefragt hat, einen Film gemacht, Juden in Frankfurt“
ARD-Dokumentarfilm über die Ängste jüdischer Menschen in Frankfurt nach den Angriffen von Rostock-Lichtenhagen
Angst im Rücken
Daniel Cohn-Bendit
Dokumentarfilm von Daniel Cohn-Bendit über die Angst der jüdischen Gemeinde in Frankfurt nach den Anschlägen von Rostock-Lichtenhagen 1993. Der Film porträtiert Mitglieder der jüdischen Gemeinde und ihre Überlegungen, ob sie in Deutschland bleiben können. Ein wichtiges Zeugnis der Verunsicherung jüdischen Lebens in Deutschland Anfang der 1990er Jahre, ausgestrahlt in der ARD.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 03:43:47 „Und dieser Film, der Film heißt Angst im Rücken, hat jeder von uns. Es ist ein trauriger Film, weil wirklich man spürt die Angst der jüdischen Menschen in Frankfurt in dieser Zeit.“
Cohn-Bendit erzählt, dass er nach den Anschlägen von Rostock-Lichtenhagen 1993 einen Dokumentarfilm über die Angst der Juden in Frankfurt gedreht hat. Der Film lief in der ARD und wurde sogar in der Bild-Zeitung empfohlen. Darin interviewte er Mitglieder der jüdischen Gemeinde, ob sie in Deutschland bleiben würden – alle sagten nein, nur Naomi Bubis blieb.
Juden
Michel Friedman · 2008
Departing from the recent critical literature on the emergence of a new German Jewry, this volume proposes a new perspective on the post-1980s phenomenon of re-emerging Jewish culture in Germany as a case study for wider developments in Europe and the international context.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 03:44:04 „Und Michel Friedman hat sein Buch, Juden, das er jetzt veröffentlicht, Recht, die Enttäuschung, das Entsetzen. Alles richtig.“
Im Gespräch über die aktuelle Lage von Juden in Deutschland erwähnt Cohn-Bendit Michel Friedmans Buch als Ausdruck berechtigter Enttäuschung und Entsetzens. Er argumentiert jedoch gleichzeitig, dass Deutschland trotz allem der Ort sei, wo es für Juden am wenigsten schlimm sei, weil die Eliten und der Staat eindeutig Position beziehen.
The Dearborn Independent
Henry Ford
Henry Ford war nicht nur Gründer des Ford Motor Unternehmens, sondern auch Besitzer der Zeitung Dearborn Independent. Diese Publikation war in den 1930er Jahren für die regelmäßige Veröffentlichung antisemitischer Kommentare auf ihrer Titelseite berüchtigt. Der Artikel dokumentiert diese historische Dimension von Fords Vermächtnis und veranschaulicht die tiefe Verankerung des Antisemitismus in der amerikanischen Gesellschaft der Zwischenkriegszeit.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 03:44:59 „Gucken Sie sich mal Henry Ford an. Er hat eine Zeitung gehabt in den 30er Jahren, wo er jedes Mal auf der ersten Seite einen antisemitischen Kommentar gehabt hat.“
Cohn-Bendit spricht über das antisemitische Amerika und dessen lange Geschichte. Er nennt Henry Fords antisemitische Zeitung und Lindberghs Nazi-Sympathien als Belege dafür, dass Antisemitismus in den USA tief verwurzelt sei.
Biopic über Merkel
· 2024
Im beschaulichen Klein-Freudenstadt geschieht ein weiterer Mord. Und wieder ist Angela Merkel mittendrin.
🗣 Daniel Cohn-Bendit empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:19:53 „Habt ihr den Biopic gesehen über Merkel in dieser Zeit? Das ist doch genial. Wo sie am Telefon ist mit dem Seehofer“
Film über Merkel und die Flüchtlingskrise 2015, in dem die Telefonszene mit Seehofer über Grenzschließung dargestellt wird
Merkel-Biopic (über die Flüchtlingskrise 2015)
· 2022
Angela Merkel war zu Beginn ihrer Karriere in vielfacher Hinsicht eine Außenseiterin, sowohl als Frau als auch als Wissenschaftlerin und als Ostdeutsche. Als Pfarrerstocher in der DDR aufgewachsen, nutze Merkel den Fall der Berliner Mauer, um sich neu zu erfinden und zu einer der mächigsten Frauen der Welt zu werden.
🗣 Daniel Cohn-Bendit empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:21:51 „Habt ihr den Biopic gesehen über Merkel in dieser Zeit? Das ist doch genial. Wo sie am Telefon ist mit dem Seehofer. Also ich habe Leuten gesagt, das muss ungefähr so gewesen sein. Also das war schon richtig recherchiert.“
Cohn-Bendit spricht über Merkels Entscheidung 2015, die Grenzen nicht zu schließen. Er verweist auf einen biografischen Film über Merkel, der die Telefonate mit Seehofer und private Momente mit ihrem Mann auf der Couch darstellt. Er hält die Darstellung für authentisch, da ihm Insider bestätigt hätten, dass es ungefähr so gewesen sei.
Freiheit. Erinnerungen 1954–2021
Angela Merkel · 2024
Memoiren einer Bundeskanzlerin über ihre 16 Jahre im Amt (1954–2021). Das Buch dokumentiert ihre politischen Entscheidungen und persönliche Perspektive auf zentrale Ereignisse ihrer Amtszeit, insbesondere zur Außenpolitik und ihrer umstrittenen Russland-Strategie unter Putin.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 04:29:25 „Und ich wette mit, ich wette jetzt, ich kann mich irren, dass in ihrer Memoire nichts stehen wird.“
Nach seiner Anekdote über ein privates Abendessen mit Merkel, bei dem sie über Schwarz-Grün diskutierten und sie Jahre später lächelnd abstritt, so etwas je besprochen zu haben, wettet Cohn-Bendit, dass diese Episode in Merkels angekündigten Memoiren nicht vorkommen wird. Wegner stimmt ihm zu, dass er diese Wette sicher gewinnen werde.
Artikel über Tsipras' Berater in der ZEIT
Der Rücktritt des Syriza-Vorsitzenden Alexis Tsipras weist über Griechenland hinaus: In vielen Staaten Europas scheint der Linkspopulismus im unaufhaltsamen Niedergang.
🗣 Daniel Cohn-Bendit empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:30:49 „Tsipras hat einen ganz interessanten, war bei euch in der Zeitung, könnt ihr mal lesen, interessanten Berater, so ein amerikanischer Finanzmensch.“
Im Kontext der Griechenland-Krise und der Frage, ob Griechenland aus dem Euro geworfen werden sollte, erwähnt Cohn-Bendit einen Artikel in der ZEIT über einen amerikanischen Finanzberater von Tsipras. Er empfiehlt den Hosts, den Artikel zu lesen, da dieser Berater zusammen mit Merkel den Kompromiss gegen Schäubles Willen formuliert habe.
La Force du Vertige
André Glucksmann · 2014
Philosophische Analyse der nuklearen Abschreckung als europäisches Sicherheitsinstrument. Glucksmann argumentiert, dass Atomwaffen-Abschreckung trotz ihrer existenziellen Bedrohung notwendig und unverzichtbar ist, um europäische Sicherheit zu bewahren.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 04:53:58 „André Glücksmann hat vor 30, 40 Jahren ein Buch geschrieben, La Force du Verstieg, wo er erklärt, so schrecklich die Abschreckung ist, so notwendig sie ist. Weil sie uns beschützt.“
Cohn-Bendit diskutiert die europäische Sicherheitsarchitektur und die Frage, was passiert, wenn ein US-Präsident wie Trump den Atomschutz für Europa aufkündigt. Er zieht Glucksmanns Buch über nukleare Abschreckung heran, um zu argumentieren, dass die Abschreckung trotz ihrer Schrecklichkeit unverzichtbar sei, weil sie Europa schütze.
Artikel über den Angriff auf Rafah
Bei einem israelischen Angriff auf die Großstadt in Südgaza wurde ein Zeltlager für Geflüchtete getroffen. Mindestens 45 Menschen starben. Was bisher bekannt ist.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 05:06:51 „Neulich hat mir der Herr auch in der Zeit ein sehr guter Artikel, hat mich überzeugt, wo er gesagt hat, menschlich ist der Angriff auf Rafah nicht zu akzeptieren. Militärisch macht es Sinn, weil es stimmt, die Hamas ist nur noch da.“
Cohn-Bendit erwähnt einen Zeit-Artikel, der ihn überzeugt hat, weil er die Spannung zwischen militärischer Logik und menschlichem Leid beim Angriff auf Rafah differenziert darstellte. Der Autor argumentierte, dass der Angriff militärisch sinnvoll, aber menschlich nicht akzeptabel sei.
Artikelserie in der FAZ
Dan Diner
Artikelserie des Historikers Dan Diner in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum Nahostkonflikt und möglichen Lösungsansätzen. Diner untersucht geschichtliche und aktuelle politische Perspektiven, um aufzuzeigen, wie man aus dem Konflikt herauskommt, und bezieht sich dabei auf Weizmanns Memoiren.
🗣 Daniel Cohn-Bendit empfiehlt aktiv bei ⏱ 05:09:22 „Dann Diener hat ja eine unfassbar gute Artikelserie in der FAZ veröffentlicht. Die letzte Serie war über wie kommen wir aus dem Schlamassel raus“
Dan Diners Artikelserie in der FAZ über den Nahostkonflikt und mögliche Lösungswege, in der er u.a. Weizmanns Memoiren zitiert
Memoiren von Chaim Weizmann
Chaim Weizmann · 1953
Autobiographisches Werk über die Gründung Israels und die Rolle des ersten Staatspräsidenten. Im Zentrum steht ein dokumentiertes Gespräch mit David Ben-Gurion über die politische Zukunft des jungen Staates und die zionistische Vision Israels.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 05:09:22 „Es gibt in den Memoiren von Weizmann, der erste Staatspräsident, ein Gespräch, den er mit Ben-Gurion hat“
Cohn-Bendit erwähnt die Memoiren im Zusammenhang mit Dan Diners Zitat über Weizmanns Gespräch mit Ben-Gurion zur Zukunft Israels
Artikelserie über Israel in der FAZ
Diener
Artikelserie von Diener in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum israelisch-palästinensischen Konflikt. Mit Bezügen zu Camus und Hannah Arendt sowie zum Konzept der Natalität erörtert Diener Lösungsmöglichkeiten des Nahostkonflikts.
🗣 Daniel Cohn-Bendit empfiehlt aktiv bei ⏱ 05:12:21 „Dann Diener hat ja eine unfassbar gute Artikelserie in der FAZ veröffentlicht. Die letzte Serie war über wie kommen wir aus dem Schlamassel raus.“
Im Gespräch über den Nahostkonflikt und die Zwei-Staaten-Lösung empfiehlt Cohn-Bendit eine Artikelserie von Diener in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die sich mit der Frage beschäftigt, wie eine Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts aussehen könnte. Diener greift darin auf Camus und Hannah Arendt zurück und argumentiert mit dem Natalitätsrecht.
Memoiren
Chaim Weizmann · 1937
Memoiren mit einer prophetischen Warnung: Im Gespräch mit Ben-Gurion wird die Notwendigkeit eines neuen Verhältnisses zu den arabischen Völkern betont. Ohne Aussöhnung in den kommenden Jahrzehnten drohe Israel zu scheitern.
🗣 Daniel Cohn-Bendit zitiert daraus bei ⏱ 05:12:48 „Es gibt in den Memoiren von Weizmann, der erste Staatspräsident, ein Gespräch, den er mit Ben-Gurion hat. Und Weizmann sagt schnell, wir müssen in den nächsten 30, 40 Jahren ein anderes Verhältnis zu den Araber, Palästinenser, Israelis sein.“
Cohn-Bendit zitiert über Dieners FAZ-Artikelserie ein Gespräch aus den Memoiren des ersten israelischen Staatspräsidenten Weizmann mit Ben-Gurion. Weizmann warnte demnach schon früh, dass Israel ein anderes Verhältnis zu den Arabern und Palästinensern entwickeln müsse, um nicht überrannt zu werden – eine Mahnung, die laut Cohn-Bendit bis heute ungehört blieb.
Nächstes Jahr in Jerusalem
Nächstes Jahr in Jerusalem ist die Übersetzung des traditionellen Wunschs L'Shana Haba'ah B'Yerushalayim (לשנה הבאה בירושלים) am Schluss des jüdischen Sederabends und des Versöhnungstags. Davon abgeleitet ist es der Titel folgender Werke: Nächstes Jahr in Jerusalem, dritter Teil einer Dramen-Trilogie von Arnold Wesker (1960), siehe Hühnersuppe mit Graupen Nächstes Jahr in Jerusalem, Roman von Michael Horbach (1973) Nächstes Jahr in Jerusalem, Roman von André Kaminski (1986)
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 05:15:32 „Die Juden am Anfang so waren. Aber irgendwann hätte ich mir gehofft... Es gibt ja ein Lied nächstes Jahr in Jerusalem. Das gibt es ja. Tausende von Jahren wird das gesungen.“
Cohn-Bendit erklärt die mythische Bindung der Juden an Palästina und warum der Staat Israel gerade dort entstehen musste. Er verweist auf das traditionelle jüdische Lied bzw. den liturgischen Ausruf 'Nächstes Jahr in Jerusalem', der seit Jahrtausenden gesungen wird und die tiefe spirituelle Verbindung zum Land symbolisiert.
Zwei Völker, ein Land
Amos Oz · 2019
Der Titel "Wie alle Völker ...?" geht auf eine Broschüre von Judah L. Magnes, des ersten Rektors der Hebräischen Universität in Jerusalem, zurück. Dieser betrachtete 1930 erstmals die Problematik im Verhältnis zwischen Moderne und Tradition, zwischen Politik und Religion auf, die sich seither durch die Geschichte des Staates Israel zieht.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 05:15:54 „Und in dieser Situation schreibt Amos Oz, zwei Völker, ein Land, Grossmann, all die größten Schriftsteller, die sind zerrissen mit dieser Realität“
Erwähnung von Amos Oz und David Grossman als Schriftsteller, die sich mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt auseinandersetzen
Textstrecke über Mythen der Nahost-Debatte
Artikelreihe der Zeit über Mythen und Missverständnisse im Nahostkonflikt, erschienen kurz nach dem 7. Oktober. Ein Text argumentiert überzeugend, dass der Konflikt nicht zwangsläufig verfahren sein muss – es gab bereits historische Momente, in denen Frieden greifbar nahe war.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 05:18:09 „Ich muss jetzt auch einmal die Zeit zitieren. Da gab es ganz zu Anfang, kurz nach dem 7. Oktober, eine kurze Strecke von Texten, die sich mit den Missverständnissen oder Mythen in dieser Debatte beschäftigt haben. Ein sehr kurzer Text, an den ich mich gut erinnere, weil er mir Hoffnung gegeben hat, war, es ist ein Irrtum zu glauben, dass es immer Verfahren sein muss und immer schon Verfahren war.“
Wegner zitiert eine Artikelreihe aus der Zeit, die kurz nach dem 7. Oktober erschien und sich mit Missverständnissen und Mythen im Nahostkonflikt beschäftigte. Besonders ein kurzer Text gab ihm Hoffnung, weil er argumentierte, dass der Konflikt nicht zwangsläufig auf ewig verfahren sein müsse – es habe auch schon Momente gegeben, in denen eine gute Entwicklung greifbar nahe war.
Artikel über Zwei-Staaten-Lösung und Marwan Barghouti
Daniel Cohn-Bendit
Daniel Cohn-Bendit analysiert im Spiegel die Zwei-Staaten-Lösung des Nahostkonflikts und die zentrale Rolle von Marwan Barghouti – zu einer Zeit, als dieser Name in Deutschland noch völlig unbekannt war. Der Artikel belegt Cohn-Bendits langjährige Expertise in Nahostfragen.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 05:32:01 „Im Spiegel, ganz am Anfang haben wir einen Artikel geschrieben, wo wir geschrieben haben, hier zwei Staaten, Mauern-Baguti. Die Leute haben mir gesagt, Dani, wo nimmst du den her? Was ist denn das, Mauern-Baguti? War noch nie gehört, sag ich, ja, ihr nicht.“
Cohn-Bendit erzählt, dass er schon früh im Spiegel einen Artikel über die Zwei-Staaten-Lösung und die Schlüsselfigur Marwan Barghouti veröffentlicht hat, als diesen Namen in Deutschland noch niemand kannte. Er nutzt das als Beleg für seine langjährige Expertise in der Nahostfrage.
Artikel über Verhandlungen mit der Hamas
David Grossman
Der israelische Schriftsteller David Grossman argumentiert für pragmatische Verhandlungen mit der Hamas gegen kategorische Ablehnungshaltungen. Der Artikel wird als Gegenposition zu deutscher Außenpolitik zitiert, die jegliche Gespräche mit der Hamas ausschließt. Grossmans Autorität als betroffener Israeli unterstreicht, dass selbst direkt Involvierte Diplomatie für notwendig halten.
🗣 Daniel Cohn-Bendit empfiehlt aktiv bei ⏱ 05:34:44 „Dann bitte ich die guten Deutschen, den Artikel von David Grossman zu lesen. Manchmal darf man nicht jüdischer als die Juden sein. Man muss sie mal Judenlast sein. David Grossman sagt, ich habe Tränen in den Augen. Man wird aber auch mit der Hamas verhandeln müssen.“
Cohn-Bendit empfiehlt einen Artikel des israelischen Schriftstellers David Grossman als Argument gegen die deutsche Haltung, niemals mit der Hamas zu verhandeln. Er nutzt Grossmans Autorität als israelischer Intellektueller, um zu zeigen, dass selbst betroffene Israelis pragmatischer denken als die deutsche Öffentlichkeit.
Texte von Navid Kermani und Natan Sznaider
Navid Kermani / Natan Sznaider · 2018
Navid Kermanis Romane und Prosabücher bewegen sich an der Grenze zwischen Autobiografie und Fiktion, sie experimentieren mit den großen Themen und ermöglichen einen neuen Blick auf Liebe und Tod, Kunst und Politik. Als Orientalist befasst sich der deutsch-iranische Autor mit der Ästhetik des Korans und der frühislamischen Mystik, als Reporter berichtet er vom Flüchtlingstreck nach Europa und aus den Krisengebieten u.a.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 05:41:43 „Neulich war ich in Frankfurt und dann war eine Lesung der Texte von Navid Germani und Nathan Snyder. Die lesen das, zwei Schauspieler, und dann sollte ich eine Diskussion moderieren. Da kam ich an, was soll ich moderieren, mit wem?“
Cohn-Bendit berichtet von einer Lesung in Frankfurt, bei der Texte von Navid Kermani und Natan Sznaider von Schauspielern vorgetragen wurden – vermutlich ihr Briefwechsel über den Nahostkonflikt. Er beschreibt die Texte als intellektuell anspruchsvoll, aber letztlich hoffnungslos und ohne Ausweg, weshalb er stattdessen ein improvisiertes Theaterstück mit seinem eigenen Friedensplan aufführte.
Revolutionärer Kampf (Betriebszeitung)
Wie erklärt man einem Publikum des Jahres 2017, was uns 1970 bewogen hatte, nach Rüsselsheim zu Opel zu gehen, um dort einen revolutionären Kampf zu entfachen? Ehrlich gesagt, wir konnten es uns damals auch nicht so genau erklären. Wir waren erst 40, dann 100 und später erheblich mehr junge Leute, die in Frankfurt am Main […]
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 05:45:44 „Ich weiß noch, wir haben eine Betriebszeitung mal gemacht, wir Revolutionärer Kant, wo Thomas Schmidt und Joschka Fischer, wo wir den, wie hieß der Weg, ich weiß nicht mehr, wie der Pfad hieß, von Nord, ja, und da haben wir irgendwie, weiß ich nicht, was wir erzählt haben, wie toll die Gesellschaft, die Zusammenhänge.“
Im Kontext seiner Reflexion über die linken Illusionen zum Vietnam-Krieg erinnert sich Cohn-Bendit an eine Betriebszeitung namens 'Revolutionärer Kampf', die er zusammen mit Joschka Fischer und Thomas Schmidt herausgab. Darin verherrlichten sie den Ho-Chi-Minh-Pfad und die erhoffte neue Gesellschaft in Vietnam – eine Projektion, die er heute als typischen Fehler der Linken einordnet.
Interview mit Daniel Cohn-Bendit in der ZEIT (2012)
Der Artikel dokumentiert Cohn-Bendits Kritik am Deutschen Sportbund und der Affäre um Drygalla. Dabei zitiert die ZEIT ein 2012er Interview Cohn-Bendits, in dem dieser eine 30-Prozent-Wählerschaft für Le Pen in Deutschland noch für undenkbar hielt. Der Text zeigt, wie sich die politische Lage in Deutschland seitdem verändert hat.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 05:55:35 „Sie haben ja gesagt, es war 2012 in der Zeit. Zitat, ich habe es nur stenografiert, in manchen Städten hat Le Pen 30 Prozent. Ja, das ist ja in Deutschland nicht denkbar, zum Glück. Zitat Ende, also aus dem Kopf zitiert. Das war 2012, zehn Jahre später, elf Jahre später, zwölf Jahre später ist es denkbar.“
Wegner zitiert aus einem ZEIT-Interview oder -Artikel von 2012, in dem Cohn-Bendit vor Le Pens 30 Prozent in Frankreich warnte und damals noch meinte, so etwas sei in Deutschland undenkbar. Wegner nutzt das Zitat, um zu zeigen, wie sich die politische Lage seither verändert hat – was damals undenkbar schien, ist inzwischen Realität.
Rumpelstilzchen
Brüder Grimm
Klassisches Märchen der Brüder Grimm von einem Mädchen, das Stroh zu Gold spinnen muss. Ein rätselhafter Zwerg hilft ihr gegen die Zusage ihres ersten Kindes. Am Ende rettet sich das Mädchen durch das Erraten des Zwergs-Namens Rumpelstilzchen.
🗣 Daniel Cohn-Bendit erwähnt beiläufig bei ⏱ 06:19:52 „Und Theater gespielt, Rumpelstilzchen gespielt im Theater. Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiße.“
Cohn-Bendit erzählt von seiner Kindheit an der Odenwaldschule und seinen vielfältigen Aktivitäten dort. Er spielte die Titelrolle in einer Theateraufführung von Rumpelstilzchen, was er als Teil seiner insgesamt glücklichen Sozialisation beschreibt.
Asterix
René Goscinny, Albert Uderzo
El primer álbum de la serie de comics más popular del mundo. Las aventuras del galo han vendido hasta el momento 350 millones de ejemplares. Con este título nace Astérix, el mítico héroe galo creado por los famosos Goscinny y Uderzo. Para lograr hacerse con el secreto de la poción mágica que les da a los habitantes de la irreductible aldea una fuerza sobrehumana, los romanos secuestran a Panorámix, el druida. Astérix, acompañado por su fiel amigo Obélix, tendrá que rescatarlo. -...
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 06:22:40 „Also ob ich Asterix oder Obelix bin, weiß ich nicht. Aber ich bin in so einem Topf gefallen.“
Auf die Frage, wie es sich anfühlt, bereits einen Platz in der Geschichte zu haben, greift Cohn-Bendit zur Asterix-Metapher. Er vergleicht sich mit Obelix, der als Kind in den Zaubertrank gefallen ist – so wie er selbst in die 68er-Bewegung hineingeraten sei, ohne es geplant zu haben.
Artikel im Spiegel (1994)
Daniel Cohn-Bendit
Daniel Cohn-Bendit, 44, grüner alternativer Dezernent für »multikulturelle Angelegenheiten« im Frankfurter Magistrat und ehemaliger Anführer der französischen Studentenrevolte im Mai 1968, kann sich nach mehr als 20 Jahren Abwesenheit eine Rückkehr in…
🗣 Daniel Cohn-Bendit erwähnt beiläufig bei ⏱ 06:42:08 „Es gibt doch, gerade hat mir jemand einen Artikel aus 1994 aus dem Spiegel von mir gelesen, wo ich sage, was ist überhaupt links, was ist rechts? Also ja, das ist schwierig.“
Cohn-Bendit erwähnt einen eigenen Spiegel-Artikel von 1994, in dem er bereits die Frage stellte, was links und was rechts eigentlich bedeutet. Er nutzt die Referenz, um zu zeigen, dass ihn diese Definitionsfrage schon seit Jahrzehnten beschäftigt.
Die Kommunisten und der Frieden
Jean-Paul Sartre · 2023
Prominente Persönlichkeiten prägen ihre Zeit, ihr Wirken bleibt in Erinnerung, mit ihren Werken sind sie gegenwärtig. Weniger bekannt sind die Lebensumstände und Krankheiten, die das Schaffen behinderten oder auch beflügelten. Dies war Anlass für das vorliegende interdisziplinäre Buch. Ausgewiesene Literaturwissenschaftler geben einen Überblick über Leben und Werk berühmter Schriftsteller des 19. und 20. Jahrhunderts.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 06:43:20 „Und deswegen ist es sehr schwierig, wer links ist. Wenn Sartre in seinem Buch »Die Kommunisten und der Frieden« in der Mitte der 50er-Jahre schreibt, das ist rechts, das ist stalinistisch. Das ist furchtbar, das ist grauenhaft.“
In einer Diskussion darüber, was 'links' eigentlich bedeutet, zitiert Cohn-Bendit Sartres Buch als Beispiel dafür, dass auch vermeintlich linke Positionen totalitär und stalinistisch sein können. Sartre selbst habe in diesem Werk Positionen vertreten, die Cohn-Bendit als rechts und grauenhaft einordnet.
Offener Brief in Le Monde
André Glucksmann
Der Artikel dokumentiert die politische Aktion des Philosophen André Glucksmann, der öffentlich gegen das französische Einreiseverbot für seinen Freund Daniel Cohn-Bendit protestierte. Durch einen offenen Brief in Le Monde weigerte sich Glucksmann, einer Einladung des französischen Präsidenten Giscard d'Estaing nachzukommen, und forderte die Aufhebung des Einreiseverbots. Zusammen mit dem Intellektuellen Bernard-Henri Lévy und den sogenannten Neuen Philosophen setzte Glucksmann schließlich die Rückgängigmachung des Verbots durch.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 06:51:01 „Glücksmann schreibt dann ein offenen Brief in Le Monde sagt, solange mein Freund Danny nicht nach Frankreich zurückgeht, komme ich nicht zu Ihnen. Ich würde gerne mit Ihnen diskutieren, aber solange Sie das nicht aufheben, komme ich nicht.“
Cohn-Bendit erzählt, wie der Philosoph André Glucksmann einen offenen Brief in Le Monde veröffentlichte, in dem er sich weigerte, einer Einladung von Präsident Giscard d'Estaing zu folgen, solange Cohn-Bendits Einreiseverbot nach Frankreich nicht aufgehoben würde. Zusammen mit Bernard-Henri Lévy setzten die 'Neuen Philosophen' schließlich die Aufhebung durch.
Baal
Bertolt Brecht
Baal ist ein frühes Theaterstück von Bertolt Brecht, das am Berliner Ensemble aufgeführt wurde. Regisseur Volker Schlöndorff verfilmte das Drama, wobei die Witwe von Brecht, Helene Weigel, die künstlerische Kontrolle über die Besetzung und Umsetzung behielt. Das Stück zeigt Brechts experimentelle dramatische Sprache und bleibt ein Klassiker des politischen Theaters.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 06:53:07 „für ein Brechstück Frau Weigel autorisieren muss, welche Schauspieler“
Das Theaterstück von Bertolt Brecht, das Schlöndorff verfilmte und für das Helene Weigel die Schauspielerbesetzung genehmigen musste
Baal
Volker Schlöndorff · 1970
1969: Baal Lyriker und Anarchist, hat ein ambivalentes Verhältnis zur bürgerlichen Gesellschaft. Mal versucht sie, ihn zu vereinnahmen, dann stößt sie ihn wieder weg. Der Dichter führt ein unstetiges Leben: Wenn er nicht in seiner Dachkammer ist, streunt er umher. Sein Weg führt in durch Wälder und auf Autobahnen – und immer wieder zur Flasche. Er schläft mit vielen Menschen beider Geschlechter und schwängert eine junge Schauspielerin, doch bei ihr bleiben kann er nicht.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 06:53:37 „Die wirklich verrückteste Sache, die ich gefunden habe, die mir nicht gewärtig war, dass sie mal 1969 in einem Film von Schlöndorf eigentlich die Hauptrolle spielen sollten, im Bal. Und das hat dann aber ein anderer Typ übernommen. Ich glaube, der hieß Fassbinder oder so.“
Wegner spricht Cohn-Bendits vielfältige Medienpräsenz an und erwähnt, dass dieser 1969 die Hauptrolle in Schlöndorfs Brecht-Verfilmung 'Baal' hätte spielen sollen. Helene Weigel, Brechts Witwe, lehnte Cohn-Bendit als 'Antikommunisten' ab, woraufhin Rainer Werner Fassbinder die Rolle übernahm.
Unter den Stollen liegt der Strand
Daniel Cohn-Bendit · 2022
In den Himmel gehoben und tief gefallen: Aufstieg und Absturz der Fußballlegenden von Beckenbauer und Maradona bis Özil Sie sind Legenden des Weltfußballs: Franz Beckenbauer, George Best, Diego Maradona, Mesut Özil, Michel Platini und Sócrates. Aber diese Kicker waren auch Künstler, manche Lebenskünstler. Sie verkörperten, jeder auf seine spezielle Weise, die Schönheit des Spiels.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 06:55:25 „Übrigens, es gibt eine Autobiografie, unter den Stollen liegt der Strand, eine Abwandlung vom Pflasterstrand-Slogan, wo man das alles sehr detailliert macht.“
Wegner verweist auf Cohn-Bendits Autobiografie, in der unter anderem die Fußball-Anekdote mit Beckenbauer ausführlich erzählt wird. Der Titel ist eine Anspielung auf den 68er-Slogan 'Unter dem Pflaster liegt der Strand'.
Literaturclub
Schweizer Fernsehsendung für Literaturliebhaber, in der regelmäßig Bücher und Autoren diskutiert werden. Ein intellektuelles Kulturformat mit hohem Anspruch, das sich als führendes Diskussionsforum für zeitgenössische Literatur etabliert hat.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 06:59:00 „Sie haben auch mal, ich nenne das jetzt mal für hiesige, das Schweizerische Literarische Quartett, den Literaturklub moderiert. Das ist auch als führender Literaturexperte.“
Wegner spricht Cohn-Bendits neunjährige Moderation des Schweizer 'Literaturclub' im Fernsehen an, den er als schweizerisches Pendant zum Literarischen Quartett einordnet. Cohn-Bendit übernahm die Sendung nach Elke Heidenreich und wurde anfangs von der NZZ kritisch beäugt, gewann aber über die Jahre großen Zuspruch.
Geh, wohin dein Herz dich trägt
Susanna Tamaro · 2005
"Geh, wohin dein Herz dich trägt" ist ein italienischer Bestseller-Roman von Susanna Tamaro, in dem eine Großmutter ihrer Enkelin durch Briefe Lebensweisheiten und persönliche Geschichten vermittelt. Der Roman behandelt zentrale Themen wie Liebe, Familie, Verlust und die Suche nach Lebenssinn. Er wurde von Literaturkritikern häufig als trivial kritisiert, erfreut sich aber großer Popularität und wird in Diskussionen um das Verhältnis zwischen Hochliteratur und Unterhaltung immer wieder verteidigt.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 07:01:28 „einmal habe ich von der Geh, wo dein Herz dich, dieses italienische Buch, also so ein Roman, Geh, wo dein Herz dich trägt oder sowas“
Cohn-Bendit stellte den Bestseller-Roman im Literaturclub vor und verteidigte ihn gegen die Literaturkritiker, die ihn als trivial abtaten
Va' dove ti porta il cuore (Geh, wohin dein Herz dich trägt)
Susanna Tamaro · 2008
F. Cambi - W. Emmerich: Generationen-Archive-Szenen-Diskurse. Wege zum Verständnis der deutschen Gegenwartsliteratur - G. E. Rusconi: Die deutsche Wiedervereinigung in der historisch-politischen Perspektive der Gegenwart - D. Nelva: Erinnerung und Identität. Die deutsche Autobiographie nach der Wende - H. Krauss: Das Vergangene erzählen. Literarische Erinnerungsdiskurse nach der Wende - E. Banchelli: Literatur der Ostalgie: eine vorläufige Bilanz - A.
🗣 Daniel Cohn-Bendit empfiehlt aktiv bei ⏱ 07:02:09 „Und einmal habe ich von der Gevo dein Herz dieses italienische Buch gelesen. Also so ein Roman, Geh, wo dein Herz dich trägt oder sowas. Und ich habe das Buch vorgestellt und da Peter Hamm und alles. So was kann man nicht. Und ich habe es verteidigt.“
Cohn-Bendit erzählt, wie er im Literaturclub bewusst Bücher vorstellte, die die professionellen Kritiker provozierten. Er verteidigte den italienischen Bestseller gegen die Ablehnung der Literaturkritiker und argumentierte, man müsse verstehen, warum Tausende Frauen dieses Buch lesen und was sie daran ergreift.
Die Wohlgesinnten
Jonathan Littell · 2010
Artikel behandelt den Konflikt um Jonathan Littells Roman „Die Wohlgesinnten", einen kontroversen 900-Seiten-Epos über den Nationalsozialismus, geschrieben von einem französischen Autor. Iris Radisch hat das Werk in ihrem Verriss kritisiert, während Cohn-Bendit dies als kulturelle Abwehr deutet und hinterfragt, ob die Kritik unbewusst von Vorurteilen gegenüber nicht-deutschsprachigen Perspektiven auf den Holocaust geprägt ist. Der Artikel dokumentiert diese literarische und politische Debatte über Autorität und nationale Deutungshoheit beim Thema Nationalsozialismus.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 07:04:39 „die hat den Littel, die wohlmeinigen, die wohlgesinnten, Jonathan Littel, ein bisschen verrissen“
Cohn-Bendit kritisiert Iris Radischs Verriss des Romans und vermutet, sie habe nicht akzeptiert, dass ein Franzose über den Nationalsozialismus schreibt
Camus: Das Ideal der Einfachheit
Iris Radisch · 2013
Tiefgründige Biografie, die das Ideal der Einfachheit als Kernphilosophie untersucht. Das Werk verbindet Lebensgeschichte mit literarischer Analyse und bietet neue Perspektiven auf zentrale Werke wie »Der Fremde«.
🗣 Daniel Cohn-Bendit erwähnt beiläufig bei ⏱ 07:05:26 „Die Frau Radisch, die ich unheimlich schätze, die hat ein tolles Kamu-Buch geschrieben, hat aber den Littel, die wohlmeinigen, die wohlgesinnten, Jonathan Littel, ein bisschen verrissen.“
Cohn-Bendit erwähnt lobend ein Buch von Iris Radisch über Albert Camus, bevor er ihre Kritik an Jonathan Littells Roman kritisiert. Das genaue Buch wird nicht beim Titel genannt, es handelt sich vermutlich um 'Camus – Das Ideal der Einfachheit'.
Die Wohlgesinnten (Les Bienveillantes)
Jonathan Littell · 2010
Jonathan Littells Roman „Die Wohlgesinnten" erzählt aus der Perspektive eines fiktiven SS-Offiziers und untersucht die inneren Strukturen und Widersprüche der Wehrmacht während des Nationalsozialismus. Das Buch wurde kontrovers diskutiert, unter anderem weil Littell als französischer Autor über die deutsche Geschichte schreibt. Der Roman gilt als bedeutendes literarisches Werk, das die Komplexität dieser historischen Epoche tiefgreifender zu erfassen vermag als dokumentarische Darstellungen.
🗣 Daniel Cohn-Bendit empfiehlt aktiv bei ⏱ 07:05:48 „Die hat ein tolles Kamu-Buch geschrieben, hat aber den Littel, die wohlmeinigen, die wohlgesinnten, Jonathan Littel, ein bisschen verrissen. Und ich habe den Eindruck, sie hat das verrissen, wo sie gemeint hat, es kann doch nicht sein, dass ein Franzose uns Deutschen erzählt, was der Nationalsozialismus war.“
Cohn-Bendit kritisiert Iris Radischs Verriss von Littells Roman und vermutet, sie habe das Buch abgelehnt, weil ein Franzose über den Nationalsozialismus schrieb. Er verteidigt das Werk leidenschaftlich: Es zeige die Komplexität der Wehrmacht-Strukturen und erfülle damit genau den Sinn von Literatur – Realität besser verständlich zu machen als ein Dokumentarfilm.
Wir sind da! (Film über jüdische Identität)
Daniel Cohn-Bendit · 2026
Daniel Cohn-Bendits Dokumentarfilm untersucht die Frage, was es bedeutet, Jude zu sein. Der Film präsentiert Gespräche mit Zeitzeugen wie dem ehemaligen Schin-Bet-Chef Ami Ayalon und verbindet historische Perspektiven mit persönlichen Reflexionen. Dabei zeigt Cohn-Bendit auch seine eigene Familie, um die Vielfältigkeit jüdischer Identität in der Gegenwart zu illustrieren.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 07:08:46 „Naja, das ist ja die Quintessenz dessen, was auch nach meinem Film ist. Ist egal, ob ich Jude sein will oder nicht. Wie gesagt, ich bin kein Jude, ich bin nicht beschnitten, ich bin nicht mit einer Jüdin verheiratet.“
Cohn-Bendit verweist wiederholt auf seinen eigenen Film über jüdische Identität, in dem er unter anderem den ehemaligen Schin-Bet-Chef Ami Ayalon interviewt. Der Film behandelt die Frage, was es bedeutet, Jude zu sein, und zeigt am Ende seinen schwangeren Sohn und dessen Partnerin.
Odessa (Biografie eines Romans)
Maxim Biller · 2016
Maxim Biller hat den jüdischsten, amerikanischsten, komischsten Roman der deutschen Gegenwart geschrieben Dies ist die verrückte Geschichte von Soli und Noah, beste Freunde und fast Brüder seit ihrer Bar-Mizwa in der Hamburger Synagoge im Jahr 1976, verbunden durch ihre Herkunft, ihren Humor und ihre bizarren sexuellen Fantasien – und gemeinsam verstrickt in eine groteske Erpressungs- und Entführungsstory globalen Ausmaßes.
🗣 Daniel Cohn-Bendit erwähnt beiläufig bei ⏱ 07:14:55 „Ich liebe Maxim Biller und ich habe sein Buch mal vorgestellt, ich mag und Odessa, sein Buch, alles liebe ich. Aber was ihn da geritten hat, sich da einzumischen, das verstehe ich nicht.“
Cohn-Bendit bekundet seine Bewunderung für Maxim Billers literarisches Werk, insbesondere für dessen Buch, das er im Literaturclub vorgestellt hat. Gleichzeitig kritisiert er Billers Einmischung in die Debatte mit Max Czollek darüber, wer sich als Jude bezeichnen darf.
Daniel Cohn-Bendits Dokumentarfilm
Daniel Cohn-Bendit
Dokumentarfilm oder Porträt des deutschen Politikers und Filmemachers Daniel Cohn-Bendit. Die Produktion zeigt seinen satirischen Umgang mit weltpolitischen Akteuren wie Trump, Putin und Netanyahu, wie ein in dem Film enthaltener politischer Witz verdeutlicht. Cohn-Bendits Werk verbindet Dokumentation mit humorvoller Gesellschaftskritik und ermöglicht einen unterhaltsamen Zugang zu aktuellen politischen Debatten.
🗣 Daniel Cohn-Bendit referenziert bei ⏱ 07:18:21 „Aber ich habe einen Witz, der in meinem Film ist und nicht von meiner Mutter. Eines Tages ruft Gott, Trump, Netanyahu und Putin zu sich.“
Cohn-Bendit erzählt einen politischen Witz über Trump, Putin und Netanyahu, den er einem eigenen Film zuordnet. Der genaue Titel des Films wird nicht genannt, es handelt sich vermutlich um eine seiner Dokumentationen.
La Joconde (Mona Lisa)
Leonardo da Vinci
Ikonisches Porträt-Gemälde von Leonardo da Vinci (1503-1519), das die Florentinerin Lisa Gherardini zeigt. Bekannt für das enigmatische Lächeln und die innovative sfumato-Technik. Ein Meisterwerk der Renaissance-Malerei und eines der einflussreichsten Kunstwerke der Weltgeschichte.
🗣 Daniel Cohn-Bendit erwähnt beiläufig bei ⏱ 07:22:39 „Und ich finde diese Angriffen in Museen, die zerstören nicht die Bilder, sondern die Joconde, was soll's, warum so?“
Cohn-Bendit spricht über die Protestaktionen der Letzten Generation und Klimaaktivisten, die Kunstwerke in Museen attackieren. Er erwähnt die Mona Lisa als Beispiel für ein attackiertes Werk und stellt die Sinnhaftigkeit solcher Aktionen in Frage.