Thea Dorn, warum werden Sie durch die Pandemie religiös
Christoph Amend, Jochen Wegner & Gäste
Thea Dorn plädiert dafür, angesichts der nächsten Corona-Wellen ernsthaft über eine Impfpflicht nachzudenken, und warnt davor, die Impfung als Allheilmittel zu verklären. Zwischen Überlegungen zu Religionsersatz in der Musik, Talkshow-Erfahrungen und Feng-Shui-Diskussionen über offene Türen zeigt sich die Schriftstellerin als streitbare Gesprächspartnerin, die auch mal astreine Kriegsführung im Fernsehstudio diagnostiziert.
„Ich habe manchmal den Eindruck, wenn man in so eine Talkshow geht, sollten die einem am Anfang die Miranda Rights lesen.“
Erwähnte Medien (86)
Das Literarische Quartett
Marcel Reich-Ranicki
Das Literarische Quartett ist eine deutsche Talkshow, in der Moderatoren und Gäste über aktuelle Bücher diskutieren und literarische Themen debattieren. Die Sendung wird von Thea Dorn moderiert und gilt als renommiertes Forum für kulturelle Debatten. Im Podcast wird die Show humorvoll als Beispiel für die Integration unerwarteter Personen in die Literaturszene erwähnt, was den absurden Gedanken eines Auftritts von Arafat Abou-Chaker dort verdeutlicht.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:00:00 „seit März 2020 Gastgeberin des Literarischen Quartetts“
Vorstellung von Thea Dorn als Gastgeberin der ZDF-Literatursendung
Star Wars
George Lucas · 1977
Seit der Vernichtung der Jedi-Ritter steht die Galaxie unter der grausamen Herrschaft des Imperiums. Nur eine kleine Gruppe von Rebellen, angeführt von der schönen Prinzessin Leia, widersetzt sich der dunklen Macht. Als es ihnen gelingt, die geheimen Baupläne für den gefährlichen Todesstern zu entwenden, gerät das Imperium in Aufruhr. Durch Zufall gelangen die Pläne ausgerechnet in die Hände des Farmerjungen Luke Skywalker, der spürt, dass er sein bisheriges Leben hinter sich lassen muss. Gemein
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 00:05:17 „Also eine rundrum Star Wars. Stapeltassen kann man auf Amazon zum Beispiel kaufen“
Thea Dorn erwähnt Star-Wars-Tassen, ihr Bruder war Fan der Filmreihe
Interview mit Alexander Kekulé
Der Virologe Alexander Kekulé warnt vor vermehrt nachgewiesenen Polio-Viren im Abwasser Deutschlands und kritisiert die weit verbreitete Hoffnung, dass die Pandemie für Geimpfte überwunden sei. Kekulé weist auf Risiken durch unvorsichtiges Verhalten auch geimpfter Menschen hin und sieht in der politischen Kommunikation zu diesem Thema grundlegende Fehler.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 00:16:31 „Also ich habe heute ein langes Interview mit Kekulé zum Beispiel gelesen, das hat mich wahnsinnig deprimiert. Weil das ist einfach ziemlich deprimierend, dass der sagt, im Grunde war diese Riesenhoffnung, die ja auch einige Politiker lautstark vertreten haben, die Pandemie ist für die Geimpften vorbei. Das scheint einfach nicht zu stimmen.“
Im Kontext der Corona-Debatte berichtet Thea Dorn von einem aktuellen Interview mit dem Virologen Alexander Kekulé, das sie deprimiert habe. Kekulé sage darin, dass auch unvorsichtige Geimpfte ein Problem seien und die Pandemie für Geimpfte keineswegs vorbei sei.
Die Känguru-Chroniken
Marc-Uwe Kling · 2010
Der SPIEGEL-Bestseller: Mal bissig, mal absurd, dann wieder liebevoll und ironisch! »Eines der zugleich tiefsinnigsten und lustigsten Bücher seit langem!« Süddeutsche Zeitung »Wer schon einmal mit einem Känguru zusammengelebt hat, wird begeistert sein. Alle anderen werden staunen. Sehr, sehr lustig!« Horst Evers Der wahnwitzige Alltag und die revolutionären Eskapaden eines ungewöhnlichen Duos! »Ich bin ein Känguru - und Marc-Uwe ist mein Mitbewohner und Chronist.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:18:52 „Also was für ein Erbe, wie toll ist das denn? Aktueller Roman, auch die Publikationsliste, ich kann die jetzt nicht wiedergeben. [...] alle, die jetzt nur das Känguru und Grönemeyer kennen und hier so rein stolpern, mögen wissen, dass Thea, also erstens mal, die Frau hat einen Lebenslauf.“
Jochen Wegner leitet die ausführliche Vorstellung von Thea Dorn ein und erwähnt beiläufig das Känguru als populärkulturelle Referenz, die viele Hörer kennen dürften – im Kontrast zu Thea Dorns eher bildungsbürgerlichem Profil.
Parsifal
Richard Wagner
Parsifal ist Richard Wagners letztes Musikdrama und behandelt die Geschichte eines Ritters auf seiner spirituellen Queste nach dem Heiligen Gral. Das Werk thematisiert Mitgefühl, Erlösung und Läuterung und gilt als eines der tiefsten künstlerischen Vermächtnisse des Komponisten. Wagners komplexe harmonische Sprache macht Parsifal zu einem Meilenstein der Operngeschichte.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:19:05 „Ich habe gestern Abend und vorgestern Abend in der letzten Vorbereitung viel Parsifal und Ring- und Winterreise gehört.“
Jochen Wegner hat zur Vorbereitung auf das Gespräch mit Thea Dorn Wagner-Opern gehört
Der Ring des Nibelungen
Richard Wagner
Richard Wagners »Der Ring des Nibelungen« ist ein vierteiliges Opernwerk auf Grundlage germanischer Mythologie. Der Britannica-Artikel bietet einen Überblick über Charaktere und kulturelle Bedeutung des Werks. Wagners Oper verkörpert für Meese zeitlose künstlerische Freiheit, wird aber häufig ideologisch missbraucht – der Artikel zeigt die Komplexität dieses bedeutenden Kunstwerks und seiner Rezeptionsgeschichte.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:19:19 „Ich habe gestern Abend und vorgestern Abend in der letzten Vorbereitung viel Parsifal und Ring- und Winterreise gehört.“
Als Teil seiner Vorbereitung auf das Gespräch mit Thea Dorn hat Jochen Wegner Wagners Ring-Zyklus gehört. Thea Dorns Leidenschaft für Wagner ist offenbar so bekannt, dass die Gastgeber sich musikalisch auf das Gespräch einstimmen.
Winterreise
Franz Schubert
Winterreise op. 89, D 911 ist ein Liederzyklus, bestehend aus 24 Liedern für Singstimme und Klavier, den Franz Schubert im Herbst 1827, ein Jahr vor seinem Tod, komponierte. Der vollständige Titel des Zyklus lautet: Winterreise. Ein Cyclus von Liedern von Wilhelm Müller. Für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte komponiert von Franz Schubert. Op. 89. Erste Abtheilung (Lied I–XII). Februar 1827. Zweite Abtheilung (Lied XIII–XXIV). October 1827.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:19:19 „Ich habe gestern Abend und vorgestern Abend in der letzten Vorbereitung viel Parsifal und Ring- und Winterreise gehört.“
Neben Wagners Opern hat Jochen Wegner auch Schuberts Winterreise als Vorbereitung auf das Gespräch gehört. Der Liederzyklus wird zusammen mit den Wagner-Werken als Teil von Thea Dorns musikalischer Welt genannt.
Trostbriefe an Max
Thea Dorn · 2021
Das Buch der Stunde für alle Untröstlichen »Wie geht es Dir?« Als Johanna von Max, ihrem alten philosophischen Lehrer, eine Postkarte mit dieser scheinbar harmlosen Frage erhält, bricht es aus ihr hervor: die Trauer über den Tod ihrer Mutter, die Wut, dass man ihr im Krankenhaus verwehrt hat, die Sterbende zu begleiten. Provoziert durch weitere Postkarten, beginnt Johanna, sich den Dämonen hinter ihrer Verzweiflung zu stellen.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:21:04 „Aktueller Roman, auch die Publikationsliste, ich kann die jetzt nicht wiedergeben. Trostbriefe an Max, darüber reden wir vielleicht später noch.“
Jochen Wegner stellt Thea Dorns aktuellen Roman vor und kündigt an, später im Gespräch darauf zurückzukommen. Das Buch wird als Teil ihrer beeindruckenden Publikationsliste erwähnt.
Pippi Langstrumpf
Astrid Lindgren
Als Pippi Langstrumpf in die Villa Kunterbunt einzieht, staunen Tommy und Annika nicht schlecht. Denn Pippi hat nicht nur einen Koffer voller Goldstücke, ein Pferd und einen Affen – sie ist auch das stärkste Mädchen der Welt. Astrid Lindgrens Klassiker über Freiheit, Fantasie und Freundschaft.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 00:28:33 „Logischerweise hatte ich auch meine Pipi-Langstrumpf-Phase. Und wenn ich jahrelang Pipi-Langstrumpf bin, dann war er, ich weiß auch nicht, ich glaube, er war sogar Annika.“
Thea Dorn erzählt von ihrer Kindheit und den Rollenspielen mit ihrem Vater. Sie hatte eine ausgeprägte Pippi-Langstrumpf-Phase, in der sie die Figur verkörperte und ihr Vater mitspielen musste – vermutlich als Annika.
Dialektik der Aufklärung
Theodor W. Adorno, Max Horkheimer · 2010
Die von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno gemeinsam verfasste »Dialektik der Aufklärung« ist der wichtigste Text der Kritischen Theorie und zugleich eines der klassischen Werke der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Philosophische Kritik, Auseinandersetzung mit dem Faschismus und die Resultate langjähriger empirischer Untersuchungen in den USA verschmelzen hier zu einer Theorie der modernen Massenkultur.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 00:30:50 „Nee, das war nur Dialektik der Aufklärung. Die negative Dialektik habe ich erst später gelesen.“
Jochen Wegner konfrontiert Thea Dorn mit einer Behauptung aus der ZEIT, sie habe als 18-Jährige die 'Negative Dialektik' auf der Terrasse gelesen. Dorn korrigiert: Es war die 'Dialektik der Aufklärung', das deutlich zugänglichere Werk – die 'Negative Dialektik' sei viel komplizierter und kam erst später.
Die kleine Raupe Nimmersatt
Eric Carle · 2014
Die kleine Raupe Nimmersatt ist ein Kinderbuch-Klassiker von Eric Carle, das die Metamorphose einer Raupe zur Schmetterling erzählt. Mit seinen farbenfrohen Illustrationen und einfachen Texten hat es Generationen von Kindern beim Lernen begleitet und gilt als eines der wichtigsten Bücher der frühen Kindheit. Das Werk fördert Sprachentwicklung und Verständnis für natürliche Prozesse und bleibt bis heute ein internationaler Bestseller.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 00:33:12 „Also ganz, ganz wichtiges Buch. Das ist ja immer noch, glaube ich, ein mega seller Kleine Raupe Nimmersatt.“
Thea Dorn erzählt von den Büchern ihrer Kindheit, mit denen ihre Mutter sie früh gefördert hat. Die kleine Raupe Nimmersatt nennt sie als eines der ersten wichtigen Bücher, das sie als Kind bekommen hat.
Ein Krokodil verlässt den Nil
Ein Kinderbuch über ein kleines Krokodil, das bei seiner Oma und seinem Opa lebt und sich dort nicht mehr zuhause fühlt. Deshalb macht sich das Krokodil auf eine Abenteuerreise. Das Buch war Thea Dorns absolutes Lieblingsbuch in der Kindheit – sie konnte die Geschichte auswendig und trug sie Gästen vor, obwohl sie noch gar nicht lesen konnte.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 00:33:21 „Aber mein erster totaler Liebling war Ein Krokodil verlässt den Nil. Eine wunderschöne Geschichte von einem kleinen Krokodil, das wohnt bei Oma und Opa und findet es zu Hause irgendwann nicht mehr erträglich und dann geht es auf Abenteuerreise. Das war eine ganz tolle Geschichte, die konnte ich auswendig.“
Thea Dorn beschreibt ihr absolutes Lieblingsbuch als Kleinkind. Sie konnte die Geschichte auswendig und hat sie Gästen 'vorgelesen', obwohl sie noch gar nicht lesen konnte – was sie als prägende Kindheitserinnerung schildert.
Berliner Aufklärung
Thea Dorn
Alles beginnt mit einem Mord am philosophischen Institut der Universität Berlin: Der allseits unbeliebte Professor Rudolf Schreiner liegt sauber portioniert in den Postfächern seiner Kollegen. Als Rebecca Lux, die scharfzüngige Direktorin des Instituts, unter Mordverdacht gerät, ruft sie ihre ehemalige Studentin Anja Abakowitz zu Hilfe. Doch die will mit der Angelegenheit nichts zu tun haben. Erst als weiteres Denkerblut fließt, sieht sie sich gezwungen einzugreifen...
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:44:50 „Biografisch extrem wichtig ist, ich hatte es nicht auf dem Schirm, dass Sie mit Krimis angefangen haben. Und das erste Buch, was Sie veröffentlicht haben, 1994, war Berliner Aufklärung, war ein Krimi, der natürlich an einem philosophischen Institut in Berlin spielt.“
Jochen Wegner spricht Thea Dorns Debütroman an, einen Krimi, der an einem philosophischen Institut in Berlin spielt. Dies führt zu einem ausführlichen Gespräch darüber, warum Dorn ausgerechnet mit dem Krimi-Genre begann – als bewusste Abkehr von ihren großen literarischen Vorbildern und als Ventil für Aggressionen.
Donna Summer (Debütalbum/Single)
Donna Summer
Anekdote über die Namensgeschichte der Sängerin Donna Summer, die als amerikanische Musikerin in den 1970er Jahren nach München kam, um im Hair-Musical aufzutreten. Der Text erklärt, wie sie zu ihrem Künstlernamen kam und illustriert die internationalen Karrierewege von Musikern dieser Ära. Ein persönlicher Einblick in die Prägung von Künstleridentitäten und kulturelle Austauschprozesse im Unterhaltungsgeschäft.
🗣 Christoph Amend erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:01:14 „Donna Summer hieß mit Nachnamen anders und kam, also amerikanische Musikerin, in den 70er Jahren nach München, weil sie für das Hair Musical verpflichtet wurde“
Christoph Amend erzählt die Namensgeschichte von Donna Summer als Anekdote über Künstlernamen
Hair
Der Artikel behandelt die Karriere von Ross Anthony als Musicaldarsteller und dessen Auftritt im Musical Hair an der Bremer Bühne im Jahr 2001. Die Premiere des Stücks war von den Auswirkungen des 11. September betroffen und musste mehrfach verschoben werden. Das Stück illustriert die Verflechtung zwischen internationaler Musicalkultur und der deutschen Popkultur-Landschaft jener Zeit.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:02:25 „Donna Summer hieß mit Nachnamen anders und kam, also amerikanische Musikerin, in den 70er Jahren nach München, weil sie für das Hair Musical verpflichtet wurde und verliebte sich in einen Österreicher.“
Christoph Amend erzählt als Anekdote die Entstehungsgeschichte von Donna Summers Künstlernamen. Das Musical 'Hair' wird dabei als der Grund genannt, warum die Sängerin in den 1970ern nach München kam, wo sie ihren österreichischen Ehemann kennenlernte und über Umwege zum Namen 'Summer' kam.
Die Hirnkönigin
Thea Dorn
Die Hirnkönigin ist ein Kriminalroman von Thea Dorn, der sich durch extreme Brutalität auszeichnet. Das Werk stammt aus ihrer Zeit als Krimi-Autorin, bevor sie sich dem essayistischen Schreiben zuwandte. Trotz des verstörendem Inhalts wird das Buch als gelungenes Beispiel von Dorns literarischem Talent anerkannt.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:03:22 „Lobend erwähnen wollte ich noch ein völlig blutrünstiges Buch der alten Theodor-Krimi-Autorin Die Hirnkönigin. Das ist wirklich schwer zu lesen, weil so schon ganz schön brutal.“
Jochen Wegner spricht Thea Dorns frühere Krimi-Karriere an und hebt ihren Roman 'Die Hirnkönigin' als besonders brutales, aber lobenswertes Werk hervor. Das Buch dient als Überleitung zur Frage, warum Dorn vom Krimi-Genre zum essayistischen Schreiben gewechselt hat.
Die neue F-Klasse
Thea Dorn
Thea Dorns Essayband versammelt Interviews mit Frauen ihrer Generation, die zwischen 1960 und 1970 geboren wurden. Das Buch untersucht, wie diese Frauen ihren Feminismus verstehen und leben, und bietet damit eine generationelle Selbstverständigung jenseits klassischer feministischer Positionen. Mit Stimmen von Frauen, die etwas zu sagen haben, hat das Werk großes Aufsehen in der öffentlichen Debatte erregt.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:03:36 „Sehr viel Aufsehen erregt hat, zum Beispiel die neue F-Klasse, das war dann schon kein feministisches Buch, aber ein Buch mit Frauen, die was zu sagen haben. Wie würden Sie das heute umschreiben?“
Wegner beschreibt Dorns Wandlung von der Krimi-Autorin zur Essayistin und nennt 'Die neue F-Klasse' als Beispiel für ein Buch, das großes Aufsehen erregt hat. Dorn erklärt daraufhin, es sei ein Versuch der generationellen Selbstverständigung über Feminismus gewesen — Interviews mit Frauen ihrer Generation, die zwischen den 60ern und 70ern geboren wurden.
Die Welt von gestern. Erinnerungen eines Europäers
Stefan Zweig
Stefan Zweigs Autobiografie beschreibt sein Aufwachsen im Wien des 19. Jahrhunderts und zeichnet ein anschauliches Bild der damaligen Gesellschaftsnormen. Besonders einprägsam sind die Passagen über die Prüderie der Zeit, etwa dass Frauen das Wort "Hose" nicht aussprechen durften und stattdessen von "Beinkleidern" sprechen mussten. Das Werk zeigt auf humorvolle Weise, wie restriktiv die weibliche Lebensrealität war und gibt historischen Kontext für das später emanzipatorische Motiv der Frauenrechte.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 01:07:03 „Ich habe gerade Stefan Zweig noch mal gelesen und musste so lachen, dass er über seine Kindheit erzählt, also die 18er, 80er, 90er, wo Frauen ja quasi bei Todesstrafe so ungefähr keine Hosen tragen durften und er sich darüber lustig macht, dass die Prüderie so weit ging, dass Frauen noch nicht mal das Wort Hose aussprechen durften, sondern mussten Beinkleider sagen.“
Thea Dorn erzählt, sie habe kürzlich Stefan Zweig erneut gelesen. Die Passage über die Prüderie des 19. Jahrhunderts — Frauen durften das Wort 'Hose' nicht aussprechen — dient ihr als historische Einordnung, warum 'die Hosen anhaben' einmal ein emanzipatorischer Ausdruck war. Gemeint ist sehr wahrscheinlich 'Die Welt von Gestern', Zweigs Autobiografie über seine Kindheit im Wien der 1880er/90er.
Tatort
ARD · 1970
Unter dem Titel Tatort sind streng genommen Dutzende von Krimiserien vereint. Jede ARD-Anstalt produziert innerhalb der Tatort-Reihe 90 Minuten lange Filme mit eigenen Ermittlern, die in der Regel Mordfälle aufzuklären haben. Auch das Schweizer und das Österreichische Fernsehen schicken eigene Polizisten ins Rennen. Einige Folgen wurden vom ORF außerhalb der offiziellen Tatort-Reihe ohne die ARD produziert und in der Erstausstrahlung nur in Österreich in der Erstausstrahlung gesendet.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:08:10 „Und dann irgendwie auf mehreren Verschlüssen, Sie haben auch Tatorte geschrieben, das wusste ich nicht.“
Jochen Wegner erwähnt beiläufig, dass Thea Dorn Drehbücher für die Krimireihe Tatort geschrieben hat — zwei Folgen, wie Dorn bestätigt. Es dient als weiteres Beispiel für Dorns Vielseitigkeit zwischen Krimi-Genre und essayistischem Schreiben.
Mord im Orient Express
Agatha Christie
Mord im Orient Express (Originaltitel: Murder on the Orient Express) ist ein US-amerikanischer Kriminalfilm mit Starbesetzung von Kenneth Branagh aus dem Jahr 2017. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Agatha Christie aus dem Jahr 1934 und ist die fünfte Verfilmung des Stoffes. Gleichnamige Filme auf Grundlage von Christies Roman erschienen 1974, 2001 und 2010.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:10:15 „Mord im Orient Express, das waren alle. Herrlich. Spoiler-Alarm. Aber es ist okay, weil es war im Orient Express. Ist jetzt nicht so eine Neuerscheinung.“
Im Gespräch über Krimi-Regeln und das Whodunit-Genre nennt Christoph Amend 'Mord im Orient-Express' als Beispiel für eine geniale Auflösung — nämlich dass alle Verdächtigen die Täter waren. Dorn stimmt zu, dass das eine tolle Auflösung sei.
New York Times Trump-Dokumentation
Die New York Times dokumentiert systematisch die Falschaussagen und Lügen von Präsident Trump seit seinem Amtsantritt. Der Artikel unterscheidet dabei zwischen einfachen Unwahrheiten und bewussten Lügen, bei denen nachgewiesen werden kann, dass Trump die Wahrheit kennt. Diese umfangreiche Sammlung dient als faktisches Nachschlagewerk zur Überprüfbarkeit von Trumps öffentlichen Aussagen.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:29:04 „Es gab zum Beispiel, New York Times hat ja dokumentiert, wie oft sagt er eigentlich Unsinn und wo können wir sogar nachweisen, dass er es selber besser weiß. Das wäre dann eine Lüge. Gab es eine lange Doku.“
Jochen Wegner verweist auf eine umfangreiche Dokumentation der New York Times, die systematisch Trumps Falschaussagen und nachweisbare Lügen aufgelistet hat. Er nutzt das Beispiel, um die Parallele zwischen dem Vorwurf des Aktivismus an liberale Medien in den USA und ähnlichen Vorwürfen an deutsche Medien in der Corona-Berichterstattung zu ziehen.
Zeugen des Jahrhunderts
· 1979
Zeugen des Jahrhunderts ist eine Interview-Reihe des ZDF mit Personen der Zeitgeschichte, die von wechselnden Gesprächspartnern befragt werden.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 01:32:26 „das ist mir sehr klar geworden, als ich dieses lange, lange Interview mit ihm für Zeugen des Jahrhunderts gemacht habe fürs ZDF. Da hat er wirklich kein Bewusstsein von, dass er relativ bald ein erheblicher Einflussfaktor geworden ist.“
Thea Dorn berichtet von ihrem ausführlichen ZDF-Interview mit Walser für die Reihe 'Zeugen des Jahrhunderts'. Dabei sei ihr aufgefallen, dass Walser sich trotz seines Einflusses weiterhin als kleiner Bub vom Bodensee inszeniert.
Coronavirus-Update
Christian Drosten / NDR
Welcome to this weekly podcast series that explored the pandemic from the perspective of researchers across UCL. At UCL, our experts took a prominent role in advancing public knowledge about Covid-19. The 'Coronavirus: The Whole Story' podcast highlighted UCL's interdisciplinary expertise on Covid-19 - focusing on its management, mitigation, eventual halt, and preparing for a post-coronavirus world.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 01:47:07 „Also ich finde das zum Beispiel bei Drosten immer, das ist wirklich, da kann man das sehr genau zeigen. Wenn man dem Mann in seinem Podcast zuhört, ist das fast immer vorbildlich differenziert, abwägend unter Unsicherheitsvorbehalt gestellt.“
Thea Dorn nutzt Drostens Podcast als Beispiel für vorbildliche Wissenschaftskommunikation. Sie kontrastiert die differenzierte, abwägende Art im Podcast mit der Verkürzung und Zuspitzung, die entsteht, wenn seine Aussagen von Nachrichtenagenturen zu Schlagzeilen verdichtet werden. Der Podcast wird mehrfach als positives Gegenbeispiel zur medialen Vereinfachung herangezogen.
Spiegel-Interview mit Christian Drosten
Talkshows, Podcasts, Interviews: Der Rat von Christian Drosten war zur Coronapandemie ständig gefragt. Noch mal würde er aber nicht so in der Öffentlichkeit stehen wollen, sagt er nun: »Es ist einfach eine zu große Belastung.«
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 01:47:23 „Also gab diese legendäre Geschichte ja mit dem großen Spiegel-Interview im Sommer, wo er irgendwie sagte, wie viele Tote verhindert worden sind. Da hatte er einen großen Range von 50.000 bis 100.000 genannt. Die DPA, also die Meldung macht da nur noch 100.000 draus, also weil es die krassere Zahl ist.“
Thea Dorn nennt ein konkretes Spiegel-Interview mit Drosten als Beispiel dafür, wie Medien wissenschaftliche Aussagen verzerren. Drosten hatte darin eine Spanne von 50.000 bis 100.000 verhinderten Toten genannt, die DPA-Meldung machte daraus nur die höhere Zahl — ein Paradebeispiel für die problematische Verdichtung, die im Gespräch diskutiert wird.
Karlsson vom Dach
Astrid Lindgren · 2008
Karlsson vom Dach ist eine Kinderbuch-Romanfigur der Schwedin Astrid Lindgren. Unter der wörtlichen Übersetzung Karlsson auf dem Dach erschien 1974 eine Verfilmung des ersten Bandes der Geschichten um Karlsson. Karlsson lebt allein in einem Haus auf dem Dach. Sein kleines Haus wird gewöhnlich durch einen Schornstein verdeckt. Er hat einen auf dem Rücken befestigten Propeller, mit dessen Hilfe er fliegen kann.
🗣 Thea Dorn erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:00:47 „Also Lauterbach klingt immer irgendwie wie so, also hat zwar dieses gemütliche Kölsch drauf, aber bei dem hat man immer den Eindruck, der schwebt, der surrt so Karlsson auf dem Dach mäßig mit so einem Propeller einen Meter unter der Decke.“
Thea Dorn vergleicht Karl Lauterbachs öffentliches Auftreten mit der Kinderbuchfigur Karlsson vom Dach, um den Kontrast zu Drostens ruhigerer Art zu illustrieren. Lauterbach wirke trotz seines gemütlichen Kölsch-Dialekts immer aufgedreht und schwebend — wie Lindgrens Figur mit dem Propeller auf dem Rücken.
Hart aber fair
Louis Klamroth · 2001
„Hart aber fair“ ist eine wöchentliche politische Talkshow. Moderator Frank Plasberg diskutiert mit seinen Gästen ein aktuelles kontroverses Thema. Vor dem Wechsel ins Hauptprogramm der ARD lief die Sendung sieben Jahre lang im WDR-Fernsehen.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 02:03:53 „Also ich muss sagen, ich war relativ überrascht, um nicht zu sagen irritiert, wie zum Beispiel aus einer, dieser Auftritt von Svenja Flaschpöhler, Chefredakteurin Philosophie Magazin. Also ich fand diesen Auftritt, bei Plasberg war es in der Sendung von ihr, nicht schockierend, also ich finde, sie hat nichts gemacht, was nicht einer Philosophin zu Gesicht steht.“
Thea Dorn verteidigt den Auftritt der Philosophin Svenja Flaßpöhler bei Frank Plasbergs Sendung, der in Medien heftig kritisiert wurde. Sie sieht darin ein Beispiel für die problematische Tendenz, Diskursteilnehmern die Kompetenz abzusprechen, und nutzt den Fall als Beleg für den vergifteten öffentlichen Diskurs.
Club 2
ORF · 1976
Österreichische Live-Diskussionssendung zu aktuellen Themen aus Politik und Kultur. Gäste debattieren offen und intellektuell. Bekannt für ungeschnittenes, konfliktreiches Fernsehen ohne Tabus oder Zensur.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 02:18:26 „das legendäre war ja Club 2 ORF. Habe ich gerade neulich wieder angefangen zu gucken“
Thea Dorn empfiehlt die legendäre ORF-Talkshow Club 2 als Vorbild für offene Diskussionsformate, insbesondere eine Folge mit Dutschke und Cohn-Bendit
Morality as a System of Hypothetical Imperatives
Philippa Foot · 1995
Philippa Foot is one of the most original and widely respected philosophers of our time; her work has exerted a lasting influence on the development of moral philosophy. In tribute to her, twelve leading philosophers from both sides of the Atlantic have contributed essays exploring the various topics in moral philosophy to which she has made a distinctive contribution--virtue ethics, naturalism, non-cognitivism, relativism, categorical requirements, and the role of rationality in morality.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 02:24:24 „Das ist so ein relativ berühmter Text, das von einer, ich glaube, britische Philosophin ist, die Philippa Foote, ob das eine sinnvolle Sicht aufs Leben oder was das als Lebenssicht bedeutet, wenn man davon ausgeht, dass ein moralisches Kriterium immer das ausschlaggebende ist.“
Thea Dorn erinnert sich an ihr Seminar 'Tragische Dilemmata, moralische Konflikte' in den 90er Jahren und erwähnt einen berühmten Text der britischen Philosophin Philippa Foot. Der Text stellt die Frage, ob moralische Kriterien immer die ausschlaggebenden sein müssen oder ob es Kontexte gibt, in denen andere Wertsphären wie Ästhetik oder Lebensreichtum Vorrang haben können. Der genaue Titel wird nicht genannt.
Also sprach Zarathustra
Friedrich Nietzsche · 2012
Ein Solitär der Literaturgeschichte und zugleich Hauptwerk des Philosophen Friedrich Nietzsche. Eine philosophische Dichtung "für Alle und Keinen"? in der (der erfundene, östlichen Weisheitslehren verpflichtete) Zarathustra die 'Lehren' Nietzsches verkündet: Von der ewigen Wiederkehr des Gleichen, dem Übermenschen, vom Tod Gottes und dem Willen zur Macht.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 02:25:53 „Also wenn man jetzt eben meinetwegen sowas wie das notorische Zarathustra von Nietzsche nimmt, diese Verachtung, die letzten Menschen, die nur es warm haben wollen, das Wort Lieferkette kommt nicht vor, aber im Grunde hätte er schreiben können, das Einzige, was sie interessiert, ist, dass die Lieferketten nicht abreißen und dass es ihnen jemand warm und sicher macht.“
Thea Dorn nutzt Nietzsches Zarathustra als Beispiel dafür, wie provokant philosophische Positionen sein können und warum sie in heutigen Talkshows nicht mehr möglich wären. Sie paraphrasiert Nietzsches Verachtung der 'letzten Menschen' und überträgt sie ironisch auf die Gegenwart, um zu zeigen, dass solch radikales Denken heute sofort als 'Querdenker'-Position abgestempelt würde.
Trost
Thea Dorn · 2021
Das Buch der Stunde für alle Untröstlichen »Wie geht es Dir?« Als Johanna von Max, ihrem alten philosophischen Lehrer, eine Postkarte mit dieser scheinbar harmlosen Frage erhält, bricht es aus ihr hervor: die Trauer über den Tod ihrer Mutter, die Wut, dass man ihr im Krankenhaus verwehrt hat, die Sterbende zu begleiten. Provoziert durch weitere Postkarten, beginnt Johanna, sich den Dämonen hinter ihrer Verzweiflung zu stellen.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 02:28:47 „Können wir mal kurz konkret abbiegen, weil wenn wir gerade bei diesen Themen sind, angewandte Ethik, Ihr neues Buch Trost. Da geht es ja um solche Abwägungen von Rechten und Gütern und was ist sozusagen das höchste Gut in welchen Situationen.“
Jochen Wegner leitet zu Thea Dorns neuem Buch über, das sich mit angewandter Ethik und der Frage beschäftigt, ob die Rettung von Menschenleben immer das höchste Gut sein muss. Ursprünglich als Essay geplant, wurde es schließlich ein Roman. Thea Dorn korrigiert Wegners Darstellung und erzählt, dass ein Text auf Zeit Online die Keimzelle war.
Trost. Briefe an Max
Thea Dorn
Briefroman, der sich mit Abwägungen von Rechten und Gütern auseinandersetzt und das einsame Sterben in der Pandemie thematisiert. Ein Werk über Trauer, moralische Dilemmata und menschliche Nähe in Krisenzeiten.
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 02:29:35 „ihr neues Buch Trost. Da geht es ja um solche Abwägungen von Rechten und Gütern“
Jochen Wegner leitet eine ausführliche Diskussion über Thea Dorns neuen Roman ein, der das einsame Sterben in der Pandemie thematisiert
Die Unglückseligen
Thea Dorn
Roman der Autorin Thea Dorn, der existenzielle Themen wie Sterblichkeit und Endlichkeit thematisiert. Das Werk zeigt die lange Kontinuität dieser Themen in Dorns literarischem Schaffen, die sich bereits vor später publizierten Werken mit diesen Fragen auseinandergesetzt hat. Der Roman ist relevant für das Verständnis der thematischen Entwicklung und Konstanten in ihrer Autorschaft.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 02:34:46 „Ich sagte im Prinzip gern, weil das Thema treibt mich ja letztlich schon viel, viel länger um, schon seit meinem Roman davor, »Die Unglückseligen«, wo aber anderes Thema, vielleicht für später.“
Thea Dorn erwähnt ihren vorherigen Roman als Beleg dafür, dass die Themen Sterblichkeit und Endlichkeit sie schon vor der Pandemie beschäftigt haben. Der Roman wird nur kurz gestreift, um die thematische Kontinuität in ihrem Werk zu zeigen.
Deutsches Wörterbuch
Jacob und Wilhelm Grimm · 1965
First started by the famous Grimm brothers, DWB (Deutsches Woerterbuch), or as it is known, Der Grimm, is one of the most important dictionaries of the German language.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 02:41:27 „Also ich lasse diese Johanna in dem Roman dann auch mal ins Grimmsche Wörterbuch gucken, die Dame ist Feuilleton-Redakteurin, wo sie feststellt, dass im Deutschen das Wort Trost kommt von Trutz, von Trauen.“
Das Grimmsche Wörterbuch wird als Requisit im Roman erwähnt: Die Protagonistin Johanna schlägt darin das Wort 'Trost' nach und entdeckt die etymologische Verwandtschaft mit Begriffen wie Festigkeit und Halt — eine Erkenntnis, die im Roman den Wendepunkt einleitet.
Seneca: Trostbriefe
Seneca
Sammlung philosophischer Briefe des römischen Stoikers an seinen Freund Lucilius. Die Trostbriefe behandeln Lebensfragen, innere Gelassenheit und die Bewältigung von Schwierigkeiten durch rationale Reflexion. Ein klassisches Werk stoischer Lebensweisheit, das zeitlos Kraft für schwierige Zeiten gibt.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 02:43:28 „Ich auch. Ich soll doch so wie Seneca Trostbriefe schreiben.“
Jochen Wegner berichtet, er habe im Lockdown Seneca gelesen; Thea Dorn beschreibt ihre Wut bei der Lektüre
Trostschriften (Consolationes)
Seneca · 2016
Lucius Annaeus Seneca: Trostschriften Trostschrift an Marcia: Entstanden etwa zwischen 37 und 41 n. Chr. Erstdruck in: Opera, herausgegeben von M. Moravus, 1. Band, Neapel 1475. Erste deutsche Übersetzung durch M. Herr unter dem Titel »Ein Trostbüchlin zu der Martia« in: Sittliche Zuchtbücher, Straßburg 1536. Der Text folgt der Übersetzung durch Albert Forbiger von 1867. Trostschrift an seine Mutter Helvia: Entstanden 41 n. Chr. Erstdruck in: Opera, herausgegeben von M. Moravus, 1.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 02:44:28 „Ich bin so, also da ging es mir wie der Johann Altenburg, ich bin so wütend geworden, als ich die gelesen habe. Also wo ich wirklich dachte, wer solche Trostpost bekommt, der braucht gar keine Post mehr.“
Thea Dorns Verleger hatte im Lockdown begonnen, Seneca zu lesen, und schlug ihr vor, moderne Trostbriefe nach Senecas Vorbild zu schreiben. Dorn lehnt Senecas Ansatz emotional ab — sie findet seine Trostbriefe eher empörend als tröstlich, was ihre Romanfigur Johanna spiegelt.
Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium)
Seneca · 2015
Die Briefe an Lucilius über Ethik sind das reifste und eingängigste Werk des großen römischen Philosophen Lucius Annaeus Seneca. Im allerbesten Sinne des Wortes populärphilosophisch, präsentieren sie sich dem Leser als kurze und kompakte Lebensratgeber. Jeder einzelne Brief ist voll der Weisheit, des lebenspraktischen Rates, der ermutigenden Worte und an den fruchtbarsten Stellen mit prägnanten Merksätzen, sogenannten Sentenzen, versehen. Dieser Band enthält das 6.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 02:44:56 „Ja, Seneca kann man alle paar Jahre mal... Ich lese die jetzt nicht, um Trost zu finden, sondern um mir die Philosophie wieder vor Augen zu rufen, die ja sozusagen eine ist, die geeignet ist, in diesen Zeiten zurechtzukommen.“
Jochen Wegner erwähnt die Briefe an Lucilius als Lektüre, die er regelmäßig wiederliest. Er betont, dass er sie nicht als Trostquelle, sondern als philosophische Orientierungshilfe nutzt — was eine Diskussion darüber auslöst, ob das nicht doch eine Form von Trost sei.
Min Kamp (Mein Kampf)
Karl Ove Knausgård · 2013
Med sjätte delen avslutar Karl Ove Knausgård sin episka autofiktiva roman Min kamp. På ett helt igenom självutlämnande sätt har han blottställt ambitioner och svagheter, osäkerhet och tvivel och inifrån skildrat sina relationer till fru och barn, mor och far, vänner och bekanta. Det är en roman i vilken livet skildras i alla sina nyanser, från de avgörande och upprivande ögonblicken till vardagslivets tillsynes obetydliga detaljer.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:47:37 „Knausgart schon. — Ich hab gesagt, gute Autoren. — Okay, wir fangen jetzt keinen Streit über Herrn Knausgart an.“
Als Thea Dorn behauptet, gute Autoren schrieben niemals eins zu eins über sich selbst, wirft Jochen Wegner Karl Ove Knausgård als Gegenbeispiel ein. Dorn kontert spitz, sie habe von 'guten Autoren' gesprochen — ein Seitenhieb, der für kurze Heiterkeit sorgt, bevor das Thema fallengelassen wird.
Gedenkrede für die Toten der Pandemie
Frank-Walter Steinmeier
Gedenkrede von Bundespräsident Steinmeier für die Opfer der Corona-Pandemie und weitere Todesfälle des Jahres. Die Rede zeichnet sich durch emotionale Rhetorik aus, die es schafft, sowohl die Tragik der Situation zu vermitteln als auch tröstliche Momente zu schaffen. Sie wird als Beispiel für gelungene Krisenkommunikation hervorgehoben und steht in Kontrast zu weniger überzeugenden politischen Reaktionen auf die Pandemie.
🗣 Thea Dorn empfiehlt aktiv bei ⏱ 03:11:36 „Ich finde zum Beispiel, dass er diese Rede, die er gehalten hat bei dem Gedenktag für sämtliche, also eben nicht nur die Corona-Toten, sondern alle, die in diesem Jahr gestorben sind, ich finde, dass er da ziemlich gute Rhetorik gefunden hat.“
Thea Dorn vergleicht die rhetorischen Fähigkeiten von Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Steinmeier in der Pandemie. Während sie Merkels Kommunikation als wenig überzeugend empfindet, lobt sie Steinmeiers Gedenkrede als gelungen – er habe es geschafft, der Bevölkerung zu vermitteln, dass man sich in einer Tragödie befinde, und dabei auch etwas Tröstendes zu finden.
Magic Cleaning
Marie Kondo · 2017
Bei diesem Buch handelt es sich um einen Auszug aus dem Weltbestseller Magic Cleaning - Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert. Er versammelt die praktischsten und am schnellsten umsetzbaren Tipps. Entdecken Sie die Magie des Aufräumens und befreien Sie sich von unnötigem Ballast, sodass Sie zu einem ausgeglichenen Menschen werden!
🗣 Thea Dorn erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:31:55 „Kondo, das sind die Aufräumer, oder? Messi oder Kondo? Ja, Verständnisfrage. Kondo sind die, die mit diesem Hilfebuch die Wohnung aufgeräumt haben.“
Im A-oder-B-Spiel bei der Frage 'Messi oder Kondo' fragt Thea Dorn nach und identifiziert Kondo als die Aufräum-Autorin mit dem Hilfebuch. Sie entscheidet sich für Kondo.
Finks Krieg
Martin Walser
Martin Walsers Roman "Finks Krieg" zeichnet das Porträt eines Protagonisten, der sich vollständig in eine politische und persönliche Sackgasse verstrickt hat. Das Werk ist relevant, da es existenzielle Parallelen zu realen Politikern wie Jürgen Möllemann zieht und damit Fragen über die zerstörerischen Konsequenzen von Verstricktheit und moralischem Versagen aufwirft.
🗣 Thea Dorn erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:36:26 „Oder Finkskrieg, also das sind, also“
Thea Dorn zählt Finks Krieg unter Walsers bemerkenswerte Werke
Ehen in Philippsburg
Martin Walser
Ehen in Philippsburg markiert den Beginn von Martin Walsers Schaffen als präziser Chronist der Bundesrepublik. Der Roman wird als grundlegend für seine literarische Zeitdiagnose betrachtet und zeichnet sich durch genaue Beobachtung der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft aus.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 03:37:21 „Er ist erstmal schon ein verdammt genauer Chronist der Bundesrepublik. Also wenn man das ab Ehen in Philipsburg liest.“
Thea Dorn erklärt, warum sie Martin Walser für den größeren Literaten als Enzensberger hält. Sie beschreibt sein Werk als präzise Chronik der Bundesrepublik und nennt diesen frühen Roman als Ausgangspunkt seiner literarischen Zeitdiagnose.
Muttersohn
Martin Walser
Ein später Roman Walsers, der sich metaphysischen und religiösen Fragen widmet. Das Werk zeigt eine andere Seite des Autors, weniger politisch-gesellschaftlich orientiert, sondern existenziell-philosophisch.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 03:38:22 „Mir ist zum Beispiel auch ein Roman wie Muttersohn, das ist so einer seiner eher späteren Romane, der ist mir sehr lieb, also wo er auch eher den metaphysischeren, religiöseren Fragen, die auslotet.“
Thea Dorn beschreibt Walsers Bandbreite und erwähnt diesen späteren Roman als persönlichen Favoriten, weil er metaphysische und religiöse Fragen auslotet – eine andere Seite des Autors als der politisch-gesellschaftliche Chronist.
Pfingstkrieg
Martin Walser
Psychologischer Roman über die Zerfallsprozesse einer Ehe im mittleren Alter. Walser erforscht die unsichtbaren Machtkämpfe, emotionalen Missverständnisse und Konflikte zwischen den Partnern mit großer Intimität. Eine Studie über Entfremdung und Unbehagen in langjährigen Beziehungen.
🗣 Thea Dorn erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:38:22 „aber einer, der eben in diesem Umfassenden, also oder Pfingstkrieg, also das sind, also…“
Thea Dorn zählt diesen Roman im Zusammenhang mit Muttersohn auf, als sie Walsers Bandbreite illustriert. Die Erwähnung ist beiläufig, zeigt aber ihre tiefe Kenntnis des Gesamtwerks.
Tod eines Kritikers
Martin Walser · 2009
Hans Lach wird verhaftet: Mordverdacht. Auf der Party seines Verlegers hatte er einen für seine Verrisse gefürchteten Kritiker bedroht. Am nächsten Morgen findet sich dessen blutdurchtränkter Pullover, nur von der Leiche fehlt jede Spur. Dafür treten immer neue Verdächtige auf den Plan. Ein Vexierspiel auf Leben und Tod nimmt seinen Anfang, denn über die Schuld oder Unschuld des Schriftstellers, so scheint es, ist viel zu sagen, aber schwer zu entscheiden.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 03:38:30 „Wie fanden Sie Tod eines Kritikers? Ah, ja. Dünnes Eis.“
Thea Dorn bezeichnet das Buch als nicht Walsers bestes, es gehöre eher zur Rubrik offene Rechnung des Trotzschädels
Erfahrungen beim Verfassen einer Sonntagsrede
Martin Walser · 1998
Martin Walsers Friedenspreisrede, die in der Folge äußerst kontrovers diskutiert wurde, ist hier in vollem Wortlaut veröffentlicht, außerdem die Laudatio von Frank Schirrmacher.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 03:41:03 „in dem Interview, in dem Gespräch mit Bubis nach der Paulskirchenrede, wo Schirrmacher, ich weiß nicht, entweder mit der ehrlichen Absicht, hier eher zu deeskalieren oder in der geheimen Hoffnung, dass wir ordentlich eskalieren.“
Thea Dorn analysiert die Folgen von Martin Walsers berüchtigter Friedenspreisrede 1998 in der Paulskirche, in der er die 'Instrumentalisierung' von Auschwitz beklagte. Das anschließende Gespräch mit Ignatz Bubis, das Schirrmacher arrangierte, eskalierte zum eigentlichen Skandal.
Martin Walser: Eine Biografie
Jörg Magenau · 2005
Ein Porträt über Leben, Werk und Wirken des ebenso umstrittenen wie streitbaren deutschen Schriftstellers (Jg. 1927).
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 03:42:58 „Also dieses Bild, dass er von sich selbst gezeichnet hat. Aber, in der Maggenau-Biografie über ihn ist dann auch ein Foto aus der Zeit, den quasi gelacktesten, elegantesten Anzug trägt, der kleine Martin Walser.“
Thea Dorn widerlegt Walsers Selbstbild als ewig benachteiligtes Kohlenkellerkind mit einem Foto aus der Magenau-Biografie, das den jungen Walser im eleganten Anzug zeigt – ein Beleg für seinen blinden Fleck bezüglich der eigenen Stellung.
Der Müll, die Stadt und der Tod
Rainer Werner Fassbinder
Dieter Wunderlich analysiert Rainer Werner Fassbinders umstrittenes Theaterstück „Der Müll, die Stadt und der Tod" und seine Verflechtung mit antisemitischen Stereotypen. Der Artikel zieht Parallelen zu Robert Walsers Werk und zeigt auf, wie beide Künstler in ähnliche ideologische Fallen tappten, insbesondere im Umgang mit dem jüdischen Immobilienspekulanten als literarischer Figur. Es geht um die historische Kontinuität problematischer Darstellungen und deren Rezeption in der deutschsprachigen Literatur und Dramatik.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 03:43:21 „weil er sah da das kohlenschaufelnde, so das Kohlenkellerkind und da sieht er den Immobilienspekulant, also im Grunde das Ding, in das ja auch Fassbinder mit seinem Stück Müll statt Tod bei Bubis reingedappt ist.“
Thea Dorn zieht eine Parallele zwischen Walsers blindem Fleck im Umgang mit Ignatz Bubis und Fassbinders umstrittenem Theaterstück, das wegen antisemitischer Stereotype skandalisiert wurde. Beide, so ihre Analyse, seien in dieselbe Falle getappt.
Müll, der Stadt und der Tod
Rainer Werner Fassbinder
Umstrittenes Theaterstück von Rainer Werner Fassbinder über Stadtleben und gesellschaftliche Konflikte. Das Stück ist bekannt für antisemitische Stereotype und wurde in der Walser-Bubis-Debatte zentral diskutiert, was erhebliche Kontroversen um seine Darstellung jüdischer Charaktere auslöste.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 03:44:10 „das Ding, in das ja auch Fassbinder mit seinem Stück Müll statt Tod bei Bubis reingedappt ist“
Thea Dorn verweist auf Fassbinders umstrittenes Theaterstück im Kontext der Walser-Bubis-Debatte und antisemitischer Stereotypen
Zeugen des Jahrhunderts (Interview mit Martin Walser)
Thea Dorn
Ein langes Porträt-Interview mit Schriftsteller Martin Walser, geleitet von Thea Dorn für die ZDF-Sendung "Zeugen des Jahrhunderts". Ein ausführliches Gesprächs-Porträt eines Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts mit literarischem und kulturellem Fokus.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 03:44:10 „als ich dieses lange, lange Interview mit ihm für Zeugen des Jahrhunderts gemacht habe fürs ZDF“
Thea Dorn verweist auf ihr langes ZDF-Interview mit Martin Walser
Walser-Biografie
Jörg Magenau · 2008
Biografie des Schweizer Schriftstellers Robert Walser, die sein Leben, Werk und persönlichen Habitus dokumentiert. Mit Fotografien aus verschiedenen Lebensphasen vermittelt das Buch ein authentisches Bild von Walsers Persönlichkeit und künstlerischem Schaffen.
🗣 Thea Dorn erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:44:10 „in der Maggenau-Biografie über ihn ist dann auch ein Foto aus der Zeit“
Thea Dorn verweist auf Jörg Magenaus Walser-Biografie als Beleg für Walsers tatsächlichen Habitus
Paulskirchenrede
Martin Walser
Martin Walsers Friedenspreisrede von 1998, in der er die Dauerpräsenz der Nazi-Zeit in der deutschen Gegenwartsdebatte kritisierte. Die umstrittene Rede führte zu einem desaströsen öffentlichen Gespräch mit Ignatz Bubis und prägte die Erinnerungskultur-Debatte.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 03:44:10 „in dem Interview, in dem Gespräch mit Bubis nach der Paulskirchenrede“
Thea Dorn diskutiert Walsers umstrittene Friedenspreisrede und das desaströse Gespräch mit Ignatz Bubis
Jenseits der Liebe
Martin Walser
Martin Walsers Roman war das Werk, das die legendäre Feindschaft zwischen dem Autor und dem Kritiker Marcel Reich-Ranicki auslöste. Ranickis vernichtendes Verriss unter dem Titel „Jenseits der Literatur" war so verletzend, dass er dem Schriftsteller die Berechtigung im Literaturbetrieb absprach. Die Episode wird von Literaturkritikerin Thea Dorn rekonstruiert und zeigt, wie ein negativ rezensiertes Werk zum Wendepunkt in der deutschen Literaturgeschichte wurde.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 03:44:12 „Mit dem Roman Jenseits der Liebe, das war vor dem Riesenerfolg Fliehendes Pferd, hatte Walser einen Roman Jenseits der Liebe geschrieben und den hat Ranitzky sehr, sehr unflätig verrissen.“
Thea Dorn rekonstruiert den Ursprung der Feindschaft zwischen Walser und Reich-Ranicki. Dieser Roman war der Auslöser: Ranickis Verriss unter dem Titel 'Jenseits der Literatur' war so verletzend, dass er einem Autor die Existenzberechtigung im Literaturbetrieb absprach.
Ein fliehendes Pferd
Martin Walser
Martin Walsers Roman "Ein fliehendes Pferd" wird in einem kritischen Kontext behandelt, der die Eskalation des Konflikts zwischen dem Autor und dem einflussreichen Kritiker Marcel Reich-Ranicki beleuchtet. Der Artikel zeigt, wie Ranicki nach anfänglichem Verriss den Roman später bejubelte und dabei beanspruchte, durch seine harte Kritik erst Walsers künstlerisches Wachstum erzwungen zu haben – eine Deutung, die als Machtanmaßung kritisiert wird. Das Werk gilt als einer von Walsers besten Romanen und offenbart die Spannungen zwischen Autorschaft und Kritikermacht.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 03:44:49 „Dann hat aber Hanetzky sich bei fliehendem Pferd paradoxerweise was erlaubt, wo ich sage, das ist eigentlich die eigentliche, denn das ist wirklich eine Autorenbeleidigung und eine Anmaßungsgeste, dass er dann gesagt hat, fliehendes Pferd ist der beste Walser überhaupt.“
Thea Dorn schildert die Eskalation des Walser-Ranicki-Konflikts: Nach dem Verriss von 'Jenseits der Liebe' bejubelte Ranicki diesen Folgeroman – beanspruchte aber, Walsers Qualität durch seine harte Kritik erst erzwungen zu haben. Dorn nennt das eine 'Machtanmaßung' des Kritikers.
Ein weites Feld
Günter Grass
Günter Grass' Debütroman "Ein weites Feld" wurde zum Schauplatz einer legendären Literaturkritik: Marcel Reich-Ranickis vernichtendes Urteil über das Werk war so wirkmächtig, dass der Spiegel es zum Titelthema machte. Der Artikel illustriert die enorme öffentliche Reichweite und gesellschaftliche Relevanz von Literaturkritik in den 1960er Jahren, als eine einzelne negative Rezension eines renommierten Kritikers ausreichte, um Millionen zu erreichen. Ein historisches Beispiel für die Kraft der Worte und den Einfluss von Medien auf kulturelle Debatten.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 03:47:21 „Als Marcel Reich-Ranitzky ein Buch von Günter Grass verrissen hat, war dieser Verriss Titelthema des Spiegel.“
Christoph Amend erinnert an den berühmten Spiegel-Titel, auf dem Reich-Ranicki den Grass-Roman zerriss – als Beleg dafür, welche enorme öffentliche Wirkung ein einzelner Literaturverriss früher haben konnte. Das Buch wird nicht namentlich genannt, ist aber als 'Ein weites Feld' identifizierbar.
Lesen!
Elke Heidenreich · 2003
deutsche Talkshow
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 03:49:55 „Die letzte, bei der das noch so irgendwie funktioniert hat mit so Gewalt, also im Alleingang solche Auflagen kreieren, war Elke Heidenreich. In Lesen hat das noch mal so auf einem niedrigeren Niveau, aber immer noch sehr messbar funktioniert.“
Thea Dorn ordnet Elke Heidenreichs TV-Sendung 'Lesen!' als letzte Literatursendung ein, die im Alleingang relevante Buchauflagen generieren konnte – wenn auch auf niedrigerem Niveau als Reich-Ranickis Quartett. Sie nutzt das als Beleg für den Bedeutungsverlust der Literaturkritik.
Deutschland keine Denker
Thea Dorn · 2018
Heimat, Leitkultur, Nation: Thea Dorn will diese kontroversen Themen nicht den Rechten überlassen Seit Jahren streiten wir, und der Ton wird rauer: Befördert die Rede von Heimat und Verwurzelung oder gar Patriotismus ein rückwärtsgewandtes, engstirniges Denken, das über kurz oder lang zu neuem Chauvinismus, Rassismus und Nationalismus führen wird? Oder ist das Beharren auf unseren kulturellen, historisch gewachsenenen Besonderheiten in Zeiten von Migration, Globalisierung und Technokratisierung ...
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 03:53:49 „Sie haben mal ein Essay geschrieben, ich fürchte im Spiegel, diesem hervorragenden Magazin aus Hamburg, Deutschland keine Denker. Ja, und da steht sowas wie, wenn ich das jetzt richtig mir rausgeschrieben habe, ich erinnere mich noch, es ging auch um das Alter dieser Denker.“
Jochen Wegner bringt einen Essay von Thea Dorn aus dem Jahr 2008 im Spiegel zur Sprache, in dem sie das Fehlen junger öffentlicher Intellektueller in Deutschland beklagt. Dorn relativiert den Text heute – sie sieht inzwischen eine Nachwuchsgeneration mit Figuren wie Reckwitz, Hartmut Rosa und Svenja Flaßpöhler.
Lesenswert
· 2013
Denis Scheck spricht mit Schriftstellern und Kritikern über aktuelle Bücher.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 04:02:40 „Das hieß erst Literatur im Foyer und dann hieß es, glaube ich, Lesenswert. Ja, ich glaube, das waren die beiden Titel.“
Der zweite Name der SWR-Büchersendung, die Thea Dorn moderierte. Sie beschreibt, wie das ursprünglich puristische Gesprächsformat nach und nach mit Einspielern und Filmchen zu einem Magazinformat umgebaut wurde, was sie als Verschlechterung empfand.
Literatur im Foyer
Deutsche Literaturgesprächssendung beim SWR mit wechselnden Gästen über Bücher und Lesen. Das Format entwickelte sich vom intimen Talk in privater Wohnung zum literarischen Magazin mit verschiedenen Rubriken und Gästen.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 04:02:47 „Das hieß erst Literatur im Foyer und dann hieß es, glaube ich, Lesenswert. Ja, ich glaube, das waren die beiden Titel. Also ganz am Anfang hieß es mal Schümer und Dorn, da saß ich mit Dirk Schümer in der Wohnung, das war auch ziemlich lustig als Format.“
Thea Dorn erzählt von ihrer früheren Büchersendung beim SWR, die mehrere Namens- und Formatwechsel durchlief. Die Sendung begann als 'Schümer und Dorn', wurde zu 'Literatur im Foyer' und später zu 'Lesenswert', wobei das Format zunehmend magazinartiger wurde.
Brandung
Martin Walser
Een leraar, met vrouw en dochter in Amerika wordt tot zijn eigen verrassing verliefd op een studente.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 04:07:44 „Also ich finde auch Brandung ein ganz tolles Buch.“
Im Kontext ihrer Würdigung von Walsers Gesamtwerk hebt Thea Dorn diesen Roman besonders hervor. Sie benennt ihn neben Ehen in Philippsburg als eines seiner herausragenden Werke.
Zwischen Saison
Andrea Petkovic · 2020
Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht – Andrea Petković enthüllt die faszinierende Welt des Tennissports In ihrem literarischen Debüt schlägt Tennisstar Andrea Petković gekonnt die Brücke zwischen Sport und Literatur. Mit zutiefst ehrlichen und anrührenden Geschichten nimmt sie uns mit auf eine Reise durch ihr Leben auf und neben dem Tennisplatz. Petković erzählt von ihrer Jugend als Flüchtlingskind, den Herausforderungen des Leistungssports und ihrer zerrissenen serbisch-deutschen Seele.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 04:08:44 „Das war die mit Lisa Eckhardt. Ulrich Mattes war da noch dabei. Und eine Tennisspielerin, die auch ... Frau Petkovic, Andrea Petkovic. Eine literaturbloggende, schreibende Tennisspielerin. Tolles Buch geschrieben.“
Jochen Wegner erwähnt eine Quartett-Sendung mit Andrea Petkovic und lobt deren Buch. Er beschreibt die ehemalige Tennisspielerin als schreibende, literaturbloggende Persönlichkeit. Der genaue Titel wird nicht genannt, es handelt sich vermutlich um ihr Buch 'Zwischen Saison'.
Ulrich Beck Essay-Band
Ulrich Beck · 2000
Sammlung von Essays des Soziologen Ulrich Beck zu Modernität, Gesellschaft und Risikotheorie – zentrale Werke eines der einflussreichsten europäischen Denker zur sozialen Transformation und kritischen Analyse gegenwärtiger Gesellschaftsprobleme.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 04:15:27 „Mich hatte das in dem Zusammenhang interessiert, weil wir gesehen haben, da kommt ein UL Beck-Essay-Band. Und wenn man sowas sieht, fragt man sich natürlich auch, wenn man sagt, also ein UL Beck ist natürlich für ein literarisches Quartett immer ein Kandidat.“
Thea Dorn erklärt die Hintergründe der umstrittenen Quartett-Sendung mit Lisa Eckhart. Ein erscheinender Essay-Band von Ulrich Beck war der Anlass, Lisa Eckhart als Gast anzufragen – konkret weil sie fließend Französisch spricht und das noch nicht fertig übersetzte Buch im Original lesen konnte.
3 nach 9
· 1974
Dienstälteste deutsche Fernseh-Talkshow von Radio Bremen, die alle vier Wochen freitags im NDR und RB Fernsehen läuft.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 04:23:14 „Ich hatte eine ganz andere Sorge, wenn die ins Quartett kommt. Und nachdem ich ihren Auftritt bei 3 nach 9 gesehen hatte, wo Giovanni Di Lorenzo sie befragt, da hat eine vernünftige Frau geredet, die natürlich anders redet als in dieser Kunstfigur.“
Thea Dorn erklärt, wie sie sich auf die Einladung von Lisa Eckhart ins Literarische Quartett vorbereitet hat. Sie beschreibt, dass sie sich bewusst Eckharts Auftritt in der NDR-Talkshow '3 nach 9' angeschaut habe, um zu prüfen, ob Eckhart auch außerhalb ihrer Bühnenfigur vernünftig diskutieren kann. Der Auftritt habe sie überzeugt, dass die Einladung vertretbar sei.
Interview mit Inge Jens
Malte Henck, Moritz Eislinger
Inge Jens, 94-jährige Autorin und Witwe des Schriftstellers Walter Jens, gewährt in einem Zeit-Interview tiefe Einblicke in ihr Leben. Sie reflektiert prägende Momente wie ihre Begegnung mit Hitler, ihre Zeit in der Gruppe 47 und persönliche Tragödien wie den Suizid ihres Sohnes. Ein Porträt einer außergewöhnlichen Zeitzeugin, die sich auch mit der Pflege ihres demenzkranken Mannes auseinandergesetzt hat.
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:53:10 „Es gibt ein ganz tolles Interview mit Inge Jens. Das kürzlich im Zeit-Dossier erschienen ist, Malte Henck, Grüße gehen raus und Moritz Eislinger“
Jochen Wegner empfiehlt ein Interview über Inge Jens und die Pflege ihres dementen Mannes Walter Jens
Interview mit Inge Jens (Zeit-Dossier)
Malte Henck, Moritz Eislinger
Inge Jens, 94-jährige Witwe des Autors Walter Jens, gibt in diesem Interview einen persönlichen Rückblick auf ihr außergewöhnliches Leben. Sie reflektiert ihre Begegnung mit Hitler, ihre Zeit in der Literaturgruppe Gruppe 47 und besonders ihre Jahre als Pflegerin ihres Mannes, der an Demenz erkrankte. Das Interview zeigt eine tiefe Auseinandersetzung mit den großen Fragen ihres Lebens.
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:54:28 „Es gibt ein ganz tolles Interview mit Inge Jens. Das kürzlich im Zeit-Dossier erschienen ist, Malte Henck, Grüße gehen raus und Moritz Eislinger, ebenfalls Grüße haben das geführt. Ja, sehr toller Text. Auch um diese ganze Zeit geht, wo sie das nochmal reflektiert.“
Nach dem Gespräch über Walter Jens, der trotz seiner früheren Plädoyers für Sterbehilfe selbst viele Jahre mit Demenz lebte und von seiner Frau Inge Jens gepflegt wurde, empfiehlt Jochen Wegner ein aktuelles Interview mit Inge Jens im Zeit-Dossier. In dem Text reflektiert sie diese Zeit noch einmal. Sowohl Wegner als auch Thea Dorn bezeichnen das Interview als sehr toll.
Erstes Buch von Jasmina Kuhnke
Jasmina Kuhnke · 2021
Jasmina Kuhnke ist eine unüberhörbare Stimme im Kampf gegen Rassismus in diesem Land. In ihrem ersten Roman erzählt sie davon, was es mit einem macht, immer aufzufallen. Die Protagonistin ihres Buches, eine Schwarze Ich-Erzählerin, wächst am Rande des Ruhrgebiets auf, in den neunziger Jahren. Zu Hause wütet ein gewalttätiger Stiefvater, in der Schule gibt es wenig Unterstützung, dafür viel Ausgrenzung. Auf einem Kindergeburtstag steht beim Klingelstreich plötzlich ein Neonazi in der Tür.
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 04:59:09 „Eine schwarze Autorin, ich glaube, die auch ihr erstes Buch vorgestellt hätte auf der Buchmesse, sagte, ich komme nicht, weil ein kleiner rechtsradikaler Verlag in Halle 3.1, wenn ich das richtig im Kopf habe, direkt neben der Bühne, wo ich auftreten soll, ist.“
Jochen Wegner leitet eine Diskussion über den Eklat auf der Frankfurter Buchmesse ein. Jasmina Kuhnke, eine schwarze Autorin, hatte angekündigt, nicht zur Buchmesse zu kommen, weil ein rechtsradikaler Verlag direkt neben ihrer Auftrittsbühne platziert war. Das Buch selbst wird nicht namentlich genannt, sondern nur als Kontext der Buchmesse-Debatte erwähnt.
Die deutsche Seele
Thea Dorn, Richard Wagner
Das Buch untersucht die Grundlagen der deutschen Kultur durch historische Beobachtungen und zeitgenössische Reflexionen – von alltäglichen Details wie dem deutschen Abendbrot bis zu großen kulturphilosophischen Themen wie Musik als Religionsersatz. Es springt zwischen präzisen kleinen Beobachtungen und umfassenden Kapiteln zur Kulturgeschichte, etwa zum Verhältnis zum Wald oder zum Kindergarten als deutsches Phänomen. Ein vielschichtiges Werk über deutsche Identität und Kulturgeschichte.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 05:20:25 „Sie haben ja vor ungefähr 20 Jahren angefangen, sich intensiv mit Deutschland zu beschäftigen. Zumindest in Büchern“
Christoph Amend spricht Thea Dorns Buch über deutsche Identität an, das sie mit dem Schriftsteller Richard Wagner geschrieben hat
Deutschland und die Deutschen
Thomas Mann · 1996
Thomas Manns Rede von 1945 analysiert die Ambivalenz deutscher Charakterzüge: wie das Beste durch „Teufelsliste" in sein Gegenteil verkehrt wird. Thea Dorn nutzt diese Einsicht, um Naturliebe, Ordnungswahn und ihre gefährlichen Kipppunkte zu erklären. Die Ansprache ist zentral für das Verständnis deutscher Kulturgeschichte und ihrer ideologischen Missbrauchbarkeit im 20. Jahrhundert.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 05:26:46 „Also da, finde ich, war der musikalisch feinste und analytisch klügste gleichzeitig Thomas Mann, der das sehr, sehr gut beschrieben hat. Also in seiner berühmten Rede, die er 1945 gehalten hat in der Library of Congress, da war er schon amerikanischer Staatsbürger.“
Thea Dorn zieht Thomas Manns berühmte Rede von 1945 heran, um die Ambivalenz deutscher Kulturzüge zu erklären. Mann beschreibt darin, wie dem Deutschen das Beste durch 'Teufelsliste' in sein Gegenteil umschlägt – ein Gedanke, den Dorn auf die Diskussion über Naturliebe, Ordnungswahn und deren gefährliche Kippmomente anwendet.
Doktor Faustus
Thomas Mann · 2009
Auf der Grundlage des Faust-Stoffes hat Thomas Mann in seinem 1947 erschienenen Musiker-Roman eine Parabel für die Verstrickung des Künstlertums in die politische Katastrophe des Nationalsozialismus geschaffen. Kein anderer Roman dieses Autors ist dermaßen kontrovers und erhitzt diskutiert worden - noch Jahrzehnte nach seinem Erscheinen. In der Textfassung der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe (GKFA), mit Daten zu Leben und Werk.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 05:27:35 „Also da saß er gleichzeitig an seinem Dr. Faustus, deshalb kommt da die Metapher der Teufelsliste ins Spiel. Dass er eben sagt, man kann halt nicht so klar sortieren, hier sind die guten deutschen Tugenden, also da sind die harmlosen Züge des Deutschen.“
Thea Dorn erwähnt, dass Thomas Mann parallel zur Rede 'Deutschland und die Deutschen' am 'Doktor Faustus' arbeitete. Die Faustus-Metapher der Teufelsliste fließt in die Rede ein – beide Werke kreisen um die Frage, wie deutsche Tugenden in ihr Gegenteil umschlagen können.
Artikel zur Döpfner-SMS-Debatte
Thea Dorn
Thea Dorn, Nele Pollatschek, Hedwig Richter und Giovanni di Lorenzo diskutieren in diesem Debattenbeitrag zentrale Fragen zur zeitgenössischen Debattenkultur, insbesondere wie weit politische Regulierung gehen soll und welche Grenzen beim Umgang mit privaten Äußerungen bestehen. Dorn setzt sich kritisch damit auseinander, ob es ethisch vertretbar ist, aus privaten Nachrichten zu zitieren und daraus politische Schlussfolgerungen zu ziehen, wie etwa bei der kontrovers diskutierten Döpfner-SMS. Der Text beleuchtet den Konflikt zwischen Transparenz als demokratischem Wert und dem Schutz der Privatsphäre, während gleichzeitig Corona-Maßnahmen und Klimapolitik als Beispiele für gegenwärtige gesellschaftliche Zerreißproben dienen. Das Stück ist relevant für alle, die verstehen möchten, nach welchen Regeln politische und öffentliche Debatten heute geführt werden sollten.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 05:53:03 „Und ich frage es nur deswegen, weil Sie dazu auch was geschrieben haben in einer Wochenzeitung.“
Jochen Wegner spricht Thea Dorn auf einen Artikel an, den sie in der ZEIT veröffentlicht hat und in dem sie sich vehement dagegen aussprach, dass aus privaten Nachrichten (der Döpfner-SMS) zitiert und daraus weitreichende Schlüsse gezogen werden. Der Artikel war der Auslöser für die anschließende ausführliche Debatte im Podcast.
New York Times-Kolumne über Julian Reichelt und Matthias Döpfner
Ben Smith
Der Medienkolumnist Ben Smith rollt in der New York Times den Fall Julian Reichelt auf und enthüllt dabei neue Details von Matthias Döpfner. Seine Recherche führt zur Entlassung Reichelts und löst eine breite öffentliche Debatte aus. Der Artikel wird von Jochen Wegner, der selbst mit Smith sprach, als Schlüsselmoment bei der Aufklärung des Skandals dargestellt.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 05:54:56 „Und dann gab es einen sehr langen Text in der New York Times von Ben Smith, dem Medienkolumnist in der New York Times, der das nochmal aufgerollt hat, offensichtlich viele neue Quellen hatte, wie sich dann später herausstellte, einige davon aus einem Rechercheteam der Ippen-Gruppe.“
Jochen Wegner rekonstruiert den Fall Julian Reichelt und beschreibt die Schlüsselrolle von Ben Smiths Kolumne in der New York Times, die den Fall neu aufrollte und zur Entlassung Reichelts führte. Besonders der Teil über Matthias Döpfner und dessen private SMS löste eine breite öffentliche Debatte aus. Wegner legt offen, dass er Ben Smith selbst interviewt hat.
Lesung der Kurz-Chatprotokolle am Burgtheater
Szenische Lesung der privaten Chatprotokolle von Sebastian Kurz am Wiener Burgtheater in Koproduktion mit der Zeitung Der Standard. Die Inszenierung reflektiert die öffentliche Debatte über Transparenz versus Privatsphäre in der digitalen Kommunikation.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 06:20:16 „Wenn dann ein Burgtheater zusammen mit dem Standard so tribunalartig die Lesungen dieser Chatprotokolle zelebriert. Weiß nicht, wie ging es Ihnen damit?“
Im Kontext der Debatte über die Veröffentlichung privater Chats von Sebastian Kurz erwähnt Thea Dorn eine szenische Lesung der Chatprotokolle am Wiener Burgtheater in Zusammenarbeit mit der Zeitung 'Der Standard'. Jochen Wegner ergänzt, dass sein ehemaliger Kollege Martin Kottingeder das mitinitiiert habe, und gibt zu, es spontan 'genial' gefunden zu haben – räumt aber ein, dass es auch etwas Selbstgefälliges habe.
Aggressive Mimosen
Thea Dorn · 2022
Der Büchner-Preisträger Friedrich Christian Delius, verstorben im vergangenen Frühjahr, wäre im Februar 2023 achtzig Jahre alt geworden. Bis zuletzt schrieb er und näherte sich seinem Leben in einer Autobiographie, wie man sie noch nicht kennt: in gut dreihundert Stichworten, die mit A beginnen, spielerisch, gedankenscharf und poetisch.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 06:32:37 „Eines dieser Essays von Ihnen, das zu wirklich viel Widerspruch geführt hat, war über Diskriminierung, das ist noch nicht so lange her, das war so 2019. Da ging es um die dauerbeleidigte Gesellschaft, war so ein Begriff aus dem Beitrag.“
Jochen Wegner spricht Thea Dorn auf einen ihrer kontroversesten Essays an, erschienen um 2019, in dem sie unter dem Stichwort 'aggressive Mimosen' bzw. 'die dauerbeleidigte Gesellschaft' dafür warb, nach den großen Emanzipationsfortschritten innezuhalten und die Gesamtgesellschaft nicht durch übermäßige Empfindlichkeit zu spalten. Thea Dorn berichtet, dass sie dafür massenhaft freundliche Mails bekommen habe.
Faster
James Gleick
"In Faster, James Gleick explores nothing less than the human condition at the turn of the millennium. He shines a light of enterprising and analytical reporting - as well as sly wit - on the newest paradoxes of time. His journey takes us through the bunkers and trenches of a war we barely knew we were fighting: to the atomic clocks of the Directorate of Time, to the waiting rooms that focus our impatience, to the film production studios that test the high-speed limits of our perception, to the...
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 06:57:14 „Da gab es ja dieses fantastische Buch, wie hieß das, von James Gleick, Faster. Der hat das da sehr gut beschrieben.“
Im Gespräch über die gefühlte Beschleunigung der Gesellschaft erwähnt Christoph Amend das Buch als Beleg dafür, dass das Gefühl, in der beschleunigtsten Phase aller Zeiten zu leben, schon seit mindestens 100 Jahren existiert. Er bezeichnet es als 'fantastisch' und verbindet es mit dem Begriff der 'nervösen Gesellschaft'.
Mehr Diktatur wagen
Thomas Brussig
Der Schriftsteller Thomas Brussig argumentiert in diesem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung, dass die Corona-Pandemie nicht mit den Mitteln der Demokratie bewältigt werden kann. Trotz Impfbeginn und fallender Inzidenzen bleibt die Krise eine Ohnmachtserfahrung, weil kein Ende der Beschränkungen absehbar ist – während einzelne Länder das Virus erfolgreich ausgeschaltet haben. Brussig kritisiert implizit die Argumentation von Corona-Leugnern und schlägt stattdessen vor, dass die Pandemie einen Ausnahmezustand und damit außergewöhnliche, von demokratischen Normen abweichende Maßnahmen erfordert. Seine Position ist, dass nur autoritärere Mittel die Krise lösen können.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 07:01:39 „Also ich erinnere mich mit Entsetzen an einen Artikel, den der Kollege Thomas Brussig in der Süddeutschen Zeitung hatte, mit dem Titel 'Mehr Diktatur wagen', was ich, also wenn ich den Preis für den Untitel des Jahres verleihen durfte, ginge der mit 'Glückwunsch nach Berlin und München'.“
Im Kontext einer Diskussion über die Frage, ob Diktaturen besser mit der Pandemie umgehen könnten, erinnert Thea Dorn sich mit Entsetzen an Thomas Brussigs Artikel in der Süddeutschen Zeitung. Sie kritisiert den Titel als geschmacklose Verunglimpfung von Willy Brandts berühmtem Ausspruch 'Mehr Demokratie wagen'.
Der Staat (Politeia)
Platon · 2017
Die Politeia (altgriechisch Πολιτεία „Der Staat“) ist ein um 375 v. Chr. verfasstes Werk des griechischen Philosophen Platon, in dem über die Gerechtigkeit und ihre mögliche Verwirklichung in einem idealen Staat diskutiert wird. An dem fiktiven, literarisch gestalteten Dialog beteiligen sich sieben Personen, darunter Platons Brüder Glaukon und Adeimantos und der Redner Thrasymachos. Platons Lehrer Sokrates ist die Hauptfigur.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 07:05:37 „Also ich halte Platon schon für einen Proto-Totalitären, der wollte so einen Staat. Also das, was der mit dem Philosophenstaat meint, also der muss offensichtlich, also auch zum Thema kommt es nichts Neues unter der Sonne. Da war jemand, der hat vor über 2000 Jahren deutlich über 2000 Jahren schon den Eindruck gehabt, das mit dieser Demokratie in Athen, so wie ich es erlebe, das funktioniert auch nicht.“
Im Kontext der Diskussion über Expertokratie und die Frage, ob Demokratie noch funktioniert, verweist Thea Dorn auf Platons Philosophenstaat. Sie sieht in Platons Idee, dass nur die Weisen regieren sollten, einen proto-totalitären Ansatz und zieht Parallelen zur heutigen Debatte über die Grenzen demokratischer Entscheidungsfindung.
Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch
Francis Fukuyama · 2022
Ist Geschichte eine endlose Wiederholung von Aufstieg und Verfall? In seinem weltberühmten Grundlagenwerk legt Francis Fukuyama dar, warum für ihn die liberale Demokratie den Endpunkt der Geschichte bedeutet. Im Sommer 1989 elektrisierte ein Artikel eines bis dato unbekannten Politikwissenschaftlers in der Zeitschrift The National Interest die Welt. Er führte zu Kontroversen bis in die Leitartikel diverser Zeitungen.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 07:09:28 „Und jetzt wird es nicht mehr lange dauern und überall werden wir Demokratien haben und die liberalen Demokratien werden sich durchgesetzt haben. Ende der Geschichte. Genau, Francis Fukuyama, genau, Grüße an Herrn Fukuyama.“
Thea Dorn diskutiert die Frage, ob liberale Demokratie ein Exportschlager ist oder ob der Erfolg des Westens eigentlich auf dem Dreieck aus Naturwissenschaft, Technik und Industrie beruht. Sie verweist auf Fukuyamas These vom Ende der Geschichte als dominante Erzählung der 90er Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, die sich als möglicherweise voreilig erwiesen hat.
Fegefeuer der Eitelkeiten
Tom Wolfe · 1999
Der Reporter Peter Fallow ist auf den Fall seines Lebens gestossen und gerät darüber in die Welt der Reichen und Superreichen. Doch weil er die Gefahren, in die er sich begibt, nicht übersehen kann, wird er schon bald zum gejagten Jäger ... - Grosser Kinoerfolg aus dem Jahr 1991 nach dem Bestseller von Tom Wolfe.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 07:16:29 „Aber Fegefeuer der Eitelkeiten ist ein Riesenroman. Wahnsinnig spannend, böse, lustig, ein Breitbildgesellschaft, also das ist großes Kino im Roman, also wie mir da von der Upper Class in New York bis zur Bronx.“
Christoph Amend fragt Thea Dorn nach ihrem Lieblingsschriftsteller Tom Wolfe. Sie schwärmt von 'Fegefeuer der Eitelkeiten' als einem der großen amerikanischen Romane, der die gesamte Gesellschaft von der Upper Class bis zur Bronx abbildet. Sie lobt Wolfes Fähigkeit als Gestaltwandler, der in verschiedenste Rollen schlüpfen kann – das Gegenteil von autobiografischem Schreiben à la Knausgård.
I Am Charlotte Simmons
Tom Wolfe
"Dupont University - the Olympian halls of learning housing the cream of America's youth, the roseate Gothic spires and manicured lawns suffused with tradition... Or so it appears to beautiful, brilliant Charlotte Simmons, a wide-eyed, bookish freshman from a strict, devout, poor and poorly educated family in the Blue Ridge Mountains of North Carolina.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 07:17:54 „Ich fand noch ein erstaunlich gutes Buch, einem Charlotte Simmons, wo ich auch erst dachte, oh, oh, oh, der will hauptsächlich Rollenprosa aus der Perspektive einer College-Studentin schreiben. Und da war der, glaube ich, auch schon 80 oder was. Ich dachte, na, ob das mal gut gehen kann. Und ich war verblüfft, wie tonsicher das ist.“
Im Gespräch über Tom Wolfes Werk erwähnt Thea Dorn auch seinen College-Roman als positives Beispiel. Trotz anfänglicher Skepsis – ein älterer männlicher Autor schreibt aus der Perspektive einer jungen Studentin – war sie von der Tonsicherheit des Buchs überrascht und beeindruckt.
Succession
Jesse Armstrong · 2018
Succession erzählt von der Roy-Familie, die zu Beginn der Handlung eine überaus einflussreiche Position in den USA einnimmt. Patriarch Logan hat das Familienunternehmen in ein gigantisches Medienimperium verwandelt. Doch er weiß, dass er nicht ewig leben wird, und muss sich Gedanken über sein Erbe machen.
🗣 Thea Dorn empfiehlt aktiv bei ⏱ 07:20:13 „Oh ja, großer Fan. Tolle Serie. Succession ist richtig gut. Also für alle, die diese Serie noch nicht gesehen haben, ist es schon so eine Mischung aus Murdoch und irgendwie aber auch Trump, oder? Also es ist eine böse HBO-Serie, die eine vollkommen, man kann es nicht anders sagen, Fakt ab, Milliardärs-Medien-Mogul-Familie seziert.“
Christoph Amend fragt Thea Dorn, ob sie Succession schaue, und sie outet sich als großer Fan. Sie beschreibt die HBO-Serie als böse Sezierung einer Milliardärs-Medien-Mogul-Familie, die an Murdoch und Trump erinnert. Beide sind sich einig, dass ausschließlich böse Figuren die Serie bevölkern.
The White Lotus
Mike White · 2021
The White Lotus folgt dem Aufenthalt verschiedener Gäste in exklusiven Resorts der fiktiven Hotelkette "The White Lotus". Jede Staffel spielt an einem anderen Ort und begleitet eine Woche im Leben der Hotelgäste und des Personals – von der Ankunft bis zu einem meist tragischen Ende. Hinter der glamourösen Fassade entspinnen sich persönliche Dramen, zwischenmenschliche Konflikte und gesellschaftliche Spannungen, die langsam eskalieren.
🗣 Thea Dorn empfiehlt aktiv bei ⏱ 07:21:01 „Also ich finde jetzt auch White Lotus von Sechsteiler, grandiose Serie über bekloppte, sehr, sehr reiche Menschen, die auf ein Luxus-Resort in Hawaii fliegen. Ja, auch eine sehr tolle, das war die letzte Serie, die mir sehr großen Spaß gemacht hat, war White Lotus.“
Im Gespräch über HBO-Serien schwärmt Thea Dorn von White Lotus als grandioser Miniserie. Sie hebt besonders den Überraschungsmoment hervor, wie die Serie anfängt und Figuren etabliert – etwas, das ihrer Meinung nach eine reine Netflix-Produktion nie wagen würde.
Breaking Bad
Vince Gilligan · 2008
Ein krebskranker Chemielehrer tut sich mit einem ehemaligen Schüler zusammen, um die Zukunft seiner Familie durch die Herstellung und den Verkauf von Meth zu sichern.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 07:22:15 „Vielleicht sogar die allerbeste Serie aller Zeiten, Breaking Bad. Und dann kommt so was wie Ozark raus, also dann gibt Netflix in Auftrag, das muss ungefähr so sein wie Breaking Bad, nur ein bisschen anders. Und das ist immer noch gut gemacht und immer noch viel besser gemacht als viel anderes. Aber es hat nicht mehr diesen Verblüffungsmoment.“
Thea Dorn nennt Breaking Bad als möglicherweise beste Serie aller Zeiten, um ihre These zu illustrieren, dass Netflix als algorithmische Wiederaufbereitungsmaschine funktioniert. Genuiner kreativer Impuls wie bei Breaking Bad werde durch Netflix-Auftragsproduktionen wie Ozark nur noch imitiert, nie erreicht.
Ozark
· 2017
Ein Finanzberater zieht mit seiner Familie aus Chicago in die Ozarks in Missouri. Im Kampf gegen einen Drogenbaron muss er in fünf Jahren 500 Mio. US-Dollar waschen.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 07:22:15 „Und dann kommt so was wie Ozark raus, also dann gibt Netflix in Auftrag, das muss ungefähr so sein wie Breaking Bad, nur ein bisschen anders. Und das ist immer noch gut gemacht und immer noch viel besser gemacht als viel anderes. Aber es hat nicht mehr diesen Verblüffungsmoment.“
Thea Dorn nutzt Ozark als Negativbeispiel für die algorithmische Serienproduktion bei Netflix. Die Serie sei zwar gut gemacht, aber letztlich nur ein kalkulierter Abklatsch von Breaking Bad ohne dessen kreativen Verblüffungsmoment.
QualityLand
Marc-Uwe Kling
Welcome to QualityLand, the best country on Earth. Here, a universal ranking system determines the social advantages and career opportunities of every member of society. An automated matchmaking service knows the best partners for everyone and helps with the break up when your ideal match (frequently) changes.
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 07:23:13 „Hier saß mal jemand, der seine Wächter in HBO verkauft hat, nämlich Mark-Uwe Kling. Nein, nein, nicht das. Der Autor, der aber Quality Land, auch so ein Bestseller von ihm, so eine Dystopie, sag ich mal. Das hat er in HBO verkauft.“
Jochen Wegner erwähnt im Kontext der HBO-Diskussion, dass Marc-Uwe Kling seinen Bestseller QualityLand an HBO verkauft hat. Er verweist auf Klings Besuch beim Podcast und die geplante Serienadaption der Dystopie.
Six Feet Under
Alan Ball · 2001
Nach dem Tod ihres Vaters müssen zwei Brüder das Bestattungsinstitut der Familie retten.
🗣 Thea Dorn empfiehlt aktiv bei ⏱ 07:23:31 „Also ich war Kultistin, großer Serien-Junkie von Six Feet Under, was ja auch eine HBO-Serie war. Also ich halte HBO schon seit 90ern eigentlich treu.“
Thea Dorn beschreibt sich als langjährige HBO-Anhängerin und nennt Six Feet Under als eine Serie, deren kultischer Fan sie war. Sie unterstreicht damit ihre These, dass HBO seit den 90er Jahren ein verlässlicher Garant für qualitativ hochwertige Serien ist.
Tinderbox: HBO's Ruthless Pursuit of New Frontiers
· 2021
Tinderbox tells the exclusive, explosive, uninhibited true story of HBO and how it burst onto the American scene and screen to detonate a revolution and transform our relationship with television forever. The Sopranos, Game of Thrones, Sex and the City, The Wire, Succession...HBO has long been the home of epic shows, as well as the source for brilliant new movies, news-making documentaries, and controversial sports journalism.
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 07:23:49 „In Amerika ist gerade ein Buch erschienen über HBO. Und ich habe noch einen Podcast gehört, in dem sie über das Buch gesprochen haben mit dem Autor. Und sehr lustig, weil HBO, was mir überhaupt nicht klar war, also ich hatte HBO immer so als Qualitätsfernsehen im Begriff. HBO hat als super cheap, die einfach nur das gesendet haben, was die etablierten seriösen Sender nicht gesendet haben.“
Christoph Amend erwähnt ein kürzlich in Amerika erschienenes Buch über die Geschichte von HBO. Er erzählt die überraschende Erkenntnis daraus, dass HBO ursprünglich ein Billigsender für schlechte Sportrechte und Softpornos war und sich erst nach dem Aufkommen des Internets auf Qualitätsfernsehen umstellte.
Only Words
Catharine MacKinnon
When is rape not a crime? When it's pornography--or so First Amendment law seems to say: in film, a rape becomes "free speech." Pornography, Catharine MacKinnon contends, is neither speech nor free. Pornography, racial and sexual harassment, and hate speech are acts of intimidation, subordination, terrorism, and discrimination, and should be legally treated as such.
🗣 Thea Dorn referenziert bei ⏱ 07:24:55 „Zum Beispiel eine Autorin wie Catherine McKinn war damals in den 90ern hoch diskutiert an philosophischen Seminaren. Das hieß Only Words. Also das waren im Grunde auch schon Vorläuferformen der Debatten, die wir heute allzu gut kennen. Also was richten Worte, was bedeutet Sprache, was ist auch eine Gewalt von Sprache.“
Im Kontext ihrer nie geschriebenen Dissertation über Pornografie erzählt Thea Dorn von Catharine MacKinnons Buch 'Only Words', das in den 90ern an philosophischen Seminaren diskutiert wurde. Sie sieht darin Vorläufer der heutigen Sprachgewalt-Debatten und beschreibt, wie das Thema damals an der Universität noch auf Skepsis stieß.