Theater aus Alles gesagt?
127 Theater aus 125 Episoden · Seite 1 von 3
Hamlet
William Shakespeare
Regisseur Johann Simons inszeniert Shakespeares Hamlet am Schauspielhaus Bochum mit der Schauspielerin Sandra Hüller in der Hauptrolle. Die Produktion gewinnt durch Hüllers internationale Bekanntheit nach ihrer Oscar-Nominierung zusätzliche Aufmerksamkeit. Die Inszenierung tourt mittlerweile über Bochum hinaus und bildet einen Schwerpunkt des Regisseurs in der zeitgenössischen Shakespeare-Interpretation.
Terror
Ferdinand von Schirach
Theaterstück von Ferdinand von Schirach über ein ethisches Dilemma: Ein Kampfpilot muss entscheiden, ob er ein von Terroristen gekapertes Passagierflugzeug abschießen soll, das über ein volles Fußballstadion fliegt. Das Stück verhandelt die moralische Frage von Triage-Entscheidungen und Verantwortung in Krisensituationen.
Die Dreigroschenoper
Bertolt Brecht
Die Dreigroschenoper von Bertolt Brecht aus dem Jahr 1928 ist ein Theaterstück, das im viktorianischen London spielt und einen erbitterten Konkurrenzkampf zwischen dem Verbrecherbosse Mackie Messer und dem Bettlermafia-Boss Jonathan Peachum darstellt. Der Konflikt eskaliert, als Mackie heimlich Peachums Tochter Polly heiratet, worauf Peachum plant, Mackie auszuliefern. Nach mehreren Verhaftungen und Fluchtversuchen wird Mackie schließlich zum Tode verurteilt, erhält aber in letzter Minute ein königliches Begnadigungsschreiben und wird sogar in den Adelsstand erhoben. Das Drama verbindet episches Theater mit 21 Liedern von Kurt Weill und kritisiert durch die Kriminalgeschichte die sozialen Verhältnisse der Zeit.
Faust
Johann Wolfgang von Goethe
Goethes Faust gehört zu den bedeutendsten Werken der deutschen Literatur. Der Artikel beleuchtet die Gretchen-Szene – das ergreifende Gebet aus dieser Tragödie – anhand von Dagmar Berghoffs Erfahrungen bei Theatervorsprechungen. Er zeigt die Spannung zwischen künstlerischer Leidenschaft und der oft nüchternen Realität von Casting-Prozessen in der Theaterbranche.
Leonce und Lena
Georg Büchner
Absurdes Theaterstück von Georg Büchner über eine Liebe in surrealer Atmosphäre. Büchner schrieb das Werk kurz vor seinem frühen Tod; es bleibt ein meisterliches Beispiel seiner innovativen dramatischen Kunst und wird bis heute inszeniert.
Mutter Courage und ihre Kinder
Bertolt Brecht
Bertolt Brechts Klassiker des epischen Theaters zeigt Mutter Courage, die während des Dreißigjährigen Krieges mit ihren Kindern umherzieht und vom Krieg lebt, indem sie die Armeen versorgt. Das Stück ist eine kritische Darstellung einer ambivalenten Figur, die am Krieg verdient, während sie ihre Kinder verliert – eine sozialkritische Meditation über die menschlichen Kosten von Krieg und wirtschaftliche Ausbeutung.
Publikumsbeschimpfung
Peter Handke
Peter Handkes experimentelles Skandal-Stück von 1966 verzichtet auf traditionelle Handlung und Charaktere. Stattdessen konfrontiert es das Publikum direkt mit verbaler Attacke und philosophischer Provokation. Das revolutionäre Werk hob die Grenze zwischen Bühne und Zuschauern auf und machte Handke international berühmt.
Richard III.
William Shakespeare
Shakespeares Tragödie über die Machtergreifung des englischen Königs Richard III. während der Rosenkriege. Das Stück dient häufig als Spiegel für zeitgenössische politische Verhältnisse, wie eine israelische Inszenierung bei den Wiener Festwochen zeigte, die das Klassische nutzte, um subtil über gegenwärtige Konflikte zu reflektieren.
Dantons Tod
Georg Büchner
Georg Büchners dramatisches Werk "Dantons Tod" thematisiert die existenzielle Desillusionierung eines revolutionären Idealisters, der an der Bedeutungslosigkeit des alltäglichen Lebens zerbricht. Danton verkörpert den verlorenen Glauben an die Revolution und kämpft gegen die erdrückende Langeweile der Wiederholung – ein Zustand, der sowohl die persönliche als auch die politische Sinnlosigkeit offenbart. Das Drama stellt fundamentale Fragen zur menschlichen Existenz und der Fähigkeit, angesichts von Absurdität und Alltäglichkeit weiterzuleben.
Der Müll, die Stadt und der Tod
Rainer Werner Fassbinder
Dieter Wunderlich analysiert Rainer Werner Fassbinders umstrittenes Theaterstück „Der Müll, die Stadt und der Tod" und seine Verflechtung mit antisemitischen Stereotypen. Der Artikel zieht Parallelen zu Robert Walsers Werk und zeigt auf, wie beide Künstler in ähnliche ideologische Fallen tappten, insbesondere im Umgang mit dem jüdischen Immobilienspekulanten als literarischer Figur. Es geht um die historische Kontinuität problematischer Darstellungen und deren Rezeption in der deutschsprachigen Literatur und Dramatik.
King Lear
William Shakespeare
König Lear dankt seinem Thron ab und verteilt sein Reich unter seinen drei Töchtern, wird jedoch von den beiden älteren hintergangen, während die jüngste verstößen wird. Das Werk entfaltet sich als düstere Tragödie von Machtmissbrauch, Wahnsinn und Familie, die mit dem Verlust aller Beteiligten endet. Shakespeare erforscht hier die Brüchigkeit menschlicher Beziehungen und die katastrophalen Folgen fehlgeleiteter Urteile.
Nathan der Weise
Gotthold Ephraim Lessing
Lessings Drama "Nathan der Weise" enthält die Ringparabel, die zeigt, dass die drei abrahamitischen Religionen ursprünglich eins waren und gleichberechtigt nebeneinander stehen. Der Text hilft zu verstehen, dass vermeintliche Religionskonflikte künstlich sind und auf gemeinsamen Grundlagen beruhen. Für Hadija Haruna-Oelker war das Werk als Kind zentral, um ihre dual-religiöse Prägung zwischen Islam und Katholizismus nicht als Widerspruch zu erleben.
Wallensteins Lager
Friedrich Schiller
Schauspiel von Friedrich Schiller (1798), erstes Teilstück der Wallenstein-Trilogie. Spielt im Lager des Feldherrs Wallenstein während des Dreißigjährigen Krieges und dient als dramatische Exposition. Berühmt für seinen Prolog im Knittelvers mit den Versen 'Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?'
A Raisin in the Sun
Lorraine Hansberry
Lorraine Hansberrys Klassiker über den alltäglichen Kampf einer afroamerikanischen Familie in Chicago. Das Stück zeigt, wie wichtig es ist, große Werke live zu erleben statt nur über sie zu lesen – wie beim inspirierenden Schulausflug des Podcast-Sprechers zum Broadway, der sein kulturelles Verständnis nachhaltig prägte.
Against
„Against" ist ein syrisches Theaterstück, das während des Arabischen Frühlings aufgeführt wurde und zu den ersten explizit regimekritischen Werken zählt. Das Stück wurde bemerkenswert mutig sogar in Anwesenheit des Sicherheitsdienstes inszeniert. Es dokumentiert den kulturellen Widerstand gegen das syrische Regime in einer Periode politischen Umbruchs in der arabischen Welt.
An Enemy of the People
Henrik Ibsen
Theaterproduktion von Henrik Ibsens Klassiker "Ein Volksfeind" mit Schauspieler Matt Smith. Der Artikel illustriert ein grundsätzliches Problem des kommerziellen Londoner Westend-Theaters, wo der Starname der Produktion oft wichtiger ist als der künstlerische Inhalt. Dies verdeutlicht das im Podcast diskutierte System, in dem Produzenten Shows primär nach der Berühmtheit ihrer Hauptdarsteller bewerten.
Baal
Bertolt Brecht
Baal ist ein frühes Theaterstück von Bertolt Brecht, das am Berliner Ensemble aufgeführt wurde. Regisseur Volker Schlöndorff verfilmte das Drama, wobei die Witwe von Brecht, Helene Weigel, die künstlerische Kontrolle über die Besetzung und Umsetzung behielt. Das Stück zeigt Brechts experimentelle dramatische Sprache und bleibt ein Klassiker des politischen Theaters.
Billy Elliot The Musical
Stephen Daldry
Billy Elliot The Musical ist die erfolgreiche Theateradaption des Tanzfilms von Regisseur Stephen Daldry. Das Musical läuft an mehreren prominenten Spielstätten weltweit gleichzeitig, darunter Hongkong, Shanghai, New York und London. Es gilt als Paradebeispiel für eine extrem profitable Theaterproduktion und demonstriert das enorme wirtschaftliche Potenzial von Broadway- und West-End-Inszenierungen.
Bitterer Honig
Bitterer Honig war das Theaterstück, das Herbert Grönemeyers Einstieg in die Schauspielerei markierte. Der damalige Gymnasiast wurde nach einem Zufallsgespräch in einer Kneipe zum Vorspielen beim Schauspielhaus Bochum eingeladen und erhielt die Rolle. Das Stück führte ihn vom Klavierspiel zur Bühne und legte damit den Grundstein für seine spätere Karriere als Künstler.
Bucketlist
Nia Eli
Experimentelles Theaterstück von Nia Eli über Traumatisierung und Orientierungslosigkeit nach dem 7. Oktober. Das Stück verzichtet auf explizite Nennung des Datums, nutzt Bucketlisten-Konzepte, um die emotionalen Nachwirkungen und existenzielle Verunsicherung zu erforschen.
Cabaret
John Kander, Fred Ebb
Cabaret ist das klassische Broadway-Musical über den Aufstieg des Faschismus im Weimar-Berlin der 1930er Jahre. Eine aktuelle Neuinszenierung mit Eddie Redmayne verdeutlicht, wie das fast 50 Jahre alte Stück durch die heutige politische Lage eine beängstigende Aktualität zurückgewonnen hat – die Realität scheint den dramatischen Text des Originals eingeholt zu haben.
Café Müller
Pina Bausch
Pina Bauschs Tanztheater-Klassiker Café Müller berührt Zuschauer durch innovative Bewegungssprache und emotionale Unmittelbarkeit tief. Das Werk verbindet Tanz mit authentischem Gefühlsausdruck und durchbricht traditionelle Ballettkonventionen. Es zeigt die transformative Kraft des modernen Tanztheaters, der sich selbst etablierte Künstler nicht entziehen können.
Cats
Andrew Lloyd Webber
Cats ist Andrew Lloyd Webbers legendäres Musical, das auf T.S. Eliots Gedichtsammlung "Old Possum's Book of Practical Cats" basiert. Das von Trevor Nunn inszenierte und von Gillian Lynne choreographierte Werk hatte 1981 am New London Theatre Uraufführung und spielte dort 21 Jahre lang in fast 9.000 Aufführungen, was es zu einem der erfolgreichsten Musicals der West-End- und Broadway-Geschichte machte. Die Broadway-Produktion lief 18 Jahre und gewann sieben Tony Awards, die Londoner Inszenierung erhielt Olivier und Evening Standard Awards. Das ikonische Lied "Memory" zählt zu den bekanntesten Nummern der Musicalgeschichte und wurde von über 150 Künstlern wie Barbra Streisand und Barry Manilow interpretiert. Die neuere Inszenierung "Cats: The Jellicle Ball" wurde 2026 für die Outer Critics Circle Awards nominiert und läuft an mehreren internationalen Spielstätten sowie einer UK-Tour.
Changes
Thomas Ostermeier
Changes ist eine Theaterinszenierung von Thomas Ostermeier, die sich durch minimalistischen Videoeinsatz auszeichnet. Statt großflächiger Bildschirme nutzt Ostermeier nur drei kleine Fernseher und einen Kühlschrank als installative Elemente. Diese Objekte treten bewusst in den Hintergrund und funktionieren als subtile atmosphärische Impressionen, nicht als dominierendes Bühnenelement.
Choral vom großen Baal
Bertolt Brecht
Der "Choral vom großen Baal" ist ein Gedicht aus Bertolt Brechts Frühwerk "Baal", das seine künstlerische Haltung und inspirierende Kraft zeigt. Das Werk verdeutlicht nicht nur Brechts literarisches Schaffen, sondern auch die grundsätzliche Philosophie hinter seinem Denken, die über bloße Imitation hinausgeht. Dieses Frühwerk bleibt relevant, weil es Brechts charakteristische und originale Stimme offenbart.
Corpus Delicti (Theaterstück)
Juli Zeh
Corpus Delicti ist ein dystopischer Roman von Ulrike Herrmann, der ursprünglich 2007 als Theaterstück geschrieben wurde. Die Geschichte zeigt eine totalitäre Zukunftswelt von 2057, in der ein autoritärer Gesundheitsstaat die vollständige Kontrolle über die Bürger ausübt. Der 2009 veröffentlichte Roman behandelt zentrale Themen wie Überwachung, Freiheit und die Grenzen staatlicher Macht.
Das Wintermärchen
Das Wintermärchen ist eine Theaterproduktion, in der Grönemeyer in Hamburg mitwirkte und gleichzeitig in Bochum Vorstellungen gab. Der Artikel dokumentiert diese intensive Phase seiner Karriere, in der er täglich zwischen den beiden Städten pendelte und dabei über 120.000 Kilometer zurücklegte. Die Geschichte zeigt sein großes Engagement und die physische Belastung, die mit solch parallelen Theateraufträgen verbunden war.
Der Sturm
William Shakespeare
Shakespeares »Der Sturm« ist eine Komödie über Schiffbruch, Magie und menschliche Versöhnung. Die Rolle des Trinculo, eine komische Nebenfigur, symbolisiert in Nina Hoss' Erzählung die Freiheit künstlerischen Experimentierens während ihrer Ausbildung an der Schauspielschule. Das Stück zeigt, wie Schauspieler in dieser Phase noch in unerwartete Rollen schlüpfen durften, bevor sie vom Publikum in bestimmten Charaktertypen festgelegt wurden. Für ihre künstlerische Entwicklung war diese Phase des freien Ausprobierens prägend.
Der Zauberlehrling
Der Zauberlehrling ist eine Kinderfassung des Goethe-Klassikers, die Alli Neumann in ihren Anfängen als Schauspielerin an einer niederdeutschen Bühne spielte. Durch etwa 300 Aufführungen des gleichen Stücks entwickelte sie eine tiefe Abneigung gegen das Theater. Ihre Geschichte zeigt, wie intensive Wiederholung eines Werks zu beruflicher Desillusionierung und zum Ausstieg aus einem Beruf führen kann.
Der kaukasische Kreidekreis
Bertolt Brecht
Bertolt Brechts Drama "Der kaukasische Kreidekreis" (1944) erzählt von der Küchenmagd Grusche, die ein verlassenes Kind aufzieht und sich anschließend in einem Sorgerechtsstreit gegen die biologische Mutter behauptet. Der Richter Azdak entscheidet die Sache durch die unkonventionelle Kreidekreisprobe, die wahre Mutterliebe zur Bedingung für das Erziehungsrecht macht. Damit kritisiert das Stück die Widersprüche des Rechtssystems und stellt aufrichtige menschliche Fürsorge über formale gesellschaftliche Hierarchien.
Die Fliegen
Jean-Paul Sartre
Jean-Paul Sartres Theaterstück „Die Fliegen" ist eine existentialistische Neuinterpretation des antiken Atriden-Mythos. Als Orest nach Argos zurückkehrt, findet er seine Heimatstadt unter der Herrschaft des Usurpators Ägisth unterdrückt vor, der das Volk durch künstlich erzeugtes Schuldgefühl versklavt. Mit Freiheitswille und Verstand entschließt sich Orest, das tyrannische Regime zu beseitigen. Das 1943 uraufgeführte Stück war der deutschen Zensur entgangen und galt als verborgenes Manifest des Widerstands gegen die Besatzungsmacht und das Vichy-Regime. Es zeigt, wie Unterdrückung überwunden werden kann, wenn Menschen sich ihrer Freiheit bewusst werden und die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen.
Die Geisel
Brendan Behan
Brendan Behans Drama Die Geisel war in den 1970er Jahren an der Volksbühne in West-Berlin aufgeführt. Das Stück thematisiert Gefangenschaft und Freiheit und wird hier aus der Perspektive eines Zeitzeugen betrachtet, der die Berliner Theaterszene dieser Epoche erlebte.
Die Geisel (Volksbühne Berlin)
Brendan Behan
Hörspiel der Volksbühne Berlin aus den 1970er Jahren, in dem Herbert Grönemeyer in seiner frühen Schauspielkarriere mitwirkte. Das Stück dokumentiert eine wichtige Phase vor seiner späteren Karriere als Musiker und zeigt seinen künstlerischen Werdegang im Theater.
Die Mausefalle (The Mousetrap) - Szene in Hamlet
William Shakespeare
Die Mausefallen-Szene aus Shakespeares Hamlet ist eine berühmte meta-theatralische Sequenz, in der eine Schauspielgruppe das Verbrechen des Königs vor Publikum aufführt. Diese Spiel-im-Spiel-Struktur dient dazu, den König und die Königin mit ihrer eigenen kriminellen Tat zu konfrontieren. Die Szene zeigt Shakespeares dramaturgische Raffinesse im Umgang mit Wahrheit und Täuschung und erklärt, wie Theater als Instrument zur Aufdeckung von Verbrechen fungieren kann.
Die Möwe
Anton Tschechow
Tschechows Klassiker "Die Möwe" ist eine psychologische Studie über Künstler, Liebe und Enttäuschung an einem Landsitz. Die Londoner Inszenierung des Regisseurs Ostermeier mit Cate Blanchett gehört zu den modernen Interpretationen des russischen Theaters und wird im Podcast als Beispiel für die Unterschiede zwischen britischer und deutscher Theaterlandschaft herangezogen. Der persönliche Bezug des Sprechers zum Stück verdeutlicht dessen Bedeutung für zeitgenössische Kunstdiskurse.
Die Möwe (Inszenierung Barbican London)
Thomas Ostermeier
Ostermeiers international beachtete Inszenierung von Tschechows "Die Möwe" am Londoner Barbican mit einer Starbesetzung um Cate Blanchett, Emma Corrin und weiteren namhaften Schauspielern. Das Bühnenbild der Bühnenbildnerin Magda Willi mit charakteristischem Schilf-Horizont prägte das Gesamterlebnis entscheidend. Der Artikel dokumentiert dieses hochrangige Theaterereigis, das für deutschsprachiges Publikum als bedeutsamer Kulturhöhepunkt der zeitgenössischen Theaterszene von Interesse ist.
Die Nashörner
Eugène Ionesco
Eugène Ionescos "Die Nashörner" (ursprüngliche Novelle 1957, Theaterstück 1959) handelt von einer Stadt, deren Bewohner sich nach und nach in Nashörner verwandeln, während der Protagonist Behringer verzweifelt Mensch bleibt. Das Werk wird häufig als politische Allegorie missverstanden, doch Ionesco betont, dass es nicht gegen spezifische Ideologien gerichtet ist, sondern universelle Themen wie Konformismus und Entmenschlichung behandelt. Das Kernthema ist die menschliche Würde und der Widerstand gegen blindes Mitläufertum. Der Autor bekräftigt in einem Interview von 1982, dass ihn instinktive Abscheu vor Dummheit und Menschenrechtsverletzungen treibt, nicht parteiische Ziele.
Die Perser
Aischylos
In Aischylos' „Die Perser" wird die Schlacht von Salamis aus persischer Perspektive erzählt – ein ungewöhnlicher Blickwechsel, der die Athener zwang, ihre eigene Geschichte aus Sicht des Feindes zu betrachten. Diese Übung in Perspektivübernahme schärfte das politische Urteilsvermögen der Bürger. Sandra Bezlers Inszenierung am Theater Meiningen reaktualisiert dieses antike Drama und stellt damit die Frage, warum diese Fähigkeit zum Perspektivwechsel in der heutigen europäischen Debattenkultur fehlt.
Die Popovsky Show
Achim Hagemann
Die Popovsky Show ist ein Soloprogramm des Komikers und Schauspielers Achim Hagemann. Das Programm wurde von Hape Kerkeling in einem Podcast warmherzig empfohlen, der damit auf das aktuelle Bühnenprogramm seines langjährigen Partners hinweist. Die Show richtet sich an Fans von deutschem Kabarett und Comedy, die Hagemann von seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Kerkeling kennen.
Die Reise der Verlorenen
Daniel Kehlmann
Die Reise der Verlorenen ist ein Schauspiel von Daniel Kehlmann über die St. Louis, ein Schiff mit fast tausend jüdischen Flüchtlingen während der NS-Zeit. Das Stück basiert auf einer wahren Geschichte und zeigt die verzweifelte Suche dieser Menschen nach Zuflucht, während sie von verschiedenen Ländern abgewiesen wurden. Es behandelt ein wichtiges Kapitel der Flucht und Verfolgung während des Holocausts.
Die Räuber
Friedrich Schiller
Friedrich Schillers Klassiker Die Räuber in einer provokanten Inszenierung von Frank Kastorff an der Volksbühne 1991. Der Schauspieler Henry Hübchen verließ mitten in der Aufführung bewusst die Rolle des Franz – ein theatralischer Schock, der die vierte Wand durchbrach und für den anwesenden Regisseur Thomas Ostermeier ein prägender Moment der modernen deutschen Theaterkunst wurde.
Die Schöne und das Biest
Schulmusical-Adaption eines klassischen Märchens, in dem zwei Freundinnen gemeinsam als das Biest und die Schöne auftraten. Die Aufführung zeigt die lange kreative Zusammenarbeit zwischen Hasters und ihrer Freundin Maxi und verdeutlicht ihre künstlerische Verbindung seit Schulzeiten.
Die Weber
Gerhart Hauptmann
Gerhart Hauptmanns Drama „Die Weber" behandelt den schlesischen Weberaufstand von 1844 und gilt als Klassiker der deutschen Literaturgeschichte. Das Werk zeigt, wie Arbeiter gegen die wirtschaftlichen Folgen technologischer Veränderungen aufbegehren und ihren Widerstand organisieren. Die historische Parallele illustriert, dass solche Versuche, gesellschaftlichen Wandel zu blockieren, letztlich scheitern – aber als kulturelles Erbe nachwirken.
Die Wildente
Henrik Ibsen
Ostermeiers Inszenierung von Ibsens Klassiker „Die Wildente" arbeitet bewusst ohne Videoeinsatz und wird damit als Beispiel für minimalistische Theaterpraxis diskutiert. Dies steht im Gegensatz zu einem verbreiteten Trend im zeitgenössischen Theater, der Video vielfach einsetzt. Die Regie zeigt einen alternativen Zugang zu Bühnendramaturgie.
Die Wäscherin des Herrn Bonaparte (Madame Sans-Gêne)
Klassisches französisches Lustspiel über die Begegnung einer ehemaligen Wäscherin mit Napoleon während der Französischen Revolution. Das Theaterstück wurde in einer Fernsehinszenierung mit Schauspielerin Inge Meisel adaptiert. Die Live-Studio-Produktion markierte Michael Kehlmanns Regiedebüt und demonstriert die technische Meisterschaft des damaligen Fernsehtheaters.
Die menschliche Stimme
Jean Cocteau · 1930
Cocteaus Monolog einer verlassenen Frau in ihrem letzten Telefongespräch mit ihrem ehemaligen Liebhaber. Ein lyrisches Drama der menschlichen Verletzlichkeit, Verzweiflung und Liebe, das die Macht der einzelnen Stimme in der Einsamkeit erforscht.
Effi Briest
Theodor Fontane
Theodor Fontanes Roman „Effi Briest" ist ein Klassiker der deutschsprachigen Literatur, der die tragische Geschichte einer jungen Frau in der preußischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts erzählt. Der Podcast bezieht sich auf eine humorvolle Szene aus dem Werk, die eine Schauspielerin als Bühnenadaption aufführte – als kontrastreiches Wechselspiel zu schwereren dramatischen Monologen. Die Darstellung zeigt, wie literarische Klassiker für unterschiedliche künstlerische Interpretationen genutzt werden können.
Ein Jahr ohne Sommer
Florentina Holzinger
"Ein Jahr ohne Sommer" ist eine Theaterproduktion der österreichischen Künstlerin Florentina Holzinger an der Volksbühne. Das Stück verbindet performative Elemente mit konzeptuellen künstlerischen Ideen und wird in die Tradition von Christoph Schlingensief eingeordnet, der ebenfalls am selben Theater inszenierte. Holzingers Arbeiten zeichnen sich durch innovative und oft provokative künstlerische Positionen aus, die zeitgenössische gesellschaftliche Themen verhandeln.
Ein Stück am Gorki Theater (über Fluchtgeschichten)
Theaterstück am Maxim Gorki Theater, in dem ein Schauspieler seine persönliche Fluchtgeschichte auf der Bühne erzählt. Das Stück verbindet Humor und ernsthafte Momente zu einer intensiven Performance. Marc-Uwe Kling hebt besonders die schauspielerische Qualität und das Timing hervor, das das Publikum emotional mitnimmt.
Ein Volksfeind
Henrik Ibsen / Thomas Ostermeier · 2012
Ibsens Klassiker in Thomas Ostermeiers preisgekrönter Inszenierung von 2012. Ein Drama über einen Arzt, der die unbequeme Wahrheit sagt und zum Feind der Gesellschaft wird. Ostermeiers innovative Town Hall-Szene bezieht das Publikum direkt ein und provozierte weltweit tumultartige Reaktionen – von New York bis Santiago de Chile.